Lüften im Unterricht: das Stimmungsbild im Ostalbkreis

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Alle 20 Minuten müssen die Klassenzimmer für zwei bis fünf Minuten gelüftet werden. Die Maske muss ab Klasse 5 inzwischen den ganzen Unterricht über aufgesetzt werden.
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Wie die Aalener und Gmünder Schulen mit dem Lüftungskonzept im Unterricht umgehen.

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Obwohl seit diesem Montag die Maskenpflicht ab der Klassenstufe fünf auch im Unterricht gilt, strömt alle 20 Minuten frische Luft durch das Klassenzimmer. Drei bis fünf Minuten muss gelüftet werden, so die aktuelle Coronaverordnung an den Schulen. Doch gerade in der kalten Jahreszeit kann's dann im Unterricht unangenehm werden.

Die Schwäbische Post und Gmünder Tagespost haben an den Schulen in Aalen und Gmünd nachgefragt, wie sie mit dem Lüften umgehen und wie sie die Stimmung einschätzen.

Situation an Aalener Schulen

"Am Freitag haben wir die Eltern gebeten, die Schüler warm anzuziehen beziehungsweise in einem sogenannten Zwiebellook zu kleiden", sagt Michael Weiler, geschäftsführender Schulleiter der Aalener Gymnasien. Und das funktioniere bisher auch sehr gut. "Noch kommen die Schüler ohne Decken in die Schule", sagt er. In Winterjacken säßen aber auch jetzt schon Schüler im Unterricht. Deshalb werde bei der Sitzordnung die Kälteempfindlichkeit der Schüler berücksichtigt. "So müssen nicht die Schüler in die Nähe eines Fensters sitzen, die am schnellsten frieren", sagt Weiler.

Ebenso handhaben das auch die Realschulen in der Region, sagt der geschäftsführende Schulleiter der Grund- und Werkrealschulen, Karl Frank. "Beim Lüften kann man auch eine kurze Pause einlegen, so kann das ganz vernünftig gestaltet werden", sagt Frank weiter.

Die Situation in Gmünd

Die Schüler müssen schon etwas bibbern.

Daniela Maschka-Dengler, Rektorin der Friedensschule

"Die Schüler müssen schon etwas bibbern", sagt Daniela Maschka-Dengler, Rektorin der Friedensschule und geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Haupt und Realschulen. Aber die frische Luft habe auch etwas Gutes: "Auch die Denkleistung wird gefördert", sagt sie. Auch am Scheffold-Gymnasium beklage sich niemand über die Regelungen, das kurze Stoßlüften reiche völlig aus, sagt Schulleiter Bernd Gockel. "Wir haben das mit einem Luftmesser getestet. Nach drei bis fünf Minuten ist die Luft ausgetauscht." Dennoch koste das Lüften Zeit. Alle 20 Minuten müsse der Unterricht zum Öffnen und Schließen der Fenster kurz unterbrochen werden. Veit Botsch, geschäftsführender Schulleiter der Gymnasien in Gmünd, zieht eine positive Bilanz. Beschwerden gebe es kaum. Lehrer, Schüler und Eltern akzeptierten die Hygieneregeln und das Lüftungskonzept. Die meisten seiner Schüler am Hans-Baldung-Gymnasium tragen nun eben ihre Jacke.

Am Parler-Gymnasium werden, anders als bei anderen Schulen, teilweise schon Decken mitgebracht, sagt Schulleiter Thomas Eich. Aktuell gebe es auch mehr Erkältungskranke. Ob das am ständigen Lüften liege, könne er aber nicht sagen. Immerhin kühlten die Klassenzimmer beim Stoßlüften, anders als beim Dauerlüften, nicht aus.

Gefahren durchs Lüften?

"Erkältungen entstehen durch Viren, nicht dadurch, dass es kurz kälter wird beim Lüften", sagt Dr. Sebastian Hock, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Aalen. Trotzdem könne die Zugluft zum Auskühlen der Muskulatur und zu Verspannungen führen. Auch Menschen, die schon etwas angeschlagen sind, kühlen weiter aus. Hock nennt das große Problem in den Schulen: Beim Öffnen der Fenster gehe die Heizung aus. Stoßlüften sei deshalb sinnvoll. Ob dadurch allerdings das Infektionsrisiko in engen Klassenräumen tatsächlich reduziert werden kann, sei fraglich, so der Mediziner.

Muss die Schule schließen? Besonders hart getroffen von der Pandemie ist die Franz-von-Assisi-Schule in Waldstetten: Laut Schulleitung sind inzwischen so viele Lehrkräfte in Isolation, dass "eine Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann". Für Mittwoch gebe es einen Notplan in einigen Klassen.

Lüften und Maskentragen: Was an Schulen gilt

Lüften: Vom Kultusministerium gibt's einen Hinweis, was beim Lüften beachtet werden soll: "Besonders wichtig ist das regelmäßige und richtige Lüften aller Räume, da dadurch die Innenraumluft ausgetauscht wird. Mehrmals täglich, mindestens alle 20 Minuten für jeweils drei bis fünf Minuten, ist eine Querlüftung bzw. Stoßlüftung bei geöffneten Fenstern, gegebenenfalls auch der Tür, ... vorzunehmen." Aus Sicherheitsgründen verschlossene Fenster müssten für die Lüftung "unter Aufsicht einer Lehrkraft geöffnet werden". Weiter heißt es: "Können aufgrund baulicher Maßnahmen Fenster in einem Raum dauerhaft nicht geöffnet werden, ist er für den Unterricht nicht geeignet,es sei denn, es ist eine effektive raumlufttechnische Anlage – eine Lüftungsanlage – vorhanden."

Masken: In Sachen Masken wurde die Tragepflicht ausgeweitet: Die Verordnung des Kultusministeriums sieht unter anderem vor, dass die Pflicht zum Tragen einer Mund- Nasen-Bedeckung ab Klasse 5 in den weiterführenden Schulen sowie in den beruflichen Schulen auch auf den Unterricht ausgeweitet wird. Eine weitere Änderung in der Corona-Verordnung Schule besteht darin, dass ein Zutritts- und Teilnahmeverbot für Lehrkräfte und andere Personen aufgenommen wurde, die entgegen der rechtlichen Vorgaben keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Bedeutet: Lehrkräfte, die sich weigern, eine Maske zu tragen, dürfen die Schule nicht betreten. Diese verletzen, wenn sie sich weigern, ihre Dienstpflicht.

 Reaktionen aus dem Netz

Gerade jetzt, wenn es kälter wird, kocht neben der Diskussion zur Maskenpflicht im Unterricht auch das Thema Lüften hoch. Kommentare aus dem Netz von Eltern, Schülern und Lehrern:Susanne K.: "Bei meinem Sohn wird dauergelüftet. Bei meinen Töchtern funktioniert's nun ganz gut. Meine Kinder haben verschiedene Schichten an."

Alexandra B.: "Nix lüften – dauernd geöffnet, alles was zum Öffnen geht. Dauerzustand. Jetzt sind die Kids schon erkältet, werden blöd angemacht und müssen mit total verstopfter Nase Mundschutz tragen."

Anki A.: "Mit offenen Fenstern die ganze Zeit bei dem Schmuddel-Wetter, holen sich die Kinder alles andere, außer Corona."

Caro L.: "Alles besser, als wieder zu schließen. Also seid bitte froh und dankbar, dass es irgendwie läuft. Ich habe selbst zwei Schulkinder und sie jammern nicht. Weder wegen Lüften noch wegen Maske. Sie sind einfach froh, dass sie zur Schule gehen dürfen."

Andy A.: "Jetzt geht es ja noch von den Temperaturen her, aber bei Minusgraden? Dann gibt's bei den Kindern kein Corona, sondern gleich eine Lungenentzündung."

Steffen K.: "Dann werden die Kinder krank. Sobald sie die Rotze und Husten haben, dürfen sie wegen Verdacht auf Corona nicht mehr in die Schule."

Dany M.: "Ich hab auch ohne Corona schon in den Pausen und einmal während der Stunde im Klassenzimmer gelüftet, wird bei 25 bis 30 Personen doch sonst eh zu stickig! Ich kann das ganze Drama ums Lüften echt nicht nachvollziehen!"

Katja I.: "Ich glaube alle müssen froh sein, dass unsere Kids noch in die Schule dürfen. Leute, zieht Euch an wie eine Zwiebel, zur Not nehmt eine Wärmflasche mit. Wenn wir den Kindern immer vorjammern, dann wird es nicht besser."

Tanja H.: "Schwierig! Einerseits wissen wir, dass das nötig ist. Anderseits werden die Kinder krank, wenn sie den ganzen Vormittag der Kälte ausgesetzt sind. Bei uns hatte Kind eins vor zwei Wochen eine Lungenentzündung und Kind zwei eine fette Bronchitis."

Ivonne K.: "Meine Tochter kommt stets verfroren aus der Schule. Wird nun zusätzlich zu warmer Kleidung noch eine Decke mitnehmen. Ich bin mal gespannt wie das werden soll, wenn erst richtig ekliges Wetter kommt."

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