ÖPNV: Was will man sich leisten?

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Schul- und Linienbusse, Bedarfsbusse, Züge - die Angebote sollen im neuen ÖPNV sinnvoll verknüpft werden. Archivfoto: privat
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Bessere Anbindung fürs Härtsfeld und für Oberkochen. Wie der Kreistagsausschuss Umweltschutz über die Fortschreibung des Nahverkehrsplans diskutiert.

Aalen

Wie viel Öffentlicher Personennahverkehr in einer einzelnen Raumschaft des Ostalbkreises ist finanzierbar und was will man sich leisten? Um diese Frage ging es im Kern der Diskussion zum geplanten ÖPNV-Konzept für das Härtsfeld im jüngsten Kreistagsausschuss für Umweltschutz und Kreisentwicklung.

Das Konzept: Im Zuge der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes für den Ostalbkreis hat das Gutachterbüro Nahverkehrsberatung Südwest (NBSW) ein Konzept für den Raum Härtsfeld / Oberkochen erarbeitet. Es beinhaltet laut Landratsamt Regiobus-Standards auf der Linie Aalen - Waldhausen - Ebnat - Elchingen - Neresheim und einen Halbstundentakt für die Orte Ebnat und Waldhausen in Richtung Aalen, ebenso im Stadtverkehr Oberkochen. Das Härtsfeld wäre im Stundentakt mit Oberkochen verknüpft. Synergien wären möglich durch konsequente Verknüpfung der Angebote untereinander und mit der Bahn. Außerdem schlägt das Büro vor, den Schulbeginn in Neresheim auf 8 Uhr zu verlegen.

Das Alternativkonzept: Das Busunternehmen Beck + Schubert hat diese Pläne laut Landratsamt als „nicht umsetzbar“ angesehen und ein eigenes Konzept erstellt. Seit März liegt es vor. Kernpunkte sind unter anderem:

Stundentakt des Verkehrs im Raum Härtsfeld / Oberkochen,

Verknüpfungen zum Schienenverkehr in Aalen und Oberkochen,

Verknüpfung der Bedarfsbusse mit dem Linienverkehr.

Die Regiobuslinie hat drei verschiedene Wege: Montags bis freitags würde die Linie tagsüber immer über Unterkochen führen, im Abendverkehr fährt der Bus über Waldhausen bis Ebnat. Der Bereich zwischen Ebnat und Neresheim wäre mit einem Umstieg in Ebnat auf einen Bedarfsbus angebunden. Am Wochenende würde die Linie zwischen Aalen und Elchingen über Waldhausen führen und dann in einer Schleife die Orte Dorfmerkingen - Weilermerkingen - Ohmenheim - Neresheim (inkl. Kloster) - Stetten anfahren und zurück über Waldhausen nach Aalen.

Der Knackpunkt: Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg hat das Beck + Schubert-Konzept geprüft. Weil es in einigen Punkten (siehe Kasten) nicht der Regiobus-Richtlinie entspreche, könne es die entsprechende Förderung nicht erhalten, erläuterte Ingo-Benedikt Gehlhaus dem Ausschuss. Das würde bedeuten: Fällt die Regiobus-Förderung aus, müsste der Ostalbkreis zusätzlich 1,7 Millionen Euro schultern.

Die Diskussion: „Wir brauchen bessere Anbindung und bessere Taktzeiten. Aber wenn wir einen Teilraum mit 1,7 Millionen Euro aufwerten, das ist eine Hausnummer“, gab Landrat Dr. Joachim Bläse zu bedenken. “Ernüchternd“ und „enttäuschend“ sei das Ergebnis, befand Wolfgang Steidle (CDU). Herbert Witzany (Freie Wähler) fürchtete das Schlimmste: „Wenn jeder Ort einen Stundentakt bekommen will, da kommen wir im Ostalbkreis auf zehn Millionen plus x.“ Jetzt sei man vom Ergebnis her eigentlich ähnlich weit wie 2020, als eine Schnellbuslinie mit 1,5 Millionen Euro im Jahr kalkuliert wurde. Auch Egon Ocker (SPD) war entschieden: „Ein super Angebot für nur einen Bereich - das geht nicht.“

Dr. Susanne Garreis (Grüne) forderte in einem ausführlichen Statement einen besseren Nahverkehr für alle Altersgruppen, unter anderem mit einem „sauberen Stundentakt“. Sie schlug vor zu prüfen, ob eingespart werden kann etwa durch Modifizierungen im Schülerverkehr und ob der Ostalbkreis an einem Pilotprojekt autonomes Fahren teilnehmen kann. Am Ende kam man überein, dass der Landkreis eine Regiobusförderung vorerst nichtbeantragt.

„Ein super Angebot für nur einen Bereich - das geht nicht.“

Egon Ocker (SPD), Ausschussmitglied

Das Konzept des Busunternehmens Beck + Schubert wird vom Land nicht als förderfähig anerkannt.

Begründung: Lediglich der Fahrplan von Montag bis Freitag im Tagesverkehr entspricht den Vorgaben der Regiobus-Förderrichtlinie. Der Abendverkehr ab 20 Uhr wurde laut Landratsamt aus zwei Gründen abgelehnt: geänderte Streckenführung gegenüber dem Tagesverkehr und keine durchgehenden Fahrten bis Neresheim. Der Wochenendverkehr weicht ebenfalls vom Linienweg im Tagesverkehr Montag - Freitag ab und kann deshalb nicht gefördert werden.bea

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