Prinz Harrys Buch - ein Renner auch in Aalen?

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Ist das Buch von Prinz Harry in Aalen auch beliebt?
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Wie Menschen mit Verbindungen nach Großbritannien die Folgen einschätzen.

Aalen. Wird „Spare“ - auf Deutsch „Reserve“ - das Skandal-Buch des englischen Prinzen Harry, ein Bestseller? „Ich glaube schon“, sagt Sarah Schmidt von der Buchhandlung Osiander in Aalen. Bereits einen Tag nach Erscheinen am Dienstag waren alle 14 vorhandenen Exemplare bei Osiander restlos ausverkauft. Der jüngste Queen-Enkel sei enorm populär, und viele Menschen reize an einer solchen Biografie, hinter die ansonsten verschlossenen Türen der Königsfamilie zu blicken.

Stark nachgefragt waren die 416 Seiten umfassenden Memoiren des Prinzen auch in der Buchhandlung Henne in Wasseralfingen. Simon Fortenbacher: „Wir hatten schon vor dem Erscheinen Anfragen.“ Auf Vorbestellung habe man auch ein englischsprachiges Exemplar geordert. Ob die Nachfrage anhält? Fortenbacher zweifelt: „Meiner Erfahrung nach haben solche Bestseller-Biografien auf Dauer nicht die größte Nachfrage.“

Hildegard Stehle, stellvertretende Vorsitzende des Aalener Partnerschaftsvereins, hat seit vielen Jahren Freunde in Großbritannien. Die Enthüllungen von Prinz Harry werden „nicht gut sein“ für das Ansehen der königlichen Familie, glaubt sie. Zumal Charles als König gerade „einen Berg an Arbeit vor sich hat, den er erklimmen muss. Er muss Vertrauen in der Bevölkerung schaffen für sich und seine Familie“, für die Monarchie.

Allerdings hätten die Briten gerade andere Probleme als Prinz Harry: Der Brexit mit allen seinen Folgen, die Polit-Skandale – all das bewege deutlich stärker, sagt Stehle. Von ihren britischen Freunden höre sie, dass sie sehr enttäuscht seien „über den Austritt aus Europa“.

Hildegard Stehle ist entschlossen, das Buch nicht zu kaufen. „Diese Art von Literatur, solches Austeilen, solche Rachegedanken – das liegt mir nicht.“ Gleichwohl habe sie „ein gewisses Verständnis“ für den jüngsten Enkel der verstorbenen Queen. Ihrer Einschätzung nach ging es Prinz Harry beim Schreiben seiner Biografie weniger um eine Abrechnung mit seiner Familie. Viel mehr sei es als Bewältigung seines Traumas zu sehen durch den frühen Tod von Mutter Diana, fehlende Zuneigung und den ständigen Konkurrenzkampf mit seinem Bruder, Prinz William.

Als Lehrer an der Uhland-Realschule begleitet Gunnar Birzele seit vielen Jahren Schülerreisen nach Großbritannien. Dabei war er vor Ort in Gastfamilien untergebracht. Die königliche Familie und ihr Leben habe in diesen Familien „nur eine untergeordnete Rolle“ gespielt. Allerdings erwartet er: „Diejenigen Briten, die stolz sind auf die royale Familie und sich mit dem Königshaus verbunden fühlen, die werden wohl beleidigt sein. Das Royale, das Unantastbare, wird angetastet.“

Nach dem, was bisher über den Inhalt von „Spare“ bekanntgeworden ist, ist Gunnar Birzele gespalten in seiner Sicht auf das Buch: Einerseits finde er es gut, wenn die Wahrheit auf den Tisch komme. Andererseits wolle Prinz Harry mit diesem Buch Geld verdienen, womöglich habe er ja auch in finanzielle Sorgen. Ganz sicher ist er sich, dass Harry „in dem einen oder anderen Punkt auch übertrieben hat“. Kauft Birzele sich das Buch? „Möglich“. So oder so – „die ganze Sache ist nicht uninteressant“.

Eine Aalenerin, die im Europäischen Parlament in Brüssel arbeitet und deshalb ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sieht das ähnlich: „Es gibt meiner Meinung nach eine gespaltene Haltung in der Bevölkerung, was das britische Königshaus anbelangt. Die Queen war eine feste Institution und ein Fels in der britischen Monarchie und hatte großes Ansehen in der Welt. Das Buch ist für Prinz Harry sicherlich eine persönliche Befreiung, aber auch eine Art finanzielle Bereicherung für ihn.“

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