Sieben Bewerbungen für den OB-Sessel

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Der Wahlkampf um den Sessel der Chefin oder des Chefs im Aalener Rathaus geht in die heiße Phase. Die Bewerberin und Bewerber zur OB-Wahl in Aalen im Uhrzeigersinn von rechts oben nach links oben sind aktuell: Frederick Brütting, Ronny Enßlin, Marcus Waidmann, Stefan Schmidt, Albert Seitzer, Matthias Müller und Catherine Rommel. Ob es dabei bleibt, wird am Mittwoch, 9. Juni, der Gemeindewahlausschuss der Stadt Aalen entscheiden. Archivfotos: opo / sdz; Grafik: BO
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Ende der Bewerbungsfrist: Am Mittwoch, 9. Juni, wird der Gemeindewahlausschuss entscheiden, wer als künftiger oder künftige OB der Stadt Aalen kandidieren darf.

Aalen

Die heiße Phase um die Wahl des neuen Oberbürgermeisters oder der neuen Oberbürgermeisterin von Aalen hat begonnen. Am Sonntag, 4. Juli, wird die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Oberbürgermeister Thilo Rentschler gewählt. An diesem Montag, 7. Juni, um 18 Uhr war Bewerbungsschluss. Es ist keine weitere Bewerbung eingegangen, erklärte am Montagabend die städtische Pressesprecherin Karin Haisch auf Anfrage der Redaktion.

Allerdings heißt dies nicht, dass tatsächlich keine weitere Bewerbung kurz vor Fristende im Aalener Rathaus eintraf. „Wir geben bis zur Sitzung des Gemeindewahlausschusses am Mittwoch, 9. Juni, um 9.30 Uhr nur die Bewerberinnen und Bewerber bekannt, die uns dazu ihr Einverständnis erklärt haben, sagt Haisch.

Die Bewerberin und Bewerber: Sieben Bewerbungen sind also bislang bekannt. Das sind in alphabetischer Reihenfolge:

Frederick Brütting (37) gab seine Bewerbung als erster aller Kandidaten ab. Er ist seit 2011 Bürgermeister in Heubach. „Ich bin SPD-Mitglied, aber für meine Bewerbung gab es keine Nominierung von der SPD“, sagt Brütting. „Ich freue mich über Unterstützung aus dem Aalener Gemeinderat“, erklärt er weiter. „Aber ich bewerbe mich, wie bisher in Heubach, auch in Aalen als unabhängiger Kandidat. Im Falle meiner Wahl möchte ich OB für alle sein“, betont Brütting.

Ronny Enßlin (46) arbeitet bei der Caritas und kümmert sich um Haushaltsauflösungen.

Matthias Müller (54) ist Angestellter beim Gemeindevollzugsdienst in Aalen.

Catherine Rommel (56) ist mit einer eigenen Firma als Kommunalberaterin für Städte, Gemeinden und Landkreise tätig. „Sie ist CDU-Mitglied, ihre Bewerbung unterstützen sowohl die CDU-Gemeinderatsfraktion als auch der CDU-Stadtverband“, erklärt Heike Brucker, Pressesprecherin von Rommel. Im Frühjahr habe Catherine Rommel zudem kurzfristig eine Nebentätigkeit als Geschäftsführerin des CDU-Kreisverbands Konstanz in Singen ausgeübt, bestätigt Brucker.

Stefan Schmidt (54) ist Gastronom und bekannt als Kritiker der Corona-Maßnahmen.

Albert Seitzer (67) ist pensionierter Schulrat.

Marcus Waidmann (54) ist Stadtrat der AfD-Fraktion in Aalen und selbstständig.

Der Gemeindewahlausschuss: Das Gremium beschließt über die Zulassung der Bewerbungen. Es lässt eine Bewerbung zu, wenn sie allen erforderlichen Anforderungen entspricht (zum Beispiel Form, Frist, die erforderliche Zahl von 100 Unterstützungsunterschriften). Sonst wird die Bewerbung zurückgewiesen.

Wen Bündnis 90/Die Grünen unterstützen: Seine Fraktion habe auch kurzfristig keine eigene Bewerberin oder keinen eigenen Bewerber nominiert, sagte am Montag der Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Aalener Gemeinderat, Michael Fleischer. „Wir schauen uns Mitte der Woche das Bewerbertableau an“, anschließend werde es eine Erklärung geben.

Eine öffentliche Bewerbervorstellung ist – vorbehaltlich der aktuellen Corona-Situation – am Dienstag, 22. Juni, um 19 Uhr in der Stadthalle Aalen geplant.

Die Wahl: Termin für die OB-Wahl ist am Sonntag, 4. Juli. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhalten hat.

Wann eine Neuwahl nötig wird: Entfällt auf keinen Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, findet eine Neuwahl statt: am Sonntag, 25. Juli. Für die Neuwahl gelten die Grundsätze der ersten Wahl; allerdings entscheidet die höchste Stimmenzahl. Das bedeutet: Die Gewinnerin oder der Gewinner braucht nicht mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen – wer die meisten Stimmen hat, wird OB.

Vorstellung der Bewerberin und Bewerber ist am 22. Juni.“

Karin Haisch, Pressesprecherin der Stadt Aalen

OB-Wahl in Aalen sorgt überregional für Interesse

Die Bewerbung von CDU-Mitglied Catherine Rommel als Oberbürgermeisterin von Aalen hat jetzt überregional für Schlagzeilen gesorgt. „Der Geist von Erwin Rommel in Aalen“ titelt die Frankfurter Allgemeine (F.A.Z.) aktuell an diesem Montag. Und weiter: „Kritische Erinnerung. In Aalen wird über Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel und das Gedenken an ihn diskutiert – auch weil dessen Enkelin Oberbürgermeisterin werden will.“

Die überregionale Tageszeitung F.A.Z. beschreibt in ihrem ausführlichen Beitrag die aktuellen Ereignisse in Aalen als „einen ungewöhnlichen Wahlkampf“, der von Überraschungen geprägt sei. Überraschung Nummer eins: OB Thilo Rentschler steht für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung, weil er Geschäftsführer der IHK Ostwürttemberg wird. Überraschung Nummer zwei: CDU-Gemeinderätin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Inge Birkhold habe sich zwar zuerst als OB-Kandidatin beworben. CDU und Grüne hätten sich auf diese gemeinsame Kandidatin geeinigt. Die „schwarz-grüne Kandidatin“ habe ihre Bewerbung aber dann mit der Begründung zurückgezogen, „gewisse einflussreiche Kreise in Aalen“ wollten nicht, dass sie kandidiere. Weiter schlussfolgert der F.A.Z.-Redakteur: Ein CDU-Stadtrat habe nach dem Streit die Fraktion verlassen – „und die CDU präsentierte Catherine Rommel als Überraschungskandidatin“.

Zwar versuche Catherine Rommel, vom großen Nachruhm ihres verstorbenen Adoptivvaters Manfred Rommel zu profitieren, der von 1974 bis 1996 OB von Stuttgart war. Aber, so die F.A.Z. weiter, die Erinnerung an Großvater Erwin Rommel, Hitlers „Lieblingsgeneral“, sorge in Ostwürttemberg immer noch für geschichtspolitische Kontroversen. cow

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