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Regeln nicht verspotten!

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Jürgen Steck
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Jürgen Steck über die Montagsspaziergänge in Aalen und in vielen anderen Orten.

Dass man sich streiten kann, streiten muss in einer so wichtigen Frage wie etwa der, ob eine Impfpflicht eingeführt werden soll: Das steht außer Frage. Dass man dafür auf die Straße gehen kann, um seine Meinung zu vertreten: selbstredend. In einer offenen Gesellschaft ist dieser Austausch wichtig – und notwendig. Was eine offene Gesellschaft aber auch auszeichnet, ist, dass sie sich Regeln gibt. Faire Regeln, wie wir eine Versammlung in der Öffentlichkeit organisieren wollen, damit die Rechte aller gewahrt bleiben. Und auch, damit niemand zu Schaden kommt. Wer sagt, er geht spazieren und eigentlich aber geht er demonstrieren, der handelt unfair – und riskiert, dass das, was er zu sagen hat, in den Hintergrund tritt. Weil es nur noch darum geht, dass Regeln verletzt wurden. Vielleicht mag es die Herzen wärmen, vielleicht ist es der Kick, etwas „gegen die da oben“ zu tun in Zeiten, in denen wir uns alle oft ohnmächtig vorkommen. Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere einfach wohlig aufgeregt in dieser besonderen Atmosphäre. Wie auch immer. Es gibt Städte, in denen diese Montagsspaziergänge verboten wurden. Das ist falsch. Weil es darum geht, zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die eine andere Meinung haben in einer sehr wichtigen Frage. Auch birgt es, und das ist wichtiger, die Gefahr, Menschen, die sich engagieren in der Gesellschaft, zu verlieren für die Gesellschaft. Genauso falsch ist es aber und der eigenen Sache abträglich, zu behaupten, man geht spazieren, wenn man doch eigentlich etwas viel Wichtigeres möchte: seine Meinung kundtun in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Stattdessen verspottet man die Regeln, die sich diese Gesellschaft gegeben hat. Verspottet die Menschen, die sich um die Einhaltung dieser Regeln kümmern müssen. Verspottet am Ende die Gesellschaft insgesamt.

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