Nach einem Semester noch nie die Hochschule Aalen betreten

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Torben Marques da Silva verbringt die Zeit zwischen den Vorlesungen mit seinem Hund Juri im elterlichen Garten in Schwäbisch Gmünd. Zu seiner" Hochschule in Aalen hat der 22-Jährige aufgrund der Corona-Regeln von Anfang an nur übers Internet Kontakt
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Torben Marques da Silva aus Gmünd studiert internationale Betriebswirtschaftslehre nur Zuhause. Persönliche Kontakte fehlen.

Schwäbisch Gmünd / Aalen

Sein Studentenleben hat er sich anders vorgestellt: Seit dem Wintersemester 20/21 studiert Torben Marques da Silva internationale Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Aalen. "Ich bin zufrieden mit dem Studiengang", betont der 22-Jährige. "Aber obwohl ich ins zweite Semester komme, habe ich die Hochschule noch nie betreten." Im Grunde genommen wisse er nur, dass sie beim "VfR-Stadion" ist.

Ein großer "Ausgänger" sei er nicht, beschreibt sich Torben. Und zu Semesterbeginn sei klar gewesen, dass wegen der Corona-Regeln relativ viele Vorlesungen online angeboten würden. "Aber ich hatte gehofft, ab und zu nach Aalen zu fahren und dort mit Studienkollegen auch mal in ein Café zu gehen."

Stattdessen sitzt der 22-Jährige zum Studieren nun ausschließlich in der elterlichen Wohnung in Gmünd an seinem Schreibtisch. Er besucht zu festen Zeiten Online-Vorlesungen. Hinzu kämen Videochats zur Besprechung mit Studienkollegen.

Torben Marques da Silva hat einen eher ungewöhnlichen schulischen Werdegang hinter sich: Hauptschule, 9+2, Realschulabschluss, dann Wirtschaftsgymnasium. "Jetzt sollte etwas Neues beginnen. Ich wollte als Student einen Schritt nach vorne machen", erklärt er. "Doch nun fühlt es sich für mich so an, als ob ich auf der Stelle tappe."

Lieber einmal richtig hart gegen Corona vorgehen als immer wieder einen Kaugummi-Effekt erleben. Deshalb halte ich meinen Unmut über alle Kontaktsperren zurück.

Torben Marques da Silva Studierender und aktiver Fußballer

"Ohne Corona", so erzählt er weiter, "wäre aber alles anders gekommen." Nach seinem Abitur im Jahr 2019 habe er monatelang in Schichtarbeit gejobbt. "Geld verdienen für eine Weltreise. Mit meiner Freundin wäre ich für ein Jahr nach Asien." Zehn Tage vor dem Abflug sei die Reise abgeblasen worden – wegen Corona. "Dann blieb mir gar nicht mehr viel Zeit, zu überlegen, was ich studieren möchte." Friedenskonfliktforschung und Politik hätten ihn auch interessiert, sagt der 22-Jährige. Aber in internationaler Wirtschaftslehre habe er schon an der Schule ein Zertifikat erworben.

Torben Marques da Silva schmunzelt, dann meint er: "Mein internationales Studium passt zu unserer internationalen Familie." Sein Vater sei Schwabe, seine Mutter aus der Nähe von Lissabon. Seit Covid-19 haben Torben und seine Familie in Schwäbisch Gmünd auch einen imposanten Mitbewohner, der aus Spanien stammt: Juri, ein Mischling aus Dalmatiner und Hütehund. "Wäre ich nach Asien gereist, hätten meine Eltern Juri nicht aus dem Tierheim geholt", sagt Torben. Der Hund habe also durch Corona gewonnen. Und mache ihm, Torben, viel Spaß.

Ansonsten fehlten ihm die persönlichen Kontakte. Er vermisse die Verwandten in Portugal, die er sonst regelmäßig besuchte. Seine Freundin studiert in Stuttgart. "Mein Mannschaftssport fällt flach", sagt der aktive Fußballer der SG Bettringen.

Er versuche, diese Zeit trotz allem positiv zu sehen. "Ich halte mich fit, gehe oft raus, jogge, mache Konditionstraining." Und seine Mehrsprachigkeit mit Deutsch, Portugiesisch, Spanisch und Englisch wolle er mit einem Chinesisch-Crashkurs an der Hochschule noch ausbauen. Torben Marques da Silva ist davon überzeugt: "Alles, was du machst, öffnet dir neue Türen."

Schon früh Kontakt mit der Zeitungsredaktion

Als das erste Kind des Jahres war er 1999 bereits auf einem Zeitungsfoto zu sehen: Denn Torben Marques da Silva ist ein Gmünder Neujahrskind. Aktuell gibt's auch Informationen über den heute 22-Jährigen in Online-Auftritten der SG Bettringen, etwa auf www.sg-bettringen.de/spielerportraits.html

Torben Marques da Silva mag Tiere, Fußball und Sprachen.

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