Notaufnahme: keine Hilfe per Telefon?

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Das Ostalbklinikum aus der Vogelperspektive.
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Ein SchwäPo-Leser hat einen Herzinfarkt und meldet sich telefonisch in der ZNA. Hilfe erhält er dort nach eigener Aussage nicht. Das sagt der Pressesprecher des Ostalb-Klinikums zu den Vorwürfen.

Aalen. Es geschah an einem Dienstagmittag vor drei Wochen. SchwäPo-Leser Markus K. (Name geändert) fühlte sich nicht gut. „Ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt“, sagt er. Er habe die Symptome für einen Herzinfarkt – Schmerzen in Brust und linkem Arm, kalter Schweiß – erkannt und direkt in der Aalener Notaufnahme (ZNA) angerufen.

Dort habe er einer Mitarbeiterin seine Symptome geschildert. „Sie hat mir freundlich, aber bestimmt erklärt: Wer selbst in der ZNA anruft und so ruhig ist, der hat nichts und soll doch die Notaufnahme bitte nicht verstopfen“, erzählt der 63-Jährige, der von sich selbst sagt, dass er nicht zu Panik neigt und versucht, in Extremsituationen sachlich zu bleiben. Nach Markus K.s Aussage sei das Gespräch für die Mitarbeiterin beendet gewesen. „Ich konnte nicht mehr viel sagen, da ich mich konzentrieren musste, Luft zu bekommen“, erklärt der Aalener.

Das sei auch der Grund, warum er die Nummer der Notaufnahme und nicht die 112 wählte. „Ich hatte massive Atemnot und konnte kaum sprechen. Ich wusste, dass ich zu wenig Luft habe, um zu erklären, wo ich bin. Daher dachte ich, dass die Notaufnahme direkt um die Ecke besser Hilfe organisieren kann“, sagt Markus K. der betont, dass es ihm klar ist, dass die 112 der richtige Weg ist – es sei eben ein Notfall gewesen.

Mit dem Auto in die ZNA

Also habe er selbst nach Hilfe gesucht, rief eine Freundin an, die mit dem Auto von Hüttlingen nach Aalen kam und ihn direkt in die ZNA brachte. „Als ich auf sie wartete, war ich im absoluten Überlebensmodus. Ich war damit beschäftigt, Luft zu bekommen und hatte noch nie so Schmerzen in der Brust“, erzählt der Leser. In der Notaufnahme angekommen, sei er direkt versorgt worden und habe einen Stent bekommen. Die Diagnose: Herzinfarkt. „Der Arzt sagte zu mir, dass es knapp war.“

Ein Notfall

Was sich Markus K. nun fragt: Wie kann es sein, dass er telefonisch in der Notaufnahme keine Hilfe erhält? Er habe einen Sohn, der in einem Krankenhaus in der ZNA arbeitet und Verständnis dafür, dass man dort nicht „wegen eines Schnupfens“ hingeht. „Doch mir war klar: Bei mir ist es ernst.“ Der Leser betont: Im Krankenhaus sei er gut versorgt worden. Nur der Weg dorthin sei schwer gewesen.

Die SchwäPo hat Ralf Mergenthaler, Sprecher der Kliniken Ostalb, mit dem Vorfall konfrontiert. „Wir sind dankbar für jede externe Rückmeldung, die uns die Möglichkeit zu einer Verbesserung gibt. Auch diesen Fall haben wir versucht nachzuvollziehen“, teilt er per E-Mail mit. Knapp drei Wochen nach dem Aufenthalt sei dies nicht ganz leicht. Laut Frau Dr. Grupp, Chefärztin der ZNA im Ostalb-Klinikum, werde die Notaufnahme mit Telefonanfragen jeglicher Art regelrecht überflutet. „Eine Vollkraft könnte den ganzen Tag nichts anderes tun, als sich um diesbezügliche Anfragen zu kümmern“, so Mergenthaler. Die Mitarbeitenden in der ZNA müssten jede telefonische Anfrage innerhalb von Sekunden in dringend und weniger dringend unterscheiden.

Ein Missverständnis?

Für die verantwortliche Chefärztin Dr. Grupp sei es kaum vorstellbar, dass das erfahrene und geschulte Personal in der ZNA die beschriebene Aussage so getroffen hat, schreibt der Sprecher. „Hier kann eigentlich nur ein Missverständnis vorliegen“, meint Mergenthaler.

Im akuten medizinischen Notfall sei der beste Weg, die 112 zu wählen. „Hier werden lediglich Name, Problem und Ort abgefragt. In der Regel sind sehr wenige Erklärungen notwendig. Das Rettungsteam ist ja auf Effizienz und schnelle Hilfe trainiert und ist in den meisten Fällen bereits nach wenigen Minuten beim Patienten vor Ort“, teilt der Sprecher mit.

Leser Markus K. ist enttäuscht über die Rückmeldung. Er nimmt es mit Humor. „Immerhin habe ich die Angelegenheit überlebt und kann mich über die unverbindliche Standardantwort im Marketingsprech aufregen. Aber nur ein wenig – alles andere wäre nach einem Infarkt nicht ratsam“, sagt er. 

ZNA: bis zu 100 Menschen pro Tag in Behandlung

„Die Zentrale Notaufnahme in Aalen behandelt im Jahr mehr als 30 000 Patienten, sehr oft über 100 Menschen am Tag“, bilanziert Mergenthaler. Die Notaufnahme am Krankenhaus sei grundsätzlich für die Erstversorgung von Notfällen gedacht und ausgelegt. „Die personelle Kapazität wird allerdings oft von Patienten genutzt und über Gebühr belastet, die eigentlich beim Haus- oder Facharzt bzw. der Notfallpraxis besser aufgehoben wären.

Die Notaufnahme sollte in akuten und dringlichen Notfällen aufgesucht werden“, betont er. Grundsätzlich werde in der ZNA kein hilfesuchender Patient weggeschickt. Allerdings erfolge die Reihenfolge der Behandlungen in der Notaufnahme nach Dringlichkeit - es gebe fünf Stufen von lebensgefährliche bis leichte Verletzung/Erkrankung. „Das heißt, bei kleineren Verletzungen kann es, je nach Patientenaufkommen, auch zu längeren Wartezeiten kommen“, erklärt er. 

Das Ostalbklinikum aus der Vogelperspektive. Archivfoto: opo/dat

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