Röttgen bei der Ostalb-CDU

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Gast auf dem Parteitag: Wie Norbert Röttgen, einer der Bewerber um den CDU-Bundesvorsitz, über Deutschland, die Welt und die CDU denkt.

Abtsgmünd

Die Temperaturen draußen sind herbstlich-kühl. Drinnen bereiten 125 CDU-Mitglieder von der Ostalb, angeführt vom Kreisvorsitzenden Roderich Kiesewetter, Norbert Röttgen einen warmen Empfang. Er ist einer der drei Bewerber um den CDU-Bundesvorsitz. Kiesewetter hatte ihn, wie er betont, als Gast eingeladen, schon bevor die Kandidatur Thema wurde.

Nachdem sein Zug ausgefallen war, hatte sich Röttgen in Königswinter Samstagmorgen ins Auto gesetzt, war in dreieinhalb Stunden auf die Ostalb gefahren. In der Kochertalmetropole begrüßt er unter anderem den "lieben Roderich", mit dem er seit 2014 im Auswärtigen Ausschuss zusammenarbeitet und dem er eingangs ob dessen Kompetenz dickes Lob zollt: Einen Politiker erster Klasse haben Sie hier in Berlin!". Auch andere seiner Weggefährten wie etwa Rudolf Böhmler, Dieter Schulte, Stefan Scheffold oder Inge Gräßle begrüßt Röttgen namentlich. Die weltpolitische Lage: "Wir stehen vor einem entscheidenden Jahrzehnt", betont Röttgen mehrmals in seiner dann folgenden Rede. Die Nachkriegsepoche sei zu Ende, europäische Friedensordnung sei Geschichte, seit Russland 2014 die Krim besetzt habe. Die großen Herausforderungen der Zeit: Brexit, Trump'sche Politik, Corona, Flüchtlinge, Finanzmarktkrise – kein rein lokales Phänomen. Deshalb werde Außenpolitik immer wieder zur Innenpolitik, "und wie wir uns im Land verhalten, wird zur Außenpolitik".

Deutschland und Europa: Eine neue Weltordnung wird zurzeit ausgekämpft, ist Röttgen überzeugt. Die USA falle als Ordnungsmacht aus, das werde sich auch nach einem möglichen Wahlsieg Joe Bidens kaum ändern. China sei auf dem Weg zur Weltmacht, Russland interveniere in vielen Nachbarschaften. Europa müsse deshalb dringend zum außenpolitischen Akteur werden, mit starkem Zusammenhalt der europäischen Nationen. Der europäische Aufbaufonds sei ein richtiger Schritt, doch das Geld müsse investiert werden in echte Wirtschaftsreformen und Modernisierung. Deutschlands Rolle sieht Röttgen darin, "sich aufzureiben, dass dieses Europa entsteht".

Digitalisierung: Deutschland liege da enorm zurück, sagt Röttgen sinngemäß. Die Technologie werde aber zur Schlüsselfrage für Wirtschaftskraft und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ein Digitalpakt müsse her, "von der Dimension eines Aufbau Ost für ganz Deutschland".

Wir müssen uns ent-ritualisieren.

Norbert Röttgen Bewerber um den CDU-Bundesvorsitz

Die CDU: Als letzte verbliebene große Volkspartei müsse die CDU darum kämpfen, "dass uns Zukunftskompetenz zugesprochen wird". Klimapolitik sei nur ein Teil dessen. Röttgen: "Wir müssen nicht werden wie die Grünen, wir müssen besser werden als die Grünen!" Seine Ziele für die CDU: junge Menschen gewinnen, mehr Frauen in Ämter bringen, mehr Männer als Wähler gewinnen. Die Fragen der Ostälbler: Die Zuhörer folgen Röttgens fast einstündiger, freier Rede konzentriert, applaudieren zwischendurch immer wieder. Und wollen am Ende noch mehr wissen. Außenpolitik, Wirtschaft und Energie, neuer Politikstil – Fragen, eine weitere Stunde lang.

Wie er zum Iran stehe?, will Mustafa Al-Ammar wissen. Man unterstütze das Atomabkommen, sehe kein besseres Instrument. Irans Regionalpolitik aber sei inakzeptabel, betont Röttgen.

Welche Ideen hat er, junge Leute für die CDU anzusprechen?, will eine Frau wissen. Als Vater von drei Kindern im Alter von 17, 20 und 23 Jahren wisse er: Klimapolitik sei das große Thema dieser Generation. Sie müsse bei der CDU den gleichen Fokus bekommen wie Außen- oder Finanzpolitik. Moralischer Ernst in der Politik sei wichtig. Und: "Wir müssen uns ent-ritualisiseren. Zehn Minuten Klatschen beim Parteitag – das ist bescheuert! Meine Kinder fragen dann: Habt Ihr auch mal diskutiert an dem Tag?", ruft Röttgen in den Saal. Viele Zuhörer nicken zustimmend. Seine Strategie, um Frauen zu gewinnen? "Kompetenten Frauen mehr Ämter geben". Von Quote spricht er nicht, nur von mehr Themenmix wie Ernährung und Tierschutz.

Ostalb-Bauernpräsident Hubert Kucher schildert die Lage seiner Branche und bittet den Bundespolitiker Röttgen, die Auflagen- und Gesetzesflut einzudämmen. Der sagt: Europäische Handelspolitik dürfe nicht zu Lasten der Bauern gehen, wenn landwirtschaftliche Produkte eingeführt werden, die anderswo unter laxeren Auflagen hergestellt werden.

Dr. Gunther Bühler fragt: Gibt es schon konkrete Projekte, in die das Geld des europäischen Corona-Aufbaufonds fließt? Röttgens Vorschläge: gemeinsame europäische Energienetze, gemeinsame Infrastrukturförderung von Forschung bis Verkehr – vieles könne man als europäische Gemeinschaftsgüter identifizieren. Da ist er wieder ganz Außenpolitiker.

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