Guten Morgen: Lars über Streitkultur und Kraftausdrücke

Mit Verlaub, Herr Präsident...

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Lars Reckermann

Mal ehrlich. Das waren und sind doch spannende Tage. Ob an der Supermarktkasse, in der Gaststätte, ob im Büro oder beim Schwatz mit Freunden und manchmal auch Fremden. „Wer wird Kanzler?“ „Was soll man denn wählen, damit…?“ „Gib doch mal einen Tipp ab.“ So politisiert habe ich unsere Gesellschaft selten vor einer Wahl erlebt. Das Schöne daran: Es zieht sich durch alle Altersklassen.

Ich mag diese politischen Debatten. Demokratie ist etwas Herrliches. Für Vuvuzela-trötende Menschen, die andere Politikinteressierte an einem Austausch stören, habe ich kein Verständnis. Demokratie lebt vom Austausch. Der Ton ist rauer geworden. Na klar: Schimpfen gehört in jeder Gesellschaft und Kultur zum Alltag. Joschka Fischer setzte 1984 im Bundestag gegenüber Richard Stücklen zumindest noch ein „Mit Verlaub, Herr Präsident …“ vor den Satz, der mit, entschuldigen Sie den Kraftausdruck, „Arschloch“ endete. Kein Kind von Traurigkeit war Genosse Herbert Wehner. Der haute nicht nur dem politischen Gegner gerne kräftig auf die Nase, sondern teilte auch in den eigenen Reihen ordentlich aus. Dem SPD-Abgeordneten Franz Josef Zebisch, der sich über die früher übliche Sitzverteilung in alphabetischer Reihenfolge beklagt hatte und deshalb immer in der letzten Reihe Platz nehmen musste, empfahl er, sich doch einfach in „Arschloch" umzubenennen. „Dann können sie ganz vorne sitzen“, soll Wehner noch hinterhergebrüllt haben. Welche Kraftausdrücke dieser Tage in der Aufarbeitung des Wahlergebnisses bei der Union verwendet werden… wir werden es garantiert bald erfahren.

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