OB-Wahl in Aalen – und wie sieht es mit dem Klima aus?

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Die OB-Kandidatin und Kandidaten im Klima-Check.
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Junge Aalenerinnen und Aalener machen mit der Kandidatin und den Kandidaten den Klima-Check.

Aalen. Insgesamt sind es 150 junge Menschen, die sich an die SchwäPo gewandt haben. Weil sie sich sorgen, dass dem Thema Klimakrise nicht die Bedeutung zukommt, das es verdienen müsste. „Es wird zu wenig über die Erwärmung des Planeten berichtet“, sagen Hannah und Marie Liebel. Die beiden sind die Sprecherinnen dieser Gruppe, die sich Medien - auch die SchwäPo – genau daraufhin anschauen, wie über das Klima berichtet wird. Wir haben sie eingeladen in die Redaktion, virtuell zumindest. Wir haben diskutiert, überlegt - und uns auch ein wenig die Köpfe heiß geredet. Im Gespräch mit Hannah und Marie Liebel kam die Idee auf, dass wir gemeinsam die OB-Wahl in Aalen zum Anlass nehmen, der Kandidatin und den Kandidaten einmal auf den Zahn zu fühlen – und einen Klima-Check zu machen. Die beiden Schwestern haben drei Fragen formuliert, die sie via SchwäPo an die fünf Bewerbenden richten. Die haben alle mitgemacht und die Fragen beantwortet. Die Fragen und die Antworten von Catherine Rommel, Frederick Brütting, Matthias Müller, Stefan Schmidt und Marcus Waidmann können Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier nachlesen.

Welche Anreize wollen Sie für lokale Unternehmen setzen, klimaneutral zu werden?

Solarzellen wandeln Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. 

Frederick Brütting:

Als erstes sollten wir konkrete CO2-Einsparziele für Unternehmen vereinbaren. Die Einhaltung dieser Ziele sollte in einem Monitoring überprüft werden. Wenn die Ziele eingehalten werden, sollte es im Gegenzug Erleichterungen bei der Gewerbesteuer geben. Auf dem Weg sollten die Unternehmen durch die Kompetenzstelle Energieeffizienz Ostwürttemberg und der Hochschule begleitet werden, damit die Umstellung auf erneuerbare Energien und die Einsparung von Energie gut gelingt. Darüber hinaus sollten die Stadtwerke Wärme aus erneuerbaren Energien in großflächigen Wärmenetzen anbieten, damit auch die Wärmeversorgung von CO2-Emissionen entkoppelt wird. Das spart den Unternehmen die CO2-Steuer auf Erdgas oder Heizöl und ist damit auch ökonomisch sinnvoll. 

Matthias Müller:

Steuern, Abgaben und Umlagen reformieren: erneuerbare Energien entlasten. Das heißt, dass eine Kommune einem Unternehmen mit weniger Gewerbesteuer, Abgaben und Umlagen entgegenkommt, wenn ein ausgearbeitetes Klimakonzept zwischen Kommune und Unternehmen erfüllt ist.

Catherine Rommel:

Wichtig ist die Verankerung des Klimaschutzes in der Wirtschaftsförderung der Stadt, um in der täglichen Arbeit mit Unternehmen mehr Bewusstsein für Klimaneutralität zu schaffen und gezielte Beratung anzubieten. Deshalb werde ich Aalen bei der Klimaschutzstiftung BW als Partner für die neue landesweite CO2-App vorschlagen, um Klimaschutz konkret und alltagstauglich in den Unternehmen zu stärken. Zudem möchte ich die im Klimaschutzgesetz BW verankerten Klimaschutzvereinbarungen mit möglichst vielen Unternehmen und Institutionen abschließen - für ein starkes Bekenntnis zu Klimaneutralität. Ich möchte die Chancen der Digitalisierung unter dem Stichwort Smart City mit Unternehmen für den Klimaschutz nutzen, bspw. mit Mobilitätsplattformen für Mitarbeitende als Anreiz, um Klimaneutralität zu forcieren. Mit dem Gründerzentrum INNO-Z an der Hochschule können wir Geschäftsideen für Klimaneutralität gezielt fördern - mit einem Sonderpreis für die beste Gründungsidee zum Thema Klimaneutralität.

