Schättere: die Rechte der Radler

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Ab einige Meter hinter dem Wanderparkplatz (Bild) bis zum Tunnel unterliegt die Schätteretrasse dem Landeswaldgesetz.
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Die Prüfung für die auf den einzelnen Streckenabschnitten der Unterkochener Trasse geltende Gesetzeslage liegt jetzt vor. Die Trasse ist zur Hälfte ein Waldweg. Was das bedeutet.

Aalen-Unterkochen

Nein, mit diesem Ergebnis, so Ortsvorsteherin Heidi Matzik, hatten die Unterkochener nicht gerechnet. Erneut war die Schätteretrasse Thema in der jüngsten Sitzung des Unterkochener Orschaftsrats. Stéphanie Rischar, Amtsleiterin des städtischen Rechtsamts und Ulrike Ebert, Leiterin des Amtes für Bürgerservice und öffentliche Ordnung, stellten das Ergebnis der rechtlichen Prüfung vor: Demnach unterliegt der Streckenabschnitt wenige Meter hinter dem Wanderparkplatz an der Kellersteige bis zum Tunnel dem Landeswaldgesetz. In diesem ist festgeschrieben, dass Radfahren auf Wegen ab zwei Metern Mindestbreite erlaubt ist. (Das Stadtmessungsamt hatte bereits bestätigt, dass die Trasse ab dem Wanderparkplatz bis zum Tunnel durchgängig mindestens zwei Meter breit ist, Anm. d. Red.)

„Es handelt sich um ein übergeordnetes Recht.“ Der Ortschaftsrat sei lediglich für die Ausgestaltung des Weges zuständig, betonte Maya Kohte, Leiterin des städtischen Grünflächenamts.

Übergeordnetes Recht

Wie Heidi Matzik folgerte, könne also weder der Gemeinderat der Stadt Aalen noch der Ortschaftsrat Unterkochen eine eigenständige Regelung für diesen Streckenabschnitt erlassen.

Beim Abschnitt vom Pelzwasen bis kurz hinter den Wanderparkplatz Kellersteige aber handelt es sich um eine öffentliche Verkehrsfläche, seither gewidmet als Fußgängerweg. Rischar erinnerte, dass dieser Abschnitt laut Verkehrsschau mit einem Zusatzschild „Radfahrer frei“ versehen werden kann.

Wie es zu dieser rechtlichen Prüfung kam: Der Unterkochener Ortschaftsrat hatte Ende November vergangenen Jahres einstimmig eine Resolution verabschiedet, wonach der im städtischen Gemeinderatsausschuss gefasste Beschluss für die Radwegeverbindung von Unterkochen auf das Vordere Härtsfeld zur Vorberatung in den Ortschaftsrat Unterkochen rückverwiesen werden müsse. Vorausgegangen war ein Gemeinderatsbeschluss der Stadt Aalen im Oktober, die Trasse für Radler freizugeben.

Ulrich Starz (CDU) ärgert sich, dass diese Erkenntnis „relativ spät“ kommt, nachdem die Trassen-Diskussion schon jahrelang andauere.

Brigitte Willier (SPD) meint, das Problem werde sich mehr oder weniger von selbst erledigen, weil Radfahrer keine Freude daran hätten, dort die gebotene Schrittgeschwindigkeit von 10 km/Stunde einzuhalten.

Anton Funk (CDU) appelliert, den Blick auf das Ergebnis zu richten. Was bringt die Schätteretrasse den Radfahrern eigentlich, fragt er sinngemäß. „Die Schätteretrasse ist für Radfahrer eine Sackgasse.“ Denn der aktuell wegen einer zu schützenden Vogelbrut monatelang gesperrte Maschinenweg zeige, dass man mit dieser Verbindungsroute aufs Härtsfeld ohnehin nicht zu 100 Prozent rechnen könne. Und der Trampelpfad links am Tunnel vorbei und hoch zur Waldhäuser Steige sei für die meisten Radfahrer zu waghalsig und gefährlich.

Florian Stütz (FW) stellt fest, dass das blaue Fußgängerschild hinter dem Wanderparkplatz demnach rechtswidrig ist. „Eigentlich müsste dort ein grün-gerandetes Schild stehen: Waldweg gesperrt für Motorfahrzeuge und Reiter.“ Zudem macht er klar, dass eine Tunnelöffnung für die Unterkochener noch nie zur Debatte stand. „Das war immer schon nur der Wunsch vom Vorderen Härtsfeld“.

Alexander Asbrock (Grüne) wittert eine Chance im Gesetzesdschungel, die den Unterkochenern doch noch ein Mitspracherecht einräumen könnte. Etwa wenn man die Trasse vom Wanderparkplatz bis zum Tunnel als Naturgut definieren würde. Dann könnte man eine Zuständigkeit des Ortschaftsrats ableiten. Stéphanie Rischar antwortet, dass es dafür laut Gemeindeordnung einer öffentlich-rechtliche Indienststellung bedürfe. Eine solche sei aber für diesen Weg noch nicht beschlossen.

Frank Sieber (Grüne) sagt: „Wir brauchen auf jeden Fall in Unterkochen eine alternative Radwegeverbindung zur Waldhäuser Straße, zum Schulzentrum hin. Das wäre wichtiger, als ein Radweg auf der Schättere.“

Die Empfehlung der Verkehrsschau

Die Schätteretrasse vom Pelzwasen bis zum Tunnel ist sechs Kilometer lang. Eine Potenzialanalyse des Ingenieurbüros VAR plus hat ergeben, dass die Strecke von rund 170 bis 260 Radfahrer am Tag genutzt werden könnte, wenn sie durchgängig befahrbar wäre.

Die Verkehrsschau hat bereits 2019 empfohlen, den Abschnitt zwischen dem Pelzwasen und dem Tunnel mit der Zusatzbeschilderung „Radverkehr frei“ zu versehen.

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