Rettungsanker für die City

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Eine neue Initialzündung für die Aalener Innenstadt zeichnet sich im Östlichen Stadtgraben nach Jahrzehnten des Stillstands ab: ein Bauvorhaben auf dem Parkplatz neben dem alten Wohnhaus der Familie Seibold. „Ein Projekt mit Großstadtcharakter“, so Citymanager Reinhard Skusa.
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Wie der Innenstadtverein Aalen City aktiv (ACA) und die Stadtverwaltung die Innenstadt in der Krise und darüber hinaus stärken will.

Aalen

Eine gute Nachricht für die durch den Lockdown gebeutelten Wirte der Aalener Innenstadt: Für das komplette Jahr 2021 wird ihnen die Stadt Aalen die Sondernutzungsgebühren für die Außenbewirtschaftung erlassen. Das haben die Mitglieder des Gemeinderatsausschusses für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA) in öffentlicher Sitzung befürwortet. Dieser Beschluss geht zurück auf einen Antrag Inge Birkholds (CDU). Sie hatte dafür plädiert, den ursprünglich lediglich auf die Monate April, Mai und Juni 2021 bezogenen Vorschlag der Stadtverwaltung auf das komplette Jahr auszuweiten. Marcus Waidmann (AfD) indes kam mit seinem erweiterten Antrag, die Sondernutzungsgebühren für die Außenbewirtschaftung zudem auch im Jahr 2022 auszusetzen, nicht durch.

Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann, der stellvertretend für den verhinderten OB Thilo Rentschler die Sitzung leitet, wies darauf hin, dass das vom Gemeinderat beschlossene 10-Punkte-Handlungsprogramm zur Stärkung der Innenstadt durch die aktuelle Corona-Pandemie weitere Brisanz bekommen hat. „Gemeinsam mit dem Innenstadtverein Aalen City aktiv (ACA) arbeiten wir mit Verve an den Themen“, betonte Ehrmann.

Der Grünen-Fraktion ist wichtig, nach dem Lockdown der dritten Welle in der Innenstadt „wieder in allen Bereichen durchstarten zu können“. Ralf Meiser brachte für die Fraktion den aus drei Punkten bestehenden Antrag ein, der vom Gremium mit deutlicher Mehrheit befürwortet wurde. Der Antrag sieht vor, im Aalener Rathaus eine Task Force einzurichten, bestehend aus Mitarbeitenden der Verwaltung und Vertretern von Hilfsorganisationen, Medizin, Handel, Gastronomie und Kultur. Diese Task Force soll umgehend den Entwurf einer praktikablen Öffnungsstrategie entwickeln für den Zeitpunkt, wenn die Inzidenzwerte und Rahmenvorgaben wieder eine Öffnung zulassen. Das Ziel: „Das Konzept muss so weit vorbereitet und abgestimmt sein, dass bei einem entsprechenden Inzidenzwert ohne Zeitverzögerung gestartet werden kann“, machte Meiser deutlich.

Wie brisant die aktuelle Lage in der Innenstadt ist, führte Citymanager Reinhard Skusa aus: „Sollten die Geschäfte zum 1. Mai nicht aufmachen können, bricht für viele Branchen das Finanzgerüst zusammen.“ Für die Rettung der Innenstadt müssten alle Betriebe mit Auflagen so schnell wie möglich geöffnet werden. Skusa: „Eine Verlängerung bis Juni wäre der Tod der Aalener City!“

Ziel des Innenstadtvereins und der Stadt aber sei eine blühende Innenstadt, „wie wir sie aus Zeiten vor Corona in Erinnerung haben“. Zu den kurzfristigen Perspektiven zählt Skusa vielfältige Investitionen in die Aufenthaltsqualität mit viel Grün, mit Blumen, mit der Sommeraktion „Aalen City memory“, mit Musik vom Rathausdach, mit Festivals im Stadtgarten und diversen Künstleraktionen . Mittelfristige Perspektiven seien größere private Investitionsvorhaben. Eine neue Initialzündung zeichne sich etwa für den Östlichen Stadtgraben ab: ein Bauvorhaben auf dem Parkplatz neben dem alten Wohnhaus der Familie Seibold. Skusa: „Das wird ein Projekt mit Großstadtcharakter.“

300 bis 400 Wohnungen

Dazu zählt der Citymanager auch das im Bau befindliche Barfüßer-Projekt in der Helferstraße. Zudem, so Skusa, planen die neuen Eigentümer des ehemaligen Spielzeug-Wanner-Gebäudes ein tolles Konzept mit einem Buchhandel. Weiter stehe die Sanierung des ehemaligen Binder-Optik-Hauses in der Reichsstädter Straße an. „Das wird dann ein tolles Schmuckstück.“

Weiter ließen sich laut Skusa 300 bis 400 weitere Wohnungen in der Innenstadt herstellen. Der Citymanager spricht von „sehr vielen Leerständen“ im Mietbestand.

Initiativen und Engagement des Innenstadtvereins ACA und der Stadtverwaltung zur Stärkung der City nahm das Gremium durchweg anerkennend zur Kenntnis. Inge Birkhold (CDU) regte zur Frequenzerhöhung unter anderem kurzfristige Projekte an, beispielsweise mobile Spielgeräte auf den Plätzen der City. Und plädierte für Kaufanreize, speispielsweise in der Verteilung von Einkaufsgutscheinen als Belohnung für Mitarbeiter.

Sowohl CDU als auch die Grünen (Thomas Battran) plädierten für sichere Abstellmöglichkeiten für E-Bikes. „Sonst schließen wir eine große Gruppe aus, wenn wir da nicht ein besseres Konzept für Radfahrer in der Fußgängerzone haben“, meinte Battran. Auch der SPD (Hermann Schludi) sind sichere Abstellmöglichkeiten für E-Bikes wichtig. „Aber die Innenstadt bleibt für uns Fußgängerzone!“ für Roland Hamm (Die Linke) ist der Grünen-Vorschlag „nicht verständlich“. Zumal sie damit den Radfahrern in der Fußgängerzone ein Recht einräumen, „das man Autofahrern zu Recht verwehrt hat“.

Das ganzjährige Aussetzen der Sondernutzungsgebühr für die Außenbewirtschaftung bedeutet für die Stadt Aalen einen Gebührenausfall von 58 000 Euro. Das merkte Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann an.

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