Stefan Schmidt:

Auch ich setze mich selbstverständlich dafür ein, dass wir achtsam mit unserer Umwelt umgehen. Dazu gehört auch, die Ressourcen unserer Erde nicht unnötig zu verschwenden. Ich wehre mich aber vehement gegen ideologisch verfolgte Ziele.

Marcus Waidmann:

Unsere Wirtschaft wird von verantwortungsvollen Bürgern seit Jahrzehnten stets vorangebracht und aufrechterhalten. Deshalb setze ich hier auf Zusammenarbeit. Es sollten verschiedene Roadmaps im Zusammenwirken der Verwaltung mit den Unternehmen entsprechend ihrer Branchen und ihrer spezifischen Situation (derzeitiger Stand der Technik und Gebäude etc.) erstellt werden. Jedoch nicht von oben nach unten, sondern umgekehrt. Die erarbeiteten Punkte sollten dann Schritt für Schritt umgesetzt werden, ohne die Unternehmen über die Gebühr finanziell zu belasten. Dazu gehört auch ein vernünftiges Zeitfenster. Die ständig genannte Jahreszahl 2035 halte ich nicht für realistisch. Ich halte einen späteren Zeitpunkt für sehr wahrscheinlicher. Das Tempo sollte jedes Unternehmen selbst festlegen können. Aus diesem Prozess können sich kostensenkende Synergieeffekte und optimaler Weise auch deutliche Verbesserungen ergeben, welche von allen Beteiligten dann genutzt werden können.

Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen Sie in Aalen eine klimafreundliche Mobilitätswende erreichen?

 E-Autos sind danach schon heute deutlich klimafreundlicher als Verbrenner. 

Frederick Brütting:

Ich möchte den Ausbau von Fahrradwegen in der Stadt und zu den Gemeinden im Umland vorantreiben und für mehr Verkehrssicherheit an den bestehenden Radwegen sorgen, damit mehr Menschen auf das klimafreundliche Fahrrad umsteigen. Es braucht auch einen schnellen Ausbau der E-Tankstellen im öffentlichen Raum. Konkreter Vorschlag: Wir integrieren die Ladepunkte in neue Straßenlaternen. Die müssen in Aalen sowieso in den kommenden Jahren zum Teil ausgetauscht werden. Wir brauchen auch mehr Kleinbuslinien mit Pendelverkehr in die Teilorte und einen Ausbau der elektronischen Fahrgastinformation an viel mehr Bushaltestellen. Wir benötigen aber auch eine Umstellung der Busflotte auf Elektro- und Wasserstoffantriebe. Am Innovationszentrum an der Hochschule gibt es dafür ein Start-Up, die bestehende Busse auf diese neuen Antriebsstränge umrüsten. Wir müssen also nicht alle Busse neu kaufen, sondern können sie umbauen. 

Matthias Müller:

Kostenfreies Parken in der Innenstadt für Elektro Mobilität auf Zeit. Fahrverbote für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in der Innenstadt. Natürlich nicht sofort. Ladestationen erstmals umsonst zu benutzen.

Catherine Rommel:

Bei der Mobilität müssen wir ganzheitlich vorgehen und entlang der Bedürfnisse der Bevölkerung und der Wirtschaft Maßnahmen entwickeln. Ich möchte einen Klimamobilitätsplan für Aalen erarbeiten, der konkrete Vorhaben beinhaltet, um eine 40-prozentige Reduktion des CO2-Ausstoßes im Verkehr zu erreichen. Wir brauchen eine verlässliche Radverkehrskonzeption, um sicheres Fahrradfahren gerade auf dem Weg zur Schule und zur Arbeit zu ermöglichen. Dazu möchte ich das vom Gemeinderat beschlossene 5-Jahres-Radwegeprogramm fortschreiben. In den Teilorten möchte ich klare Konzepte für sichere und ruhige Ortsmitten und für mehr Lebensqualität auch ohne Auto. Der sich wandelnde Autoverkehr in Richtung E-Mobilität braucht genügend Ladeinfrastruktur, hier sind auch die Stadtwerke gefordert. Im Bereich des ÖPNV brauchen wir einen gut ausgebauten, vertakteten ÖPNV in der Kernstadt und unseren Teilorten mit attraktiven Tarifangeboten wie dem Umweltticket und beste Anbindung an den Schienenverkehr.

Stefan Schmidt:

Das Thema Klimaneutralität ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Politik den Boden der evidenzbasierten Wissenschaft verlassen und eine Idelogie daraus gemacht hat. Der CO2 Anteil in der Erdatmosphäre beträgt 0,038 %. Davon ist der menschengemachte Anteil 3 %, das sind anteilig 0,00114 %. Von dieser Zahl sind der deutsche Anteil 2 %, was einen absoluten Anteil von 0,00002 % ausmacht. Von daher werde ich als zukünftiger OB zusammen mit den Aalener Unternehmen unsere Umwelt mit konkreten Anreizen bewahren. Die Ideologie der Klimaneutralität werde ich nicht weiter verfolgen. An diesem Punkt haben wir auch die Verbindung zur aktuellen Corona Krise, bei der die Zahlen auch niemals ins Verhältnis gesetzt werden, da sonst jeder mitbekommen würde, dass es niemals eine Pandemie gab.

Marcus Waidmann:

Eine Mobilitätswende muss jeder für sich selbst vollziehen. Eine wie auch immer geartete Einmischung in die privaten Angelegenheiten der Bürger lehne ich ab. Eine Verkehrswende ist ein anderes Thema. Der ÖPNV sollte neu gedacht werden. Ich denke hierbei an intelligente Shuttle Lösungen, wie bereits eine vom Landesministerium für Verkehr Baden-Württemberg prämiert wurde. Der Gedanke war mir nicht neu. Ich kenne solche Lösungen bereits aus dem Ausland. Hier gilt es, ein Konzept zu erarbeiten und auf den Erfahrungsschatz bereits bestehender Anbieter zurück zu greifen. Ich denke dabei unabhängig von der Art des Antriebs. Es ist noch nicht absehbar, welcher sich tatsächlich durchsetzt.

Die Flächenversiegelung schreitet auch in Aalen voran. Wie wollen Sie die großflächige Zerstörung von Grünflächen und Lebensräumen der Tiere einschränken und trotzdem weiterhin genügend Wohnraum schaffen?

Luftbild von Aalen

Frederick Brütting:

Es braucht eine schnelle Aktivierung von Industriebrachen für Wohnen und Gewerbe in der Stadt. Dadurch werden keine neuen Flächen im Außenbereich versiegelt. Wenn auf der grünen Wiese neu gebaut wird, muss verstärkt auf ökologische Aspekte wie begrünte Dächer, begrünte Fassaden und echte Grünflächen um die Gebäude (keine Schottergärten) geachtet werden. Es braucht auch eine aktive Akquise von leerstehendem Wohnraum durch die Stadt, nach dem Vorbild des Karlsruher Modells der Wohnraumaquise. Dadurch kann schnell bestehender Wohnraum wieder belegt werden, ohne dass neue Flächen versiegelt werden. Für den Bestand schlage ich ein Förderprogramm für begrünte Fassaden nach dem Vorbild der Stadt Ulm vor, um in der Innenstadt eine höhere ökologische Wertigkeit und eine Wohlfühlatmosphäre zu erreichen.

