OB-Kandidat Müller, „der No-Name-Mensch“

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Matthias Müller
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Der parteilose Kandidat Matthias Müller setzt auf persönlichen Kontakt statt auf teure Kampagnen. Was er in seiner Heimatstadt als OB anpacken will.

Aalen

Matthias Müller ist ein waschechter Aalener. Hier geboren, hier aufgewachsen, nach acht Jahren bei der Marine in Norddeutschland fehlte ihm die Ostalb so sehr, dass es ihn wieder zurückzog.

Der 54-Jährige hat eine wechselvolle Biografie: Schule, Ausbildung als Stahlbauschlosser bei Ostertag, Marine, dann öffentlicher Dienst – und demnächst vielleicht Oberbürgermeister seiner Heimatstadt?

Von Berufs wegen ist er viel in Aalen unterwegs: Seit acht Jahren im Gemeindevollzugsdienst, kontrolliert er Falschparker, die Einhaltung der Jugendschutzgesetze, neuerdings auch die der Corona-Bestimmungen. Müller: „Aber ich spiele nicht die Axt im Walde, wenn es um Knöllchen geht oder so. Lieber rede ich erst mal mit den Leuten.“ Insbesondere die Innenstadt ist sein Revier, viele Gastronomen und Einzelhändler kennen ihn – sie seien es auch gewesen, die ihn auf die Idee, gebracht hätten, zum Stadtoberhaupt zu kandidieren.

Seine Ideen für Aalen: Die Innenstadt nach Corona wiederzubeleben steht auf Platz eins seiner Prioritätenliste. „Ausstellungen, Künstler, Musiker in die Stadt holen.“ Ein florierender Einzelhandel mache Aalen nicht nur attraktiv, sondern generiere Steuereinnahmen. Die 350 Vereine in der Stadt will er fördern, ihnen bei der Nachwuchsgewinnung unter die Arme greifen, „indem man Kinder reinschnuppern lässt. Mit den Schulen zusammenarbeiten, zum Beispiel den Sportunterricht da hin verlegen.“

Weitere Ziele: Digitalisierung von Schulen und Behörden vorantreiben, Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten vertiefen, das Quartiersmanagement ausdehnen. Den ÖPNV will er fördern, aber auch Elektroautos – „vielleicht, indem man die umsonst parken lässt.“ Den Gemeindevollzugsdienst ausbauen, unter anderem durch „Vollzeit-Mülldetektive, das zahlt sich aus durch die vielen Bußgelder, die eingenommen werden“. Annehmen will er sich der jungen Leute, die sich häufig mit ihren hochgetunten Autos am Thermalbad aufhalten. Müller: „Der Bedarf ist da, sich zu zeigen, sich zu messen. Man könnte da eine Ausstellungsfläche schaffen auf einem Festplatz oder auch mal eine Straße sperren für ein Rennen“.

Das liebe Geld: Wie will er seine Wahlziele finanzieren? „Man muss erst mal abklären, was überhaupt noch an Geld da ist, wenn zu Ende gebaut ist.“ Damit meint er Großprojekte wie den Sobek-Steg oder das Kombibad. Ja, teuer seien sie, aber nun mal beschlossen, das müsse man nun durchziehen und nicht den Rotstift ansetzen. Müller: „Man muss auch mutig sein.“

Sorge, dass er ohne Verwaltungsausbildung oder -Studium den Anforderungen des OB-Amtes nicht gewachsen sein könnte, hat der Aalener nicht. „Ich hoffe, dass ich da reinwachse.“ Natürlich könne ihn eine ausgebuffte Rathausmannschaft „auflaufen“ lassen. „Aber wir haben eine gute Kämmerin, einen super Ersten und Zweiten Bürgermeister und einen super Gemeinderat“, und jede Entscheidung sei vorzubereiten. „Aber Aalen muss sowieso die Handbremse anziehen“, findet der 54-Jährige, der in seiner Freizeit gerne Fitnessübungen macht und oft sportlich zu Fuß unterwegs ist. Die Stadt sei in den vergangenen acht Jahren schnell gewachsen, man brauche „eine Zeit der Erholung, in der wir langsamer machen, sonst bleibt der Bürger, bleiben Vereine auf der Strecke“. Bildlich gesprochen: „Die Radwege sind ausgebaut, jetzt konzentrieren wir uns auf die Seitenstraßen und die darunter liegenden Rohre.“

Der Wahlkampf: Matthias Müller ist parteilos, wird auch von keiner Partei unterstützt. Als Wahlkampfteam fungiert seine Patchworkfamilie. Die Kinder sind erwachsen, Sohn und Tochter gestalten Prospekte, Handzettel, Homepage, gemeinsam mit seiner Frau Heike trägt er Flyer aus, für große Plakataktionen fehle ihm das Geld, sagt er.

Die Konkurrenz: Welche Chancen rechnet er sich aus gegen seine Konkurrenten? Er lässt durchblicken, dass er den SPD-Kandidaten Frederick Brütting und die CDU-Frau Catherine Rommel durchaus für Schwergewichte hält. „Aber kommen die wirklich an? Welches Gefühl geben die den Leuten?“ In jedem Fall werde es „spannend zwischen den zweien“. Matthias Müller, der „No-Name-Mensch“, wie er sich selbst nennt, setzt auf direkte Ansprache, er wolle der Kandidat sein, der ins Haus kommt und sich die Sorgen der Menschen anhöre. „Schon durch meinen Beruf bin ich bürgernah.“

Dass es am Ende für seinen Wahlsieg reicht, glaubt er kaum. „Vielleicht erhöhe ich die Wahlbeteiligung dadurch, dass ich Menschen anspreche, die sonst nicht zur Wahl gehen.“ In jedem Fall: „Das wird ein echtes Überraschungsei.“

OB-Wahl in Aalen ist am Sonntag, 4. Juli. Zurzeit bewerben sich fünf Männer und eine Frau.

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Menschen in die Stadt locken - wie hier am verkaufsoffenen Sonntag im Mai 2019, das ist das Ziel von Matthias Müller.

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