Salvatorglocken abgehängt

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Sie arbeiten in der Glockenstube der Salvatorkirche: Johann Hartl (l.) und Patrick Murauer. Die Glockenmonteure bauen die Kirchenglocken ab, damit die Sanierungsarbeiten erledigt werden können.
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Der Turm der Aalener Kirche wird saniert. Derzeit werden die vier Glocken demontiert. Wie das geschieht und was sonst noch alles ansteht.

Aalen

Seit gut zwei Wochen schweigen die Glocken der Salvatorkirche. Turm, Glockenstube und Glockenstuhl müssen aufwendig ertüchtigt werden. Jetzt beginnen die eigentlichen Arbeiten. Die Glocken werden abgehängt, um die Stahljoche durch Joche aus Eichenholz zu ersetzen, um den Glockstuhl mit neuen Dämpfern besser abzufedern und die Klöppel zu überarbeiten.

Von außen ist nicht erkennbar, was im Inneren in luftiger Höhe geschieht. Einzig, der Aufzug am Kirchturm im Norden angedockt, fährt mehrmals am Tag hinauf bis knapp unter die „Zwiebel“. Zwei Männer treten die Fahrt an, im Gepäck ihr Handwerkszeug: Neben Schraubenschlüssel in diversen Größen haben Johann Hartl und Patrick Murauer an diesem Tag fünf moderne Flaschenzüge an Bord des Lifts. Die beiden Glockenmonteure von der Passauer Firma Perner werden mit Muskelkraft in den nächsten Stunden vier tonnenschwere Glocken bewegen. Alles auf engstem Raum.

Noch hängen die Christus-, die Petrus-, Paulus- und Marienglocke paarweise neben- und übereinander, befestigt an den Stahljochen aus dem Weihejahr 1913. „Die haben in den vergangenen Jahrzehnten Risse bekommen“, erklärt Helmut Erhardt, Bauexperte des Kirchengemeinderats. Erst zum 100-jährigen Jubiläum der Salvatorkirche habe eine Aalener Elektro-Firma der Kirche eine moderne Läuteanlage spendiert, die schonend die Glocken in Betrieb setzt.

Mit Schraubenschlüssel – auch hier ist Handarbeit angesagt – werden Schrauben gelöst. Nur in Ausnahmefällen greift Patrick zur Flex. „Das geht hier ohne“, betont der Österreicher, der für die Passauer seit diesem Jahr arbeitet. Sein Kollege Johann bringt die Erfahrung ein. Seit über 30 Jahren montiert und demontiert er Glocken. Jeder Handgriff sitzt. Die Flaschenzüge – drei Greifzüge und zwei Kettenzüge – setzen die Profis je nach Gewicht der Glocke ein. Befestigt ist das Hebezeug im massiven Gebälk des Dachstuhls.

Das erste Stahljoch ist gelöst. Es wird mitsamt der unteren Glocke, der schwereren Marienglocke, angehoben und zur Seite gerückt und auf vier Kanthölzer abgesenkt. Damit ist Platz geschaffen – wie auf einem Verschiebebahnhof. Jetzt kann das Team zunächst die zweite Glocke, die Paulusglocke, ablassen. Zentimeter für Zentimeter bewegt sich der Klangkörper gen Boden, wo auch er auf Kanthölzer gesetzt wird.

Noch hängen Petrus- und die Christusglocke – die schwerste. „Sie wiegt 3,5 Tonnen“, sagt Helmut Erhardt. Das Verfahren ist das gleiche. Zuerst wird die untere Christusglocke angehoben und zur Seite „gerückt“. Im weiteren Arbeitsschritt lassen die Männer die Petrusglocke herunter.

Die Joche, Lager und Läuteräder werden zerlegt. Samt Klöppel, die überarbeitet werden, bringt der Aufzug den zerkleinerten Schrott nach unten.

Der Klöppel in Originalgröße.

Patrik und Johann sind für diesen Tag fertig. Doch es geht weiter auf der Baustelle auf dem Salvatorkirchturm. „Das dauert alles noch“, sagt Helmut Erhardt. Bis September rechnet der kirchliche Bauexperte wird die gesamte Sanierung dauern, bei der auch noch das Turmkreuz neu befestigt werden muss. Bis dahin schweigen auch die Glocken.

Ein Video vom letzten Glockengeläut am Ostermontag sowie ein Video vom Absenken einer Glocke gibt es online auf www.schwaepo.de

Kosten und

Die Kosten für die Sanierung des Turms sowie der Glockenstube und des Glockenstuhls belaufen sich auf eine dreiviertel Million Euro. Neben Zuschüssen und Eigenmitteln muss die Gemeinde 50 000 Euro aus Spenden aufbringen.
Spenden für die Sanierung des Salvatorkirchturms erbittet die katholische Gesamtkirchenpflege Aalen;
Konto: DE 15 614 500 5001 1000 4408
Verwendung: Salvatorturm

Die Christusglocke ist die schwerste, sie wiegt 3,5 Tonnen.“

Helmut Erhardt, kirchlicher Bauexperte
Der Kirchturm von Salvator ist eingerüstet.

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