Nahost: Aalener Ditib in der Kritik

  • Weitere
    schließen
  • schließen

Der „Spiegel“ übt Kritik wegen eines Beitrags auf Facebook. Die Aalener Gemeinde nimmt dazu Stellung.

Aalen. Ein Beitrag der Aalener Ditib-Gemeinde auf Facebook zum Konflikt im Nahen Osten steht in der Kritik. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ übersetzt den Teil eines Beitrags vom 11. Mai wie folgt aus dem Türkischen: „Befreie Jerusalem von der Belagerung der Tyrannen, mein Allah.“ Im Spiegel-Artikel geht es um Antisemitismus in Europa. Ursprünglich handelt es sich um einen Post der Ditib-Gemeinde Bopfingen, den die Ditib-Gemeinde Aalen geteilt hat. Am Montag ist die Bopfinger Gemeinde für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die islamisch-türkische Gemeinde in Aalen aber nimmt Stellung. Das Zitat im „Spiegel“ sei falsch übersetzt worden, sagt Vorstandsmitglied und Pressesprecher Bahattin Ilhan. „Zalim“ bedeute nicht „Tyrannen“, sondern „grausam“ oder „gewaltvoll“. Nicht von den Tyrannen, sondern von den „gewaltvollen Akten“ müsse Jerusalem also befreit werden.

Man habe damit den Polizeieinsatz am 8. Mai auf dem Tempelberg kritisieren wollen. Auch die Vereinten Nationen haben Ilhan zufolge das Vorgehen der israelischen Beamten gegen die Palästinenser verurteilt. „Wir wollen keine Belagerung der Stadt Jerusalem“, sagt Ilhan weiter. Die heiligen Stätten sollen für Juden, Muslime und Christen zugänglich sein. Die Aalener Ditib wünscht sich Frieden im Nahen Osten und auf der ganzen Welt. In Aalen setze sich die Gemeinde für Vielfalt und ein Miteinander aller ein. „Da der Beitrag auf Facebook aber für Missverständnisse gesorgt hat, haben wir ihn inzwischen gelöscht“, sagt Ilhan.

Am 15. Mai, also vier Tage nach dem besagten Facebook-Beitrag, hat OB-Kandidat Frederick Brütting die Gemeinde besucht. Er kenne den Beitrag vom 11. Mai nicht, da er der Aalener Ditib auf Facebook nicht folgt. Davon erfahren habe er am Wochenende dank des Spiegel-Artikels und distanziert sich vom Wortlaut in der Übersetzung „Befreie Jerusalem von der Besetzung der Tyrannen“. „Das ist eine Haltung, die ich überhaupt nicht teile“, sagt er.

Bei seinem Besuch der Gemeinde sei der Nahostkonflikt kein Thema gewesen. „Wir haben ausschließlich über Aalener Belange gesprochen“, sagt Brütting. Muslimische Bestattungsformen auf den Friedhöfen oder die Notfallseelsorge nennt er als Beispiele. Er habe sich der Ditib vorgestellt, so wie er sich anderen Religionsgemeinschaften in Aalen vorstelle. Katharina Scholz

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL