Prof. Seibold: „onser Schtoidoktr“ vom Faulherrnhof

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Eugen Seibold (stehend) war ein Leben lang mit dem Faulherrnhof verbunden. Seine Frau Ilse widmete ihm seinerzeit ein Bänkle am steinernen Feldkreuz. Archivfoto: -afn

Aalen. Wer von der Straße nach Reichenbach, kurz nach dem Tierheim Dreherhof, rechts abbiegt und das geteerte Sträßchen steil hinauffährt, erreicht ein weites Hochplateau des Wellands mit herrlichem Weitblick. Und sieht bereits die Häuser des Faulherrnhofs. Kurz davor steht ein neues steinernes Feldkreuz der Familie Hugo Starz (Neuhof).Und direkt daneben ein mit Blumen verschöntes Bänkle mit der Aufschrift „Eugen Seibold – Geologe – 90 Jahre – 11.

Mai 2008“. An diesem Tag wurde das Feldkreuz vom damaligen Dewanger Pfarrer Karl Wahl unter Schüssen aus einer Böllerkanone feierlich eingeweiht.

Der Ehrengast Eugen Seibold konnte trotz seines hohen Alters noch dabei sein, zumal ihm seine dieser Tage in Stuttgart verstorbene Frau Dr. Ilse Seibold dieses Bänkle zum Geburtstag geschenkt hatte.

Für die einstigen Nachbarn war Prof. Dr. Eugen Seibold „onser Schtoidoktr“, wie Alfons Sorg schmunzelnd feststellt. Hatte doch der Eugen schon als Bub fast jeden Stein in den Jura- und Schieferformationen der Umgebung umgedreht. Wie später auch seine Studenten, die er als Uni-Professor bei vielen Exkursionen die Geologie Aalens erkunden ließ, um die von ihm gefertigten geologischen Karten zu verbessern. Untergebracht hatte er die Studiosi übrigens in der Aalener Jugendherberge.

Womit wir bei der Bedeutung des später weltberühmten Meereswissenschaftlers und DFG-Präsidenten für Aalen wären. Seibold lieferte dem „Vater der Limesthermen“, Eduard Obermayer, mit einer geologischen Karte die Basis, am „Schwäbischen Lineament“ nach Thermalwasser bohren zu lassen.

Seibolds Frau, Dr. Ilse aus Breslau, galt als namhafte Mikropaläontologin und Wissenschaftshistorikerin, die ihrem Mann zeitlebens bei dessen Forschungen zur Seite stand.

Am 11. Mai 2018 gab sie in Kiel Anlass für einen „Großen Bahnhof“. Sie taufte eine Hochseejacht der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) auf den Namen ihres Mannes, der als Begründer der Meeres-Geowissenschaften galt. Ihm ist es mit zu verdanken, dass Deutschland heute in den Meereswissenschaften eine führende Rolle spielt. Allein zwischen 1965 und 1975 leitete er sieben große Forschungs-expeditionen – im Atlantik, dem Persischen Golf und Indischen Ozean. Als leidenschaftlicher Forscher und Präsident der Europäischen Wissenschaftsstiftung in Straßburg gab er sein Wissen in vielen Büchern weiter, darunter das bekannteste Werk: „Das Gedächtnis des Meeres“.

Seibold hatte eine Vielzahl von Ehrendoktortiteln und wurde mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Aber nie verleugnete er seine schwäbischen Wurzeln, bis zu seinem Tod 2013. In seinen 95 Lebensjahren war ihm der Faulherrnhof zweite Heimat. Fast alle Urlaube verbrachte er hier. Zuletzt beim Bruder seines Vaters. Der stammte nämlich vom Faulherrnhof. Und seine Mutter war eine geborene Weingart aus Dewangen. So besuchte er bis zuletzt seine hiesigen Verwandten: Franz, Lorenz und Josef Abele, Anna Kaufmann in Aalen und Eugen Weingart in Dewangen, genauso wie die Gebrüder Kaufmann und Hildegard Balle in Oberkochen.Erwin Hafner

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