Kündigung: Kirche wundert sich

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Warum sich die evangelische Kirchengemeinde von der Stadt schlecht behandelt sieht.

Aalen. Die evangelische Kirchengemeinde Aalen hat den Vertrag mit der Stadt für den Betrieb des Kindergartens „Sonnenhaus“ im Hüttfeld gekündigt. Das war unter anderem Thema jüngst im Gemeinderat. Wie die Stadtverwaltung über diese Kündigung mündlich und in den Unterlagen dazu informierte, hat innerhalb der Kirche für Unmut gesorgt. Dekan Ralf Drescher und der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Thomas Hiesinger, haben deshalb einen öffentlichen Brief verfasst.

Stein des Anstoßes: Für die Stadtverwaltung sei die Kündigung der evangelischen Kirchengemeinde „sehr überraschend“ gekommen, hatte Katja Stark, die Leiterin des Amts für Soziales, Jugend und Familie, in der Sitzung öffentlich geäußert. In der Sitzungsvorlage hatte die Verwaltung überdies dargelegt, die Kirche habe als Grund für ihre Kündigung unter anderem Auswirkungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg angeführt.

Das sagt die Kirchengemeinde: „Bereits im Frühjahr“ sei mit dem zuständigen Fachamt der Stadt Aalen über die Frage der künftigen Trägerschaft des Kindergartens Sonnenhaus gesprochen worden, heißt es in dem öffentlichen Brief. Dabei habe man seitens der evangelischen Kirchengemeinde Aalen darauf hingewiesen, dass die Abgabe der Trägerschaft dieses Kindergartens „unumgänglich sei, sofern die Stadt Aalen ihren Kindergartenvertrag nicht überdenke“.

Hier gehe es im Wesentlichen um die Investitionskosten, die im Verhältnis 70 Prozent (Anteil der Stadt Aalen) und 30 Prozent (Anteil der freien Träger) zu tragen sind. „Das übersteigt mittel- und langfristig unsere finanziellen Möglichkeiten“, sagt Thomas Hiesinger, der gewählte Vorsitzende namens der evangelischen Kirchengemeinde. Die finanzielle Situation der Kirche habe sich in den vergangenen Jahren „merklich zugespitzt“. Die Kirche könne nur das Geld investieren, das ihr zur Verfügung gestellt werde. Gemeint sind damit die Geldzuflüsse aus Kirchensteuern.

Anstoß Zeitplan: Oberbürgermeister Brütting habe zwar beim Besuch einer Sitzung des Kirchengemeinderats im Mai angedeutet, dass er den bestehenden Kindergartenvertrag überdenken wolle, schreiben Drescher und Hiesinger weiter. Seither habe man allerdings „nichts mehr gehört“.

Bürgermeister Ehrmann habe sich an einer Veränderung des bestehenden Kindergartenvertrags offenbar nicht interessiert gezeigt. Anfang Juli habe man bei der Stadtverwaltung noch einmal nachgefragt, ob die Stadt am bestehenden Kindergartenvertrag festhalte, heißt es in dem öffentlichen Brief der Kirche.

Nach Eingang des entsprechenden Bescheids bei der Kirchengemeinde habe man unmittelbar im Anschluss daran die Stadt fristgemäß und schriftlich darüber informiert, die Trägerschaft für den Kindergarten Sonnenhaus zum Ende des Kindergartenjahrs 2022/2023 abzugeben. Dekan Ralf Drescher betont: „Wenn die Stadtverwaltung jetzt davon spricht, sie sei von der Entscheidung der Kirchengemeinde überrascht worden, darf man sich schon ein wenig wundern.“

Resümee: Drescher und Hiesinger betonen: „Fakt ist: Kindergartenplätze sicherzustellen ist zunächst eine kommunale Pflichtaufgabe!“ Die Stadt Aalen, allen voran Bürgermeister Ehrmann, vertrete dabei die Position, dass man sich die Trägerschaft eines Kindergartens „etwas kosten lassen müsse“. Drescher: „Das kann man so sehen. Wir haben ein anderes Verständnis von Subsidiarität und Trägervielfalt.“ Gute Beispiele dafür gebe es in anderen Gemeinden im Ostalbkreis.“

Der öffentliche Brief ging nicht nur an die SchwäPo, sondern auch die Gemeinderatsmitglieder, an OB Frederick Brütting und Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann sowie an das zuständige Fachamt im Rathaus.

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