Scholz-Elektroschrott brennt

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Eine mehr als 100 Meter hohe schwarze Rauchsäule zog am Ostermontag um die Mittagszeit über den südlichen Stadtteil von Leipzig. Um 12.20 Uhr brach aus noch ungeklärter Ursache auf dem riesigen Schrott- und Recyclingplatz der Essinger Scholz Recycling AG & Co. KG und deren Tochtergesellschaft SRW metallfloat GmbH in Espenhain ein Großfeuer aus.

Elektroschrott stand auf einer Fläche von zehn mal zehn Metern in Flammen, berichtete Feuerwehr-einsatzleiter Stefan Bobilow. Verletzt worden sei niemand. Die Feuerwehr geht in einer ersten Einschätzung von Selbstentzündung aus. Insgesamt 35 Kameraden mit fünf Fahrzeugen waren bis gegen 17 Uhr im Einsatz. Als ob Oliver Scholz derzeit nicht genügend andere Probleme am Hals hat. Den Vorstandsvorsitzenden der sich in der entscheidenden Schlussphase im Sanierungsprozess befindlichen finanziell angeschlagenen Scholz Holding ereilte am Ostermontag die Schreckensmeldung, dass in seinem technologischen Vorzeigeprojekt in Espenhain "Feuer unterm Dach" ist. "Es steht ein Berg mit Computerschrott in Flammen", hatte Stefan Bobilow, der Leiter der Espenhainer Feuerwehr, dem Lokalredakteur Matthias Roth der Leipziger Volkszeitung mitgeteilt. Nach Angaben von Oliver Scholz, der sofort mit SRW-Geschäftsführer Volker Grunert in Kontakt getreten war, habe es keine Verletzten gegeben. Die knapp 300 Beschäftigten von Scholz in Espenhain hatten am Ostermontag frei. Freiwillige Helfer des Landkreises Leipzig waren den Nachmittag über mit zwei Messfahrzeugen unterwegs und überprüften, ob Anwohner durch den Rauch belastet seien. "Die Bevölkerung war zu keiner Zeit gesundheitlich gefährdet", konnte Oliver Scholz am Abend erleichtert mitteilen. Der Sachschaden am Elektronikschrott und an den Maschinen sei nicht nennenswert, sagte Scholz. Die Ermittlungen von Polizei und Feuerwehr nach der Brandursache dauerten am Montagabend noch an. Oliver Scholz und Volker Grunert gehen davon aus, dass der Schrott sich selbst entzündet hat. Das Scholz-Werk in Espenhain auf einer Fläche von 36 Hektar gilt als das weltweit innovativste Kompetenzzentrum für Recycling von Altfahrzeugen. Zu DDR-Zeiten war die Espenhainer Bevölkerung an dunkle Ruß- und Staubwolken, die vom Braunkohlen-Veredelungswerk Espenhain herüber waberten, gewohnt – dort wurden einst stinkende und giftige Öl-Ersatzstoffe produziert. Die Scholz-Gruppe investierte seit 2010 rund 30 Millionen Euro in Espenhain, darunter allein acht Millionen Euro in eine hochmoderne Kunststoffaufbereitungsanlage. Mit wissenschaftlicher Unterstützung durch die Uni Freiberg und den österreichischen Voestalpine-Konzern arbeitet Oliver Scholz daran, das Recyclinggeschäft technologisch, ökologisch und ökonomisch zu verfeinern, um neue Zugänge zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen zu eröffnen. "Fahrzeugrecycling ist entscheidend für Rohstoffsicherheit", sagt Oliver Scholz. Ein Fahrzeug bringe eine Tonne Sekundärrohstoffe wie legierte und unlegierte Stähle, Aluminium, Kupfer, Nickel, Kabeldrähte und Kunststoffe. Im Wiederverwertungsgeschäft mit Altfahrzeugen, das in der Scholz Gruppe mit der 100-Prozent-Tochter SRW metallfloat GmbH im Werk in Espenhain betrieben wird, werde eine Verwertungsquote von 95 Prozent erreicht. Espenhain sei damit der effizienteste Standort Europas zur Rückgewinnung von Rohstoffen aus Altfahrzeugen. So weit die Theorie: "Tatsächlich stehen wir aber auch in Espenhain unter wirtschaftlichem Druck", räumt Oliver Scholz ein. Im Herbst vergangenen Jahres war Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller beim Essinger Recyclingspezialisten zu Gast und informierte sich bei Oliver Scholz über die Hemmnisse in der Kreislaufwirtschaft und klagte: "Unsere Shredder-Anlage in Espenhain ist überdimensioniert, weil wir mit einem höheren Verwertungsanteil gerechnet haben." Nur knapp 30 Prozent der abgemeldeten Fahrzeuge würden in Europa jährlich dem Recycling-Prozess zugeführt, EU-weit würden aber pro Jahr zwischen vier und acht Millionen Autos zum Teil auf dunklen Kanälen in Richtung Osteuropa oder Afrika verschwinden. Dies seien illegale Exporte, weil die Altautos zersägt und dann wieder zusammengeschweißt würden. Die Forderung von Scholz an die Politik, die Altfahrzeugrichtlinien zu ändern, blieb bislang unerfüllt: "In dieser Beziehung muss man dicke Bretter bohren!"

Von Winfried Hofele

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