Offene Kitas und die Nervosität wächst

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Wie lange dürfen Kindergärten noch geöffnet bleiben? Bleibt die Inzidenz über 200, wird laut Landratsamt am Mittwoch eine Schließung verfügt.
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Wie lange bleiben die Einrichtungen noch geöffnet? Angst vor Ansteckung und Corona-Selbsttests, die auf den letzten Drücker kommen.

Aalen

Die Nervosität wächst. Die Corona-Inzidenzwerte auf der Ostalb haben am Donnerstag die 200er-Marke überschritten. Der ab Montag geplante Präsenzunterricht in Schulen ist abgesagt. „Warum bleiben Kindergärten im Ostalbkreis bei einer Inzidenz von 200 geöffnet, während die Kitas Heidenheim und Göppingen schließen?“, fragt eine Erzieherin, die namentlich nicht genannt werden möchte.

Sie arbeite für ihr Leben gern und voller Herzblut in ihrem Job, aber sie sei besorgt. So viele Corona-Ausbrüche habe es schon in den Einrichtungen gegeben. Jetzt gehe es um die Gesundheit der Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher und deren Familien. Wenn man sich anschaue, bei welcher Inzidenz das sonstige Leben schon massiv eingeschränkt werde, sei die 200 für Schulen und Kitas „wirklich schon sehr hoch abgesetzt“.

Eine Kollegin aus einer anderen Einrichtung sagt der SchwäPo klipp und klar: „Wenn die Kita zugemacht würde, wäre ich froh.“ Sie trage konsequent eine FFP-2-Maske, „doch seit Mitte Januar habe ich immer ein ganz mulmiges Gefühl bei der Arbeit“.

Der evangelische Kirchenpfleger Harald Schweikert nennt die Situation „einen Ritt auf Messers Schneide“. Er verstehe die Sorge der Erzieherinnen. Andererseits seien geöffnete Kitas die Voraussetzung für viele „systemrelevante Personen, dass die überhaupt ihrer Arbeit nachgehen können“. Schließen die Kitas, „bringe ich ein System, das sowieso nicht stabil läuft, noch mehr ins Schwanken.“


Schließung: In der für dieses Wochenende angekündigten Neufassung der Corona-Verordnung des Landes werde auch eine Schließung der Kitas bei Überschreiten der 200er-Inzidenz angesagt, heißt es aus dem Landratsamt. Landrat Bläse will den Kita-Betrieb auf der Ostalb allerdings nicht am Montag, sondern erst am Mittwoch einstellen - sofern der Inzidenzwert über 200 bleibt. Pressesprecherin Susanne Dietterle: „Wir wollen den Eltern planerisch ein bissle Luft verschaffen, weil eine Kleinkindbetreuung schwieriger zu organisieren ist.“

Tests: 123 000 Corona-Selbsttests für Kindergartenkinder hatte das Landratsamt bestellt und in dieser Woche an die 42 Kommunen verteilt. Aalen hat 30 000 bekommen.

Eigentlich soll es am Montag losgehen, mit zwei Tests pro Kind und Woche. Doch wie Beschäftigte mehrerer Kitas der SchwäPo bestätigen, sind noch keine Tests da. Sie könnten erst am Montag abgeholt werden, müssten für jede Einrichtung erst abgezählt und zusammengestellt werden, habe es geheißen.

Laut Stadt-Pressesprecher Sascha Kurz werden die Tests seit Dienstag im Haus der Jugend gelagert und dort auch ausgegeben. Lieferungen seien zum Teil verspätet, teilweise sehr kurzfristig eingetroffen. „Zurzeit müssen wir immer alles auf den letzten Drücker organisieren“, da sei nicht ausgeschlossen, dass nicht alles reibungslos laufe.

Das Verfahren: Aktuell gibt es für Kita-Kinder keine gesetzliche Testpflicht - das sei vom Land so geregelt und widerspreche auch dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, so Pressesprecherin Susanne Dietterle. Familien sollen ihre Kinder zweimal die Woche vorm Kita-Besuch daheim testen. Laut Stadt wird bei den ersten beiden Selbsttests Anleitung durch das Kita-Personal angeboten. Eltern erhalten die Tests mit Gebrauchsanleitung sowie Links und QR-Code zur Anleitung per Video. Mit ihrer Unterschrift bestätigen sie ein negatives Ergebnis. „Wir hoffen auf die Vernunft der Eltern, dass sie ehrlich sind“, sagt eine Erzieherin. Eine Kollegin beschreibt, es gebe eigentlich drei Fraktionen: Eltern, die ihre Kinder freiwillig testen. Eltern, die den Test ablehnen, und Eltern, “die sagen, meine Kinder lassen das nicht zu“. Aus pädagogischer Sicht habe sie dafür Verständnis. Trotzdem entstehe Unsicherheit. „Uns bleibt eigentlich nur, darauf zu hoffen, dass wir mit dem Impfen schnell vorankommen.“

Ausführliche Informationen zur Corona-Lage und weiteren Maßnahmen im Ostalbkreis lesen Sie auf Seite 26.

„Wir wollen den Eltern planerisch ein bissle Luft verschaffen.“

Susanne Dietterle, Landratsamt

Infektionszahlen in den Kitas - ein Vergleich

Alarmierende Zahlen: Im gesamten Ostalbkreis gab es allein in den vergangenen zwei Wochen 41 Meldungen aus Kitas über infizierte Kinder oder Erzieherinnen, so die Pressesprecherin des Landratsamtes, Susanne Dietterle.
Von Anfang März bis Mitte April seien bereits 54 Erzieherinnen und Erzieher sowie 73 Kinder mit Corona infiziert gewesen. Im gesamten Zeitraum von September 2020 bis Februar 2021 waren es 90 Erzieherinnen und 44 Kinder. Susanne Dietterle: „Daran sieht man, dass sich binnen sechs Wochen mehr getan hat als im gesamten halben Jahr davor.“

Aktuell: Im Bereich der Stadt Aalen sind laut Stadtverwaltung aktuell zehn Kitas ganz oder teilweise geschlossen, weil Beschäftigte oder Kinder in der Einrichtung positiv getestet wurden.bea

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