Guten Morgen

Sätze für die Ewigkeit

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Bea Wiese über einen Graukopf beim Optiker

Es gibt sie wohl in jeder Familie: Sätze für die Ewigkeit. Gemeint sind hier nicht staatstragende Wortaneinanderreihungen aus irgendwelchen Grußworten bei Familienfesten. Hier geht es um spontane Reaktionen und Aussprüche im ganz normalen Alltag. Der frischgebackene Sechzigjährige hat sich jetzt mit einem solchen Satz ins Familiengedächtnis eingebrannt. Rausgerutscht ist er ihm ausgerechnet im Brillenfachgeschäft seines Vertrauens. Mit sechzig Lenzen sind die Augen schwächer geworden, eine neue Brille muss her. Nun ist sie da. Die Optikerin öffnet das Tütchen, setzt ihm die fabrikneue Sehhilfe auf die Nase und tritt drei Schritte zurück. "Und – bin ich scharf?", fragt sie. Vollkommen arglos. Unser Graukopf, ein gestandenes Mannsbild, späht durch die neuen Gläser und konstatiert: "Na ja, könnte besser sein!" – Als er beim Abendessen daheim schallendes Gelächter für seinen Bericht über die Szene erntet, dämmert ihm: Das hätte ins Auge gehen können.

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