"Links geht es ins Gas, rechts zur Arbeit": eine Auschwitz-Überlebende erzählt

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Die Holocaust-Überlebende Eva Erben spricht mit Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Foto: Peter Hageneder
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Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus spricht Eva Erben mit Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums und mit Studierenden.

Aalen. Sie hat Theresienstadt überlebt, Auschwitz überlebt, den Todesmarsch überlebt. So stellt Schulleiter Dr. Christoph Hatscher sie vor. Am Mittwoch sprach Eva Erben in der Aula der Hochschule mit Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums und Studierenden.

„Erst waren wir Tschechen, dann waren wir Juden“, beginnt sie, von ihrem Leben zu erzählen, das 1930 in einem kleinen Ort in der Tschechoslowakei beginnt. 1935 zieht die Familie nach Prag. Erben wächst zweisprachig auf, spricht Tschechisch und Deutsch. Sie erinnert sich an eine glückliche Kindheit in einer schönen Villa. Eines Tages kommen drei SS-Männer in die Villa. Sie bringen die Familie ins Lager Theresienstadt. „Alles haben sie uns weggenommen“, sagt Erben. Auch den Kanarienvogel darf sie nicht mitnehmen. „Mama hat das Fenster aufgemacht und ihn fliegen gelassen“, erzählt Erben. Wenigstens er sollte frei sein.

„Theresienstadt war ein Wartezimmer auf den Tod, aber das wussten wir nicht“, sagt Erben. „Wir dachten, wir werden den Krieg im Ghetto überstehen.“ Sie beschreibt das Lager als überfüllt, Typhus grassiert. 1944 deportieren die Nazis Erben und ihre Mutter ins Konzentrationslager Auschwitz. „Wer hat den Film Schindlers Liste gesehen?“, fragt die Überlebende. „Es war genau so.“ Sie erinnert sich, wie sie mit der Mutter von den Wagen herunter steigt und durch die Selektion geht. Links geht es ins Gas, rechts zur Arbeit. „Und oben stand Dr. Mengele.“ Erben und ihre Mutter werden nach rechts gewiesen. „Drei Wochen waren wir in Auschwitz“, erzählt sie. Dann wurden beide ins Konzentrationslager Groß-Rosen gebracht. Erben trägt zwei linke Schuhe. Der Kommandant von Groß-Rosen gibt ihr ein anderes Paar. „Mit diesen Schuhen bin ich 700 Kilometer auf dem Todesmarsch gelaufen“, sagt sie.

Gegen Ende des Kriegs treiben die Nazis Gefangene aus den Konzentrationslagern gen Westen. „Wer zurückgeblieben ist, wurde erschossen. Wer sich hingesetzt hat, wurde erschossen“, erzählt die Überlebende. Eines Nachts stirbt ihre Mutter. Erben überlebt, weil sie vergessen wird. Den einmal dürfen die Häftlinge nachts in einer Scheune schlafen und sie gräbt sich tief ins Stroh ein. „Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich allein.“ Sie irrt einige Tage umher, wird beinahe von einem deutschen Soldaten erschossen und schließlich von netten Menschen aufgenommen bis der Krieg zu Ende ist. Eva Erben lebt heute in Israel. Sie war Krankenschwester, hat drei Kinder, neun Enkel und 15 Urenkel. Nachdem sie ihre Lebensgeschichte erzählt hat, stellen die Schülerinnen und Schüler viele Fragen. Zum Beispiel: Wie es für sie war, das erste Mal wieder nach Deutschland zu reisen. Es war 1980, erzählt sie, als sie ihr Buch „Mich hat man vergessen“ in Frankfurt vorgestellt hat. Bauchweh hat sie gehabt und in jedem älteren Menschen einen Nazi gesehen. Deutsch wollte sie damals nicht sprechen. Erst später, als sie zwei deutsche Studenten, die Israel bereisten, bei sich zu Hause aufnahm, sprach sie mit ihnen Deutsch. An die vielen jungen Menschen gewandt sagt sie: „Ihr tragt keine Verantwortung. Ich erzähle, damit ihr seht, was Hass anrichten kann.“

Dr. Christoph Hatscher, Eva Erben und OB Frederick Brütting
OB Frederick Brütting, Eva Erben und Dr. Christoph Hatscher
Dr. Christoph Hatscher, Schulleiter des THG, begrüßt.
Veranstaltung zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus in der Aula der Hochschule
Eva Erben
Eva Erben

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