Guten Morgen

Meine Welt und seine Welt

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Bernhard Hampp über den Lockdown mit einem 14-jährigen Sohn

Wer den Lockdown wie ich mit einem 14-Jährigen verbringt, denkt irgendwann unweigerlich über eine Zwei-Welten-Theorie nach. Der Herr Sohn erledigt an seinem PC nämlich nicht nur Schulisches, er taucht auch in Gaming-Welten ab. Lautstark unterhält er sich dann per Headset mit Online-Freunden. Was sie genau machen, weiß ich nicht. Ich stelle mir vor, sie retten gemeinsam die Welt vor Drachen, Zombies oder vielleicht sogar bösartigen Killerviren. Manchmal frage ich nach Hilfe im Haus, Garten oder bei der Weihnachtsdekoration. Die Antwort: Das geht gerade nicht, die Runde läuft. Auf meine blauäugige Offliner-Frage, ob es für diesen Fall keinen Pause-Knopf gibt, ernte ich Augenrollen oder Schlimmeres. In seiner Welt – die, das muss ich zugeben, einfach nicht die meine ist – sind profane Auszeiten nicht vorgesehen. Da zählen wahrscheinlich andere Dinge wie prächtige virtuelle Kostüme, blitzende Waffen, Geschick und Verschlagenheit, um die vereint kämpfenden Guten zum Sieg zu tragen. Während ich noch überlege, ob mir diese andere Welt womöglich besser gefallen würde, steht er vor mir: "Was gibt's zu Essen?" Immerhin: Ein paar Vorzüge hat sie doch noch, meine Welt.

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