Matthias Müller:

Wir müssen erstmal Wohnraum schaffen, indem wir Zimmerpool-Wohnungen, die von Handwerkern oder Saisonarbeitern benützt werden, zu privaten Wohnräumen umzumodulieren. Für Handwerker gibt es Hotels. Ebenso sollte die Stadt Vorkaufsrechte für private Baugrundstücke, Äcker und Streuobstwiesen haben. Aber bei einer steigender Einwohnerzahl bleibt es nicht aus, Mehrfamilienhäuser zu bauen und in die Höhe zu bauen. Ich würde sogar im ländlichen Raum, Wohnanlagen im Grünen mit Tiny-Häusern gut finden und fördern. Solche Wohnanlagen kann man sehr gut mit Grünanlagen verbinden. Dies schaft neuen Wohnraum, indem sehr viele Paare oder einzelne Personen ihr Eigentum verkaufen oder vermieten, weil sie lieber in einem kleinen Haus wohnen möchten.

Catherine Rommel:

Ein wichtiger Baustein, um die Inanspruchnahme von Grünflächen zu verringern, ist das bereits vorhandene Programm zur Innenentwicklung in Aalen. Dieses möchte ich stärker auf die bessere Nutzung vorhandener Flächen ausrichten – um den Generationsübergang in den Wohnquartieren zu fördern, um Leerstand und Brachen zu vermeiden und um beim Schließen von Baulücken zu helfen. Dazu möchte ich eine Erstberatungsstelle für Bauherren einrichten. Auch die Möglichkeiten und Chancen unserer eigenen Wohnungsbaugesellschaft für flächenschonendes und klimaneutrales Bauen möchte ich nutzen. Wenn wir neues Bauland schaffen, dann muss dies ökologisch abgewogen geschehen. Dazu zählen flächenschonende und klimaangepasste Maßnahmen wie die Versickerung auf Eigengrund, die Dachbegrünung, wenig Verkehrsflächen und viele Bäume. Ich möchte aber auch neue Grünzüge und Grünflächen entwickeln - beispielsweise am Kocher oder in der Innenstadt mit mehr Grün und erlebbarem Wasser.

Stefan Schmidt:

Die Mobilitätswende, wie sie gerade von der Politik umgesetzt wird, ist ein Irrweg. Elektroautos leisten keinen Beitrag für eine saubere Umwelt. Im Gegenteil sind die Kollateralschäden höher als der Nutzen. Die Ökobilanz der Batterien ist verheerend und auch Feinstaub wird nur unwesentlich eingespart. Weltweit werden immer mehr Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke gebaut und Deutschland bezieht immer mehr Strom aus dem Ausland. Die dem E-Auto überlegene Dieseltechnologie wird von der Politik bewusst zerstört. Das gleiche gilt natürlich auch für Elektrofahrräder oder Elektrobusse.Da in den nächsten Jahren die Bevölkerung deutlich abnehmen wird und viele Firmen die Corona-Plandemie nicht überleben werden, wird es keine großflächige Zerstörung von Grünflächen mehr geben. Der bestehende Wohnraum wird ausreichen und neue Firmenansiedlungen müssen und werden auf den bestehenden Brachflächen stattfinden.

Marcus Waidmann:

Grundsätzlich muss ich jetzt meine Vorgänger im Amt einmal in Schutz nehmen. Keiner, von Pfeifle bis heute, hat großflächig Natur, Grünflächen und Lebensräume zerstört. Und ich werde es auch nicht tun. Ja, es wurden Fehler gemacht, es wurde jedoch auch schon mit Korrekturen begonnen. Wir werden weiterhin Betriebsflächen, Arbeitsplätze und Wohnungen/Häuser benötigen. Dafür sind Flächen, auch neue Flächen, notwendig. Die negativen Auswirkungen der Eingriffe sollten jedoch auf ein Minimum beschränkt werden sofern möglich.

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