Mehrere Räte sind in Sorge ums Baugebiet am Tannenwäldle

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Das Baugebiet „Wohnen am Tannenwäldle“ von oben betrachtet. Rund um den geplanten Einkaufsmarkt „tegut“ wachsen die Gebäude schon in die Höhe. Im übrigen Bereich laufen noch die Erschließungsarbeiten
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Die Diskussion im Gremium dreht sich ums Parken, um Energieeffizienz und darum, wer es sich leisten kann, dort zu wohnen.

Aalen Vorbild soll das neue Quartier am Tannenwäldle werden und zum Klimaschutz beitragen. Wie das Wohnen dort im Detail aussehen soll, war nach der Vorberatung im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) nun auch Thema im Gemeinderat. Baubürgermeister Wolfgang Steidle stellte in der Sitzung das Konzept vor. Ein zentraler Punkt: der sogenannte Mobilitätshub.  Das ist ein Parkhaus mit Stellplätzen für Autos und Transporter, damit dort zum Beispiel Handwerker parken können. Stationen, an denen man Fahrräder und Autos ausleihen kann, sind dort ebenfalls geplant, genauso wie eine Paketstation, an der Lieferdienste bestellte Waren hinterlegen können. Das Ziel: Das Wohnquartier soll autoarm sein. Möglichst wenige Fahrzeuge sollen hineinfahren und dort parken. An den Wohnungen und den Häusern selbst sind daher nur wenige Stellplätze geplant. Die anschließende Diskussion im Gremium drehte sich ums Parken, um Energieeffizienz und darum, wer es sich leisten kann, am Tannenwäldle zu wohnen.

Michael Fleischer (Grüne): Dass der Energiestandard EH 40 inzwischen überholt sei, sagte der Grünen-Fraktionssprecher. Er regte daher an, abzuwarten bis die neue Förderkulisse klar sei. Dann könne man neue Berechnungen anstellen und „dann können wir im Lichte dieser Situation entscheiden, welchen Energiestandard wir setzen wollen“. Oberbürgermeister Frederick Brütting gab ihm da recht. „KfW 40 ist mittlerweile bestenfalls Standard“, bemerkte er dazu und sagte das von Fleischer vorgeschlagene Vorgehen so zu. Die Verwaltung hätte das ohnehin so vorgehabt.

Thomas Wagenblast (CDU): „Die Anregung der Grünen finden wir richtig“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Einen Seitenhieb auf die grüne Bundespolitik setzte er aber trotzdem: „Das Chaos wäre vermeidbar gewesen.“ Wagenblast äußerte außerdem seine Sorge darüber, wer es sich leisten könne im Baugebiet am Tannenwäldle zu wohnen und seine Hoffnung, dass das neue Baugebiet „ein Quartier für die breite Bevölkerung“ wird. Wagenblast setzt hier vor allem auf die Quote für den Sozialwohnungsbau. Karl-Heinz Vandrey (SPD): Die Bevölkerung sei der Meinung, „dass da etwas Tolles entsteht“, sagte der SPD-Stadtrat. Was genau am Tannenwäldle entstehe, sei für viele aber nicht greifbar. „Ich muss den Finger in die Wunde legen“, fügte Vandrey an. Dort zu wohnen „muss finanzierbar sein für ein normales Bevölkerungsklientel.“ Dazu sprach er ebenfalls die Quote und Photovoltaikanlagen an. OB Brütting antwortete darauf, dass man im Gremium über die Quote noch sprechen wolle, aber dass Photovoltaikanlagen Pflicht seien. „Bei diesen Strompreisen kann man froh sein, eine PV-Anlage zu haben“, fügte Brütting an. Hintergrund: Seit Januar ist es in Baden-Württemberg Pflicht, PV-Anlagen auf allen unbewohnten Neubauten, wie Firmendächern oder Parkhäusern zu installieren. Ab Mai sind auch private Häuslebauer gefordert.

Claus Albrecht ( FW ): Auch der Stadtrat von den Freien Wählen äußerte seine Sorge, um die Kosten fürs Wohnen am Tannenwäldle. „Für unter 5500 Euro pro Quadratmeter werden dort keine Verkäufe stattfinden.“ Kritisch sieht er auch, dass manche Wohneinheiten über keinen oder nur einen Stellplatz verfügen sollen. Im Schnitt verfüge jeder Haushalt schließlich über 1,5 Autos. Zum Thema Energieeffizienz schlug er vor, einen zentralen Energiespeicher fürs Quartier zur Verfügung zu stellen. Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub): Dass man eine Formulierung in der Vorlage ändern solle, regte Traub an, nämlich dass das Wohnen am Tannenwäldle nicht generell beispielgebend sein soll, sondern nur beispielgebend für ein innenstadtnahes Quartier. Bürgermeister Steidle antwortete, dass das für künftige Baugebiete noch zu diskutieren sei.

Arian Kriesch (FDP/ FW ) forderte, dass zuerst die verkehrstechnische Anbindung stehen müsse, bevor die Bewohnerinnen und Bewohner einziehen. Steidle antwortete: „Der Mobilitätshub muss fertig sein.“

Christa Klink (Die Linke) fragte, ob Ladestationen für E-Autos im Parkhaus vorhanden sein werden und ob es Kurz-, und Dauerparkplätze gibt. Steidle bejahte.

Der Rat beschloss das Konzept bei einer Gegenstimme (Marcus Waidmann, AfD) und einer Enthaltung (Traub).

„Bei diesen Strompreisen kann man froh sein, eine PV-Anlage zu haben.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister
  • Raum für 345 neue Wohneinheiten
  • Geplant sind 24 Einzelhäuser, sieben Doppelhäuser, neun Reihenhausgebäude und 17 Geschosswohnungsgebäude. Dazu kommen vier Reihenhausgebäude und zwei Geschosswohnungsgebäude am „tegut“. Ergibt unterm Strich 345 Wohneinheiten.
Das Baugebiet "Wohnen am Tannenwäldle" von oben betrachtet im Februar 2022.

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