Kommentar Ulrike Wilpert

Nicht auf Kosten der Familien

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über einen vermeintlich charmanten Robin-Hood-Effekt

Den Reichen nehmen, den Armen geben. Diese von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Umverteilung à la Robin Hood scheint auf den ersten Blick eine charmante Idee. Die Stadt Aalen will das Aalener Modell, den sozialen Wohnungsbau weiter ankurbeln, indem sie einzelne Filetstücke an meistbietende Betuchte verkauft. Die Differenz zum Bodenrichtpreis wandert dann ins Förderkässle für den Sozialwohnungsbau. Da zählt jeder Euro. Also warum nicht?

Fakt ist: Es gibt Gemeinden, die Bauflächen verlosen, andere versteigern sie. Auch das Windhundprinzip wird praktiziert. Heißt: Wer zu einem bestimmten Termin im Rathaus erscheint, darf sich einen Bauplatz aussuchen. Und Fakt ist auch: Einen Rechtsanspruch auf einen Bauplatz haben Häuslebauer in spe nicht.

Zum Glück hat die Stadt Aalen bislang noch keinen ihrer Bauplätze mit Hilfe eines Bieterverfahrens auf den Markt geworfen. Vor allem soziale Kriterien bestimmen seither die Vergabeliste, von der besonders Familien mit mittleren Einkommen profitieren sollen. Und davon gibt es in Aalen viele, die von einem Eigenheim träumen. Jedenfalls weitaus mehr, als es Bauplätze gibt.

Es besteht die realistische Gefahr, dass die erste Ausnahme, der erste Verkauf mittels Bieterverfahren gleichsam Türöffner wäre für eine feilschende Geschäftemacherei mit kommunalen Baugrundstücken. Was die ohnehin schon hohen Grundstückspreise weiter nach oben treiben würde.

Dem sozialen Wohnungsbau sei jeder zusätzliche Euro gegönnt. Aber nicht auf Kosten der Durchschnittsverdiener!

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