653 Kilometer auf dem Olavsweg

  • Weitere
    schließen
+
Karge Landschaften, wie sie ihm in Norwegen begegnen werden, sind Hans-Peter Weber nicht fremd. Auch diesmal wird ihn der prägnante Wildlederhut wieder vor Sonne und Regen schützen. Das Geschenk eines Farmers in Südafrika.
  • schließen

Der frühere VR-Bank-Chef Hans-Peter Weber hat seinen Rucksack wieder gepackt. Wohin er an diesem Samstag startet. Und welches Ziel er nach 32 Tagen Fußmarsch hat.

Aalen

Erst die Alpenquerung vor zwei Jahren – 475 Kilometer zu Fuß bis an die Adria. Jetzt nimmt Hans-Peter Weber erneut Reißaus auf Schusters Rappen. Der ehemalige Vorstandschef der VR-Bank Ostalb ist mit seinen 66 Jahren im "Unruhestand" angekommen.

Es kribbelt wieder in seinen Beinen. Nach einem Jahr Planung und einer einzigen Nacht in einem bequemen Hotelbett in Oslo wird er an diesem Sonntagmorgen seinen 10 Kilo schweren Rucksack aufschnallen, seine Wanderstöcke greifen und losmarschieren. Mitten aus der Hauptstadt Norwegens heraus, am Königsschloss vorbei wird ihn der Olavsweg führen; nach 32 wackeren Tagesetappen in traumhafter Natur, nach insgesamt 653 Kilometern zu Fuß und 15 000 überwundenen Höhenmetern will der gläubige Wandersmann am Mittwoch, 26. August, den Nidarosdom in Trondheim erreichen. Es ist das große Ziel des norwegischen Pilgerwegs, auch Olavsweg genannt. Einer der ältesten Pilgerwege weltweit.

Jakobsweg keine Alternative

An diesem Samstag in aller Herrgottsfrüh wird sich Hans-Peter Weber von seiner Frau Marianne zum Ellwanger Bahnhof chauffieren lassen, um sich dort um 7 Uhr in den Zug zum Frankfurter Flughafen zu setzen. Über einen Monat lang wird der Pilger dann nur mit Kurznachrichten via WhatsApp mit seiner Frau kommunizieren – sofern er denn Empfang hat in der nordischen kargen und rauen Wildnis. In der es wahrscheinlicher ist, einem Elch oder Moschusochsen zu begegnen, als einem anderen Wanderer.

Doch gerade diese Einsamkeit sucht der einstige Bauernbub vom Borsthof. Und darum ist der Jakobsweg für ihn auch keine Alternative. Im vergangenen Jahr hat er gemeinsam mit seiner Frau im Campingbus die Nordwestküste Spaniens bereist und "sehr viele Jakobspilger" gesehen. "Dort ist mir zu viel los", stellt der 66-Jährige fest, der aufbricht, um die Natur um sich herum möglichst ungestört zu riechen, zu fühlen und zu hören. Der sich auf eine traumhafte Strecke freut, durch einsame Wälder, entlang herrlich klarer Flüsse und Seen, über pittoreske Berglandschaften und vorbei an mittelalterlichen, hölzernen Stabkirchen am Wegesrand.

Warum die Regenhose da bleibt

Zwischen 13 und 28 Kilometer lang sind die Tagesetappen zu Fuß. Einen ganzen Monat lang. "Das durchzuhalten und jeden Morgen wieder loszumarschieren ist die eigentliche Herausforderung", sagt Hans-Peter Weber. Von seiner Alpenüberquerung her weiß er: "Irgendwann wird er wieder kommen, der kleine Durchhänger." Aber sein Wille durchzuhalten wird stärker sein. Weil er auch das gute Gefühl kennt von der unsichtbaren Hand, die später, nach all den überstandenen Strapazen, nach all dem Schweiß und Verzicht, auf seine Schulter klopfen und sagen wird: "Das war schon gut."

Jeden Morgen wieder losmarschieren, ist die eigentliche Herausforderung.

Hans-Peter Weber ehemals VR-Bank-Chef und Pilger auf dem Olavsweg

Und noch etwas ganz Profanes hat der Pilger gelernt von seiner Alpenüberquerung: "Ich lasse diesmal die Regenhose da. Weil ich zu der Erkenntnis gekommen bin, dass man am Ende eines jeden Tages nass ist: entweder vom Regen, oder vom Schweiß."

Auf Schlafsack und Isomatte aber will er nicht verzichten. Für alle Fälle. Falls er mal unter freiem Sternenhimmel übernachten muss, weil er das Matratzenlager in der nächste Hütte nicht mehrvor Sonnenuntergang erreicht hat. "Der Verzicht, der gehört dazu", nickt der Wandersmann. "Aber ich bin ziemlich anspruchslos und habe eine robuste Gesundheit." Genügend zu trinken sei das Wichtigste. "Geh nie an einem fließenden Wasser vorbei, ohne Deine Flasche zu füllen!"

Ein paar "Vater unser"

Obwohl Hans-Peter Weber unterwegs sicher ein paarmal ein "Vater unser" beten wird, wie er sagt, versteht er die Wanderung nicht als persönliche Pilgerreise. Vielmehr als eine Achtsamkeitsübung. "Durch den Verzicht und den Blick aufs Wesentliche lernt man die Natur, die Menschen und die alltäglichen Dinge wieder ganz neu zu schätzen."

Welches Ritual ihn wohl zum Durchhalten motivieren wird? Hans-Peter Weber lacht. "Frühmorgens aufstehen. Und sich frohgemut auf den Weg machen."

In den kommenden Wochen finden Sie in der digitalen und gedruckten SchwäPo immer wieder mal frische Infos und schöne Schnappschüsse von Hans-Peter Webers Wanderung auf dem Olavsweg.

Warum der Nidarosdom eine Pilgerstätte ist

Der Olavsweg ist der bekannteste Pilgerweg im hohen Norden und gilt als einsamster aller Pilgerpfade. Die Variante Oslