OB-Wahl: erster Kandidat live im digitalen Netz

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Mit einem Live-Video aus dem „Alten Hobel“ hatte Frederick Brütting am Samstag seine erste öffentliche Veranstaltung im Aalener OB-Wahlkampf.
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Aalen. Für Frederick Brütting ist es das erste Mal: Am Abend des 1. Mai hat sich der Aalener OB-Kandidat der SPD in einer Live-Schalte im sozialen Netz Fragen der Öffentlichkeit gestellt. Und auch für die Aalener ist es das erste Mal. Denn eine Kandidatenvorstellung ausschließlich über Social-Media-Kanäle hat es in Aalen noch nicht gegeben. Corona stellt nun auch den Wahlkampf auf den Kopf.

Samstagabend, 19 Uhr. Der Link zur kostenlosen Facebook-Live-Schalte funktioniert. Doch das Live-Video will einfach nicht starten. Wohl dem, der sich zu helfen weiß und zu Brüttings Account auf Instagram wechselt. Das Live-Video läuft: Brütting, in Jeanshemd unter orangem Pulli, sitzt allein auf einem braunen Ledersofa im Alten Hobel in der Aalener Helferstraße und schaut in den Monitor.

19.15 Uhr: Das Publikum – rund 50 Zuschauer – tickert noch keine Fragen. Brütting berichtet, was er vergangene Woche erlebt hat, erzählt von einem Gespräch mit einem Unternehmer, von der Maikundgebung der IG-Metall, an der er schon seit 2011 als Zuschauer teilnimmt. Doch immer wieder ruckelt das Bild, der Ton bricht ab. Brütting scheint davon nichts mitzubekommen. Er spricht weiter. Seinen Tonfall – unaufgeregt, gelassen, sachlich – wird er während des gesamten 45-Minuten-Formats beibehalten.

Das große Thema: Dass sich mehrheitlich ein junges Publikum zuschaltet, zeigt sich an folgenden Fragen: etwa nach einem größeren Skaterpark in Aalen, nach einer Mountainbike-Strecke am Ostalb-Skilift, nach einer hochrangigen Bike-Veranstaltung in Aalen und nach einem Enduro-Park.

Was dem Kandidaten wichtig ist: Aber auch Brüttings allgemeiner Plan für Aalen interessiert. Er antwortet, dass er im Moment noch kein Programm in allen Details ausgearbeitet habe. Dass aber bei seinen Eckpunkten der Klimaschutz ganz oben stehe. Dass er die Innenstadt stärker in den Fokus nehmen wolle, dass man sich nach der Pandemie um die Arbeitsplätze kümmern müsse und dass er auch die Vereinsarbeit stärker begleiten wolle.

Die Vereine: In Kernstadt und Teilorten sieht Brütting ein starkes ehrenamtliches Engagement. „Das muss man mit dem Hauptamt der Stadtverwaltung gut unterstützen.“ Er wolle für die Vereine mit ihren Anliegen stets Ansprechpartner sein.

Der Klimaschutz: „Wir müssen mehr machen – auch auf dem Land. Sonst werden wir die Klimaziele nicht erreichen.“ Das fange im Kleinen an, etwa mit mehr Grünflächen in der Stadt; dass man mehr auf E-Mobilität und Radverkehr setze. Vor allem sieht er Handlungsbedarf bei der Wärmeversorgung: „Ich denke da an einen hohen energetischen Gebäudestandard, an Nahwärmenetze.“

Die Innenstadt: „Wir müssen neu denken“, sagt Brütting. Der Online-Handel werde das Einkaufs- und Ausgehverhalten stark verändern. „Deshalb muss die Innenstadt andere, neue Anreize setzen. Die Menschen müssen das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn sie daheim bleiben.“ Nach der Pandemie, meint Brütting, werde es viele Leute geben, die etwas Neues ausprobieren wollen. „Wenn wir das nutzen, können wir auch die Leerstände füllen.“

Der Fußgängersteg: Brütting bleibt diplomatisch, möchte die Planung am Stadtoval nicht bewerten und einer Entscheidung des Gemeinderats nicht vorgreifen. Grundsätzlich könne der Steg schon eine Bereicherung sein, wenn Kosten und Nutzen im Verhältnis stehen, meint er sinngemäß.

Schuldigitalisierung: Weil sich das Land noch zu wenig um Schulungen für Lehrer kümmere, müsse die Kommune dies regeln. In Heubach etwa habe seine Stadtverwaltung gemeinsam mit der IHK ein Schulungsprogramm für die Lehrer ausgearbeitet. Ulrike Wilpert

Frederick Brütting (SPD) ist seit 10 Jahren Bürgermeister in Heubach. Der 37-Jährige kandidiert für die Nachfolge von Thilo Rentschler als OB von Aalen. Weitere Kandidaten: Markus Waidmann (AfD), Matthias Müller, Ronny Enßlin und Stefan Schmidt.

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