Wenn Polizisten die Retter schützen müssen

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In der Bahnhofstraße in Aalen kam es am Wochenende zu unschönen Szenen, als ein Mädchen bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Das Foto zeigt die Polizeimarkierungen. 
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Als ein Mädchen bei einem Unfall in der Aalener Bahnhofsstraße schwer verletzt wird, gehen die Emotionen hoch - Vater erklärt sich.

Aalen. Bei einem Unfall am Freitagabend ist ein zwölfjähriges Mädchen so schwer verletzt worden, dass es in eine Spezialklinik nach Stuttgart musste. Rund um den Rettungseinsatz für das Mädchen kam es zu Auseinandersetzungen, in deren Zentrum der Vater der Zwölfjährigen stand. Die Polizei spricht von „Widerstandshandlungen gegen Polizei und Rettungskräfte“ - der Vater hat eine andere Sicht auf die Dinge. Das Wichtigste zunächst: Das Mädchen ist, wie der Vater berichtet, mittlerweile außer Lebensgefahr.

Der Reihe nach: Freitagabend, nach Polizeiangaben um 20.30 Uhr, war das Mädchen mit einem Fahrrad unterwegs auf dem Gehweg an der Bahnhofstraße in Richtung Wasseralfingen. Dort sei das Kind laut Polizeibericht „plötzlich und ohne auf den Verkehr zu achten nach links auf die Fahrbahn gefahren“ - und habe dabei das Auto einer 25-Jährigen übersehen. Die konnte nicht verhindern, dass es zu einem Unfall kommt. Das Mädchen wurde vom Auto erfasst, auf die Fahrbahn geworfen und schwer verletzt. Es hatte keinen Helm getragen.

Unmittelbar nach dem Eintreffen der Rettungskräfte und der Polizei spielten sich „unschöne Szenen“ ab, wie die Polizei berichtet. „Während die Rettungskräfte das Kind erstversorgten, stürmte ein 37-jähriger Mann auf die Rettungskräfte zu, stieß sie zur Seite und schrie diese an, was sie denn mit dem Mädchen machen würden“, heißt es im Bericht der Beamten. Der Mann habe „unter erheblichem Kraftaufwand von den Rettungskräften entfernt und letztendlich zu Boden gebracht werden“ müssen. Nachdem sich der Mann zwischendurch beruhigt habe, ließen die Beamten wieder von ihm ab. Daraufhin habe er ein weiteres Mal die Rettungskräfte angegriffen „und versucht, ihre wichtige Arbeit zu behindern“. Nachdem er daraufhin den Polizeibeamten „körperlich“ bedroht habe, „musste das Pfefferspray eingesetzt werden“, so der Bericht.

Ärger in der Notaufnahme

Weiter ging der Polizeieinsatz dann gegen 21.20 Uhr in der Notaufnahme des Ostalb-Klinikums in Aalen, wohin das Mädchen zunächst gebracht worden war. Mehrere Personen würden dort randalieren und Mitarbeiter bedrohen, so wurde der Polizei gemeldet. Wieder war es der 37-Jährige, der Mitarbeiter mit dem Tode bedroht haben soll, wenn sie ihn nicht zu seinem Kind vorlassen würden. Die mittlerweile eingetroffenen Polizeibeamten seien ebenfalls bedroht und beleidigt worden.

Ermittlungen wegen Gaffern

Mehrere Personen haben nach Angaben der Polizei zudem den Rettungseinsatz und die Arbeit der Polizei gefilmt. Weil dabei auch die Arbeit der Retter und das Mädchen gefilmt wurden, hat die Polizei das Smartphones eines Mannes beschlagnahmt, wie Polizeisprecher Bernd Märkle gegenüber der SchwäPo bestätigt. Es gehe dabei um die Verletzung „des höchstpersönlichen Lebensbereichs“ und von Persönlichkeitsrechten gemäß Paragraf 201a des Strafgesetzbuches. In dem Paragrafen ist geregelt, was nicht gefilmt werden darf und welche Strafen auf dieses Gaffen stehen. Die Staatsanwaltschaft werte aktuell die Videoaufnahmen aus, sagte Märkle. Die Ermittlungen dazu dauerten an.

So sieht es der Vater

Dass es seiner Tochter wieder bessergehe und sie außer Lebensgefahr sei, das sagte am Montag der Vater, Mehmet Ali Gündogan, zur SchwäPo. Sein Kind war wegen der Schwere der Verletzungen nach Stuttgart in eine Klinik gebracht worden. In Bezug auf den Rettungseinsatz beteuert der Vater, er habe keinen Sanitäter angegriffen. Er habe lediglich zu seiner schwer verletzten, am Boden liegenden Tochter gewollt. Vielleicht habe er einen Sanitäter berührt, aber nicht, weil er ihm etwas habe tun wollen, sondern aus Versehen. Dann hätten ihn die Beamte zu Boden gebracht und auch Pfefferspray eingesetzt. Zudem hätten Polizisten ihm einen Finger gebrochen. Er hingegen habe niemand verletzt. Polizeisprecher Märkle will nicht ausschließen, dass sich der Vater in dem „Gerangel“ verletzt haben könnte.

Hingegen bestätigt Gündogan, dass er, aufgeregt, wie er war, Sicherheitspersonal bedroht habe, als er nicht ins Krankenhaus zu seiner Tochter gedurft habe. Das tue ihm leid. „Ich wollte niemand bedrohen“, und er habe sich mittlerweile bei den Klinikmitarbeitern entschuldigt, sagte er. Jeder Vater werde verstehen, dass er emotional gehandelt habe. Kritisch merkt Gündogan an, dass niemand versucht habe, mit ihm zu reden.

Türkische Medien

Aufmerksamkeit hat der Fall mittlerweile in türkischen Medien. Der Sender TRT berichtet, dass die Polizei mit Pfefferspray gegen einen türkischen Vater eingesetzt habe, der versucht habe, seiner verletzten Tochter zu helfen. Bei deutschen Medien gilt TRT als Sprachrohr des Präsidenten Erdogan.

Aufgewühlt in Grenzsituationen

Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ostalb-Klinikums wurden am Wochenende wegen des Unfalles bedroht. Wie gehen diese mit solchen Situationen um? Dazu nimmt Ralf Mergenthaler von den Kliniken Ostalb Stellung. „Im Allgemeinen“, so Mergenthaler komme es „durchaus öfters vor, dass Angehörige bei Grenzsituationen aufgewühlt sind und Emotionen im Affekt herauskommen“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme seien jedoch für solche Situationen geschult, „können damit umgehen und versuchen, eine Deeskalation herbeiführen“. Zur Unterstützung sei zu gewissen Zeiten ein Sicherheitsdienst vor Ort, so Mergenthaler.

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