Radfahren auf der Schätteretrasse erneut Thema an diesem Montag

Selfies bei bei Schättere stören Brut

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Bis hierher und nicht weiter: Seit Kurzem ist der Maschinenweg oberhalb der Schätteretrasse für alle Waldbesucher gesperrt. Eine Maßnahme von Forst BW und dem Naturschutz, um die Brutstätten streng geschützter Vogelarten vor Störenfrieden zu schützen.
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Der von der Unterkochener Trasse abzweigende Maschinenweg ist seit Kurzem gesperrt. Die Unterkochener BI „Hände weg von der Schättere“ gießt erneut Öl ins Feuer.

Aalen-Unterkochen

Ein Verbotsschild, das allen Erholungssuchenden den weiteren Zutritt verwehrt, steht seit Kurzem mitten im Wald bei Unterkochen. Ein „Betretungsverbot vom 1. März bis 15. Juli“ hat Forst BW für den sogenannten Maschinenweg verhängt. Dabei handelt es sich um einen Waldweg, der von der Schätteretrasse ein gutes Stück vor dem Tunnel nach links in den Wald abzweigt und oberhalb des Tunnels in die Waldhäuser Steige mündet.

Was es damit auf sich hat: Von privater Seite, „aus den Reihen der Naturschützer“ sei in jüngster Vergangenheit beobachtet worden, dass einer der hoch aufragende Kalkfelsen bevölkert wurde, berichtet Forstdirektor Johann Reck auf Anfrage. Es seien wohl Jugendliche gewesen, die sich dort auf einem der Felsen getroffen haben – „wenn auch wohl nicht in böser Absicht“. Auch ein Foto von diesem vermeintlichen Hotspot von Selfies knipsenden Leuten existiere, selbst aber habe es Reck nicht gesehen.

Warum ein Betretungsverbot? Zu diesem Entschluss sei der Geschäftsbereich Naturschutz im Landratsamt gekommen, nach Abwägung der unterschiedlichen Interessen. Denn einerseits gelte nach dem Waldgesetz für den Wald ein allgemeines Betretungsrecht zum Zwecke der Erholung. Andererseits aber sei der Forst auch dem Artenschutz verpflichtet.

Was gibt es hier zu schützen? Laut Forstdirektor Reck haben wertvolle und schützenswerte Vogelarten wie Wanderfalke, Kolkrabe und Rotmilan ihre Brutstätten dort oben in den Kalkfelsen, zu denen auch der sogenannte Kanzelfels gehört. „Wenn die Vögel bei der Brut gestört werden, besteht die Gefahr, dass sie ihre Brut verlieren“, macht Reck deutlich. Die Stelle liege im Staatswald, die Sperrung sei in Abstimmung mit Forst BW und dem Naturschutz erfolgt. Die amtliche Sperrung werde durch den zuständigen Revierleiter kontrolliert.

Das sagen die Mountainbiker: Die in der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) Ostwürttemberg organisierten Biker signalisieren im sozialen Netz einerseits Verständnis für diese Schutzmaßnahme des Forsts. „Andererseits jedoch sind wir der Meinung, dass die Sperrung des gesamten Maschinenwegs nicht verhältnismäßig ist und somit einen erheblichen Eingriff in das Betretungsrecht des Waldes darstellt“, sagt der bei der DIMB engagierte Aalener Carsten Schymik. Dennoch bittet er stellvertretend für die DIMB, die temporäre Sperrung zu respektieren und die angebrachten Zäune nicht zu umgehen. Denn: „Wer zum Beispiel Greifvögel bei der Brut stört, begeht eine Straftat und muss mit einer Anzeige und empfindlichen Strafen rechnen.“ Deshalb sollte man, so rät Schymik, auf den Wegen bleiben und nur auf diejenigen Felsen klettern, die offiziell dafür freigegeben sind.

Es besteht sonst die Gefahr, dass die Vögel ihre Brut verlieren.“

Johann Reck, Forstdirektor

Warum BI-Mitglied Christa Klink „geschockt“ ist

Aalen. Mit den Hotspots an den Kalkfelsen am Maschinenweg sieht sich die Bürgerinitiative „Hände weg von der Schättere“ in ihrer Forderung bestätigt. „Da die Sperrung des Maschinenwegs zum Schutz der Vogelarten künftig länger als ein Dritteljahr erfolgen muss, muss eine Radverbindung über die Schätteretrasse aufs Härtsfeld definitiv ausscheiden“, fordert Christa Klink in einer Presseerklärung der BI. Ansonsten, so folgert sie, würden sich die Radfahrer auf der Schätteretrasse wie in einer Sackgasse bewegen müssen: bis zum Tunnel und dann zurück.

Schätteretrasse erneut Thema: In der Unterkochener Ortschaftsratssitzung an diesem Montag, ab 17.30 Uhr in der Festhalle Unterkochen, wird die Stadtverwaltung das Gremium in öffentlicher Sitzung über die rechtliche Lage informieren, die es aus Sicht der Stadt erlaubt, die Schätteretrasse als kombinierten Fuß- und Radweg auszuweisen. Dass der Bericht dem Unterkochener Ortschaftsrat nur zur Kenntnisnahme und nicht zur Entscheidung vorgelegt wird, darüber ist Christa Klink als BI-Vertreterin und als Gemeinderatsmitglied der Linken „geschockt“. „So stelle ich mir demokratische Kommunalpolitik nicht vor.“ Die Stadt stützt sich auf folgende Fakten:

Erst außerhalb von Schutzgebieten: Vom Pelzwasen bis etwa 60 Meter vor der Kreuzung mit dem Himmlinger Weg liege die Schätteretrasse außerhalb von artenschutzrechtlichen Schutzgebieten. Auch der Wanderparkplatz befinde sich außerhalb des Landschaftsschutzgebiets und außerhalb des FFH-Gebiets.

Dann innerhalb von Schutzgebieten: Nach dem Wanderparkplatz bis zur Mitte des Viadukts führe die Trasse sowohl durch Landschaftsschutz- als auch FFH-Gebiet. Doch bei den nötigen Eingriffen in Heidefläche oder Magerrasen handele es sich nur um wenige Quadratmeter. Die Naturschutzbehörde spricht von „tolerierbaren Bagatellgrenzen“. Geschützte Pflanzen müssten dokumentiert und fachlich begleitet umgesiedelt werden.

Rechtliche Prüfung: Laut Rechtsamt handelt es sich bei den ersten 75 Metern nach dem Wanderparkplatz um einen „beschränkt öffentlichen Weg“, der mit dem Schild „Radverkehr frei“ ergänzt werden könne. Im Anschluss, Richtung Tunnel, sei der Weg im Sinne des Landesgesetzes als „Waldweg“ zu werten. „Damit ist Radfahren auf dem Weg, der die per Gesetz erforderliche Mindestbreite von zwei Metern erfüllt, zulässig“, so die Stadt. UW

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