Mit Stöckelschuhen zum Wandern

  • Weitere
    schließen
+
-
  • schließen

"Einer der größten Fehler ist falsches Schuhwerk": Was die Bergretter das Jahr über auf Trab hält – und warum Heubach einer der "Hotspots" ist.

Heubach

Zwei Einsätze an einem Tag, ein tödlich Verunglückter: Der 3. Juni war für die Gmünder Bergwachtler kein normaler Tag. Am Nachmittag mussten sie eine verletzte Frau auf dem Rosenstein bergen, wenige Stunden später konnte ein Wanderer am Scheuelberg nur noch tot geborgen werden.

Zufällige Häufung oder Tendenz? "In Baden-Württem

berg gehen die Einsatzzahlen stark nach oben", erzählt Markus Becker, der Pressesprecher der Gmünder Bergwacht, in Gmünd seien sich aber noch auf dem gewohnten Niveau.

Doch dieser Sommer könnte sehr arbeitsreich werden für die Bergretter, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn das Gelände an einem Unfallort den normalen Rettungsdienst überfordern würde. Urlaub weit weg ist sehr kompliziert geworden im Corona-Jahr 2020, es sieht ganz so aus, als ob in diesem Jahr mehr Menschen als sonst in der Heimat Erholung suchen. Zum Beispiel beim Wandern auf der Alb.

In der Gegend um Heubach sowie am Kalten Feld sind die Bergwachtler besonders oft im Einsatz. "Das sind Hotspots, weil es beliebte Wandergebiete mit vielen Wegen sind – mit Wanderern und Radfahrern gleichermaßen", sagt Becker. Aber auch nördlich von Gmünd, im Schwäbischen Wald, sei die Bergwacht häufiger gefragt als in den letzten Jahren.

Aus der Erfahrung wissen die Bergwachtler, um wen man sich die meisten Sorgen machen muss: Leute, die sich zu viel zutrauen. "Unerfahrene Wanderer sind eine Risikogruppe – und Menschen, denen die körperliche Fitness fehlt", so Becker. Denen empfiehlt er, auf gut befestigten Wegen zu bleiben. Aus welchem Grund der 78-jährige Verunglückte vor zwei Wochen abgestürzt war, lasse sich im Nachhinein nicht genau rekonstruieren, sagt Becker.

Falsches Schuhwerk ist einer der größten Fehler.

Markus Becker, Bergwacht

Durch alle Altersstufen

Sicher ist: Bergunfälle beschränken sich nicht auf die ältere Generation. "Das geht quer durch alle Altersstufen", so Becker, "wir retten Kinder, Leute mittleren Alters, die sportlich an ihre Grenzen gehen, bis hin zu Älteren." Der vielleicht größte Risikofaktor neben Unerfahrenheit und mangelnder Fitness ist der banalste: schlechtes Schuhwerk. "Wir haben schon Stöckelschuhe am Rosenstein erlebt", erzählt Becker. Zumindest um die Zuverlässigkeit der Bergwacht müssen sich Freizeitsportler keine Sorgen machen. Die rund 30 Einsatzkräfte der Gmünder Bergwacht stemmen zwischen 20 und 30 Alarmierungen im Jahr. Genug Nachwuchs gibt es auch: "Wir haben eine sehr starke Jugendgruppe, für die wir in den letzten Jahren einen neuen Ausbildungsplan erstellt haben – und wir hoffen, dass die Arbeit Früchte trägt."

Neu: Radler-Stürze bergauf

Gebraucht werden die Spezialretter bestimmt weiterhin. Auch für eine weitere früher unbekannte Klientel, die in den letzten Jahren hinzugekommen ist: E-Biker. Die sorgen heutzutage auch für Unfälle, wie sie mit purer Muskelkraft fahrenden Radlern kaum möglich ist: Stürze beim bergauf fahren. "Das ist neu – einen Einsatz aus diesem Grund hatten wir im letzten Jahr zum ersten Mal."

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL