Kommentar: Lametta und Sternstunden

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Jürgen Steck

Jürgen Steck über den OB-Wahlkampf

Noch eine Woche. Dann wählt Aalen. Wahlkampf und Corona: Das passt nicht gut zusammen. Dennoch. Jetzt ist Wahlkampf. Aber lange Zeit war keiner. Obwohl es schon einer hätte sein können. Vielleicht lag es daran, dass Frederick Brütting (37, SPD) schon früh ins Rennen gegangen ist, wenngleich auch später als Inge Birkhold (CDU, 54). Die ja aber dann nicht wollte.

Oder durfte. Und wieder aus dem Rennen schied, bevor es richtig losging. Und so durfte Brütting recht lang das Feld weitgehend allein beackern, tat und tut dies mit großer Dynamik, nur mäßig angegangen von den Herren Müller (53, parteilos), Schmidt (55, Die Basis) und Waidmann (54, AfD).

Wir erinnern uns: Die CDU wollte oder konnte, trotz eifriger SchwäPo-Nachfragen, keine Kandidatin, keinen Kandidaten nennen, lange Zeit nicht. Über Wochen erklärte CDU-Chef Thomas Wagenblast, warum das so sei und warum das auch richtig sei so. Die Grünen hielten sich vornehm zurück – und Michael Fleischer erklärte, warum das so sei und warum das auch richtig sei so. Es tauchten noch auf Ronny Ensslin und Albert Seitzer. Und als schon fast niemand daran glaubte: Catherine Rommel – die Bewerberin mit dem prominenten Namen.

Seither gewinnt das Ganze etwas mehr an Fahrt. Auch wenn Ensslin und Seitzer mittlerweile raus sind aus dem Rennen wegen erwiesenen Untergewichts. Immerhin und wie gesagt: Jetzt ist Wahlkampf. Auch wenn es fehlt an der ganz großen Stimmung. Etwa bei der Vorstellung der Bewerbenden in der Stadthalle. Applaus gab es. Für den einen mehr. Für die anderen weniger. Souverän bis solide die beiden Favoriten, Brütting und Rommel. Holprig andere. Wobei’s bei Matthias Müller holprig-charmant daher kommt, bei Marcus Waidmann mindestens holprig-kantig, wenn nicht poltrig. Und bei Stefan Schmidt, ja, mindestens nervig, wenn nicht nervtötend. Aber wie hat das Loriot mal so schön formuliert? Früher war mehr Lametta. Oder: Es fehlt an der großen Debatte. Und den bezeichnenderweise größten Applaus in der Stadthalle bekam nicht jemand, der OB werden möchte. Sondern ein junger Mann. Der eine Frage gestellt hat. Und zwar an Stefan Schmidt – anspielend auf die Corona-Maßnahmen-Demos, die jener organisiert hatte. Ob er, Schmidt, denn tatsächlich ernsthaft glaube, Aalenerinnen oder Aalener würden jemanden wählen, der gemeinsam mit Faschistinnen und Faschisten in Demonstrationen marschieren? Eine Sternstunde in diesem Wahlkampf.

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