MTB-Weltcup: Die Sorgen der Wirte

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Mountainbike-Weltmeister Simon Gegenheimer fährt schon einmal den Streckenverlauf ab für den Mountainbike-Weltcup am 23. Juli in Aalen.
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Welche Auswirkungen der Mountainbike-Weltcup am Samstag, 23. Juli, auf die Aalener Gastroszene haben wird. Und warum sich einige Wirte in der Straße „An der Stadtkirche“ brüskiert fühlen.

Aalen. Wo viel Licht ist, ist zumeist auch Schatten. Was schon Goethe wusste, trifft wohl auch auf den Mountainbike-Weltcup in Aalen zu: Denn während die Weltelite der Mountainbiker gemeinsam mit der Stadt Aalen hin fiebert auf das Weltcup-Rennen am 23. Juli mitten durch das Kneipenviertel der Kocherstadt, fühlen sich einige Innenstadt-Wirte brüskiert. Aus zweierlei Gründen.

Grund 1 ist der Verlauf der Rennstrecke, die - flankiert von einem abgesteckten Streifen für die Zuschauerinnen und Zuschauer - auch durch die enge Gasse „An der Stadtkirche“ führt. „Da kann man sich jetzt schon ausrechnen, wie viel Platz bleibt, um Stehtische für die Gäste zu stellen“, argwöhnt etwa Björn Ulrich vom Reichsstädter Café. Bis zu 15 000 Besucherinnen und Besucher werden an diesem Tag in Aalen erwartet. „Wie soll man durch diese dichte Menschenmenge überhaupt können?“ Die Aussage des Veranstalters, Kneipen explizit einbeziehen zu wollen in den Weltcup, sei ja eine gute Sache. Ulrich: „Aber die Frage ist, ob sich das für den Wirt auch lohnt.“

Wegbrechende Einnahmen

Diese Frage stellt sich auch sein Kollege Davide Amorelli von „Amorelli's Bar und Restaurant“. Theoretisch, sagt er, müsse er sogar die fest montierten Sitzbänke und Schirme vor seinem Lokal abbauen. Ein enormer Aufwand, der sich für ihn nicht rechne, zumal er das Inventar seiner Außengastro nicht im Lokal lagern könne, sondern wegfahren müsste. „Und das alles wegen eines einzigen Tages!“ Amorelli überlegt nun, ob er am Weltcup-Tag sein Lokal nicht besser gar nicht erst öffnet. Denn wie Björn Ulrich sieht er die Einnahmen eines ansonsten umsatzstarken Samstags wegbrechen gerade in einer Zeit, in der die durch die Nachwehen von Corona gebeutelten Gastronomen auf die Wochenend-Einnahmen angewiesen seien.

„Schön wäre es gewesen, wenn wir von Stadt und Veranstalter nicht vor vollendete Tatsachen gestellt worden wären, und beim Verlauf der Rennstrecke hätten mitreden dürfen“, stellt Ulrich fest. Wie seine Kollegen wundert er sich, warum man nicht einen Streckenverlauf außen herum, über den östlichen Stadtgraben, und die breitere Reichsstädter Straße gewählt habe.

Grund 2ist ein an die Wirte gerichtetes Schreiben der Aalener Stadtverwaltung vom 23. Juni. Darin weist sie die an der Rennstrecke ansässigen Gastwirte darauf hin, dass diese während des Veranstaltungszeitraums von ihrer Sondernutzungserlaubnis zur Außenbewirtschaftung „keinen Gebrauch“ machen dürften. Die Stadtverwaltung gibt einen Zeitraum von fünf Tagen an, der auch die Auf- und Abbauarbeiten mit einbezieht. Wirte, die nach dem Aufbau Interesse haben an der Bewirtschaftung der verbleibenden Fläche, heißt es weiter, sollten sich bitte an die veranstaltende Firma mit Sitz in Paris wenden.

Martin Dannenmann, Inhaber des „Rambazamba“, fühlt sich vor den Kopf gestoßen und macht seinem Ärger Luft: „Diese Art und Weise, wie die Stadt mit uns kommuniziert, finde ich richtig übel!“ Erst vergangene Woche, und damit zwei Wochen nach Erhalt des Schreibens, habe ein Vertreter der Stadtverwaltung das Rambazamba aufgesucht, um den Inhalt Schreibens zu kommentieren und seine Bedeutung zu relativieren.

Das sagt die Stadtverwaltung: Wie Karin Haisch, Pressesprecherin der Aalener Stadtverwaltung berichtet, habe die Stadt für diesen Zeitraum die Regelung der Sondernutzung für die Außenbewirtung aus versicherungsrechtlichen Gründen dem Veranstalter des MTB-Weltcups übertragen. „Jeder Gastronom muss dann individuell mit dem Veranstalter abklären, wie viel Außenbewirtung auf den Flächen möglich ist.“ Denn nur der verantwortliche Veranstalter könne die Gefahren einschätzen und wisse, wo, wann und in welchem Ausmaß beim Weltcup Außenbewirtung zulässig ist. „Die vielen Besucherinnen und Besucher sollen ja genießen können. Da ist ein entsprechendes gastronomisches Angebot in unser aller Interesse.“

Das sagt der Veranstalter: Organisator Steffen Thum vom MTB-Racingteam relativiert die Auflagen und verdeutlicht: Selbst am Weltcup-Samstag könnten die Gäste noch bis in den frühen Nachmittag in den Außengastronomien sitzen. Erst ab 14 Uhr sei im Hinblick auf den Wettkampf allmählich eine Umstellung der Gastro nötig. „Speisen und Getränke gibt's dann nur noch To Go oder stehend an Bistrotischen.“

„Gastro kaum beeinträchtigt“

Aber an den Tagen zuvor werde die Außengastronomie kaum beeinträchtigt. Thum: „Während des Aufbaus der Rennstrecke ab Mittwoch, 20. Juli, müssen höchstens mal ein paar Tische und Stühle für wenige Minuten zur Seite gerückt werden.“ Ähnliches gelte auch für den Freitag, 22. Juli, wenn bis zu 1000 Kinder mit ihren Rädern über den Parcours flitzen dürfen. „Wenn die Wirte dann statt drei Tischreihen nur zwei stellen dürfen, hoffe ich auf ihr Verständnis.“ Steffen Thum geht davon aus, dass die Außengastro am Sonntag, 24. Juli bereits ab 10 Uhr morgen wieder wie gewohnt stattfinden kann.

„Die Aalener Gastronomieszene wollen wir bewusst in den Wettkampf integrieren. Und ebenso bewusst verzichten wir als Veranstalter auf eine eigene Catering-Meile“, betont Thum.

Kommentar von Ulrike Wilpert zum Thema: Es liegt an den Wirten

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