Kunst bringt Leben in das Mögglinger Café

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Werner Henkel mit seiner Pappmaché-Bracke vor dem Mögglinger Gartenschau-Café. Alle Kunstwerke aus Holz sind von ihm, für das pflanzliche Ambiente samt Kürbissen sorgt das ehrenamtliche Dorfblick-Team aus Gartenschau-Tagen.
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Wie Hobbykünstler Werner Henkel das Café am Marktplatz mit verschiedenen Materialien bereichert.

Mögglingen. Wenn Werner Henkel in den Wald geht, kommt er oft schwer beladen wieder heraus. Der 73-jährige Mögglinger ist Hobbykünstler. Seine Materialien findet er in der Natur. Vor allem arbeitet er mit Holz. Äste, Stämme, Bretter. "Bevor das alles verbrannt wird oder weggeworfen, mach‘ ich lieber etwas draus", meint Henkel. Manchmal geht das sogar, wenn das Holz schon gebrannt hat. Eines seiner Kunstwerke ist ein verkohlter Baumstamm, den er am Rosenstein bei Lautern aus einer Feuerstelle mitgenommen hat. Die Strukturen hat er mit Lacken und Farben befestigt.

Der Stamm steht mit vielen anderen Skulpturen im Schaufenster des Gartenschau-Cafés am Mögglinger Marktplatz. Nicht alle haben Gesichter, aber die, die welche haben, schauen nach draußen. Mit gutem Grund. Denn die Werke sollen von außen betrachtet werden können. Weil das Café wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen ist.

Er laufe tagtäglich an dem Gebäude vorbei, erzählt Werner Henkel. Zur Gartenschau im vergangenen Jahr sei immer viel los gewesen. Zuletzt habe das Café etwas trostlos ausgesehen. Verlassen. Kahl. Genau das Richtige also für Werner Henkel und seine bunten Ideen. Ihm kamen gleich die leer stehenden Gebäude in Heubach in den Sinn, die von Künstlern als "Kunstschaufenster" genutzt werden. "Das könnten wir doch auch machen", dachte sich Henkel. Gesagt, getan. Sowohl das ehrenamtliche Gartenschau-Café-Team um Irmgard Sehner und Claudia Vogt als auch Bürgermeister Adrian Schlenker musste Henkel nicht lange überzeugen.

Konkurrenz zur Gastronomie?

Außer Holz verarbeitet der gelernte Werkzeug-Macher Metall, Pappe und Glas. Er sägt, dübelt, bohrt, leimt, feilt, schleift, malt, schweißt und schmiedet. "Ich möchte mit meinen Objekten auch die Wertigkeit von Rohstoffen unterstreichen", sagt Henkel. Und zeigen, was man alles daraus machen kann. Fantastische Gebilde stehen neben Engelsfiguren aus dem Holz alter Kirchenbänke, ein Herz-Spiegelbild aus Birnenholz neben dem "Kunden-Stopper" direkt am Eingang. Der Künstler folgt bei seinen Objekten meist keinem Plan. "Das entsteht spontan", so Henkel, der davon ausgeht, dass seine Kunst zumindest den Winter über im Mögglinger Café bleiben wird.

In der kalten Jahreszeit beschäftigt sich Werner Henkel viel mit Glasmalerei, auch diese Werke sind im Schaufenster ausgestellt. Genauso wie der schwarze Hundekopf aus Pappmaché, eine original Mögglinger Bracke wie aus dem Gemeindewappen.

Eine Kunstausstellung, die der Besucher von draußen bewundern kann, ist ja schön und gut. Die Macher des Gartenschau-Cafés würden ihr Projekt aber gerne weiterführen – in welcher Form auch immer. Denn ganz unproblematisch ist das Ganze nicht. Schon kurz nach der Gartenschau diskutierte der zuständige Ausschuss des Gemeinderats recht kontrovers die Zukunft des ehrenamtlich betriebenen Cafés. Eine Kulturbühne? Ein Veranstaltungsort für Vereine? Oder doch ein Profi-Betrieb, etwa eine Eisdiele? Auch die Gewerbetreibenden meldeten sich zu Wort. Ronald Großmann, stellvertretender Vorsitzender der Mögglinger Aktionsgemeinschaft (MAG) der Gewerbetreibenden, betonte damals, das Café dürfe sich nicht zu einer Konkurrenz für die Mögglinger Gastronomie entwickeln.

Wie geht's im Café weiter?

Aktuell gibt es dazu nichts konkret Neues, sagt Bürgermeister Adrian Schlenker auf Nachfrage, Das Gartenschau-Café sei im Jahr 2019 ein voller Erfolg gewesen. Dank der Mitarbeit zahlreicher Ehrenamtlicher sei so eine "sehr attraktive Anlaufstelle in der Mögglinger Ortsmitte" geschaffen worden. Klar sei aber immer der vorübergehende Charakter gewesen. Schlenker: "Die temporäre Nutzung des Cafés für den Zeitraum der Gartenschau konnte mit einigen Hilfskonstruktionen bewerkstelligt werden. Wir streben nun eine dauerhafte Nutzung an, allerdings logischerweise erst, wenn sich die Corona-Situation wieder entspannt hat. Für eine dauerhafte Nutzung sind allerdings noch einige Fragen zu klären."

Der Hobbykünstler verarbeitet Fundstücke aller Art, vor allem Holz, aber auch Fossilien, Pappe, Glas und Metall.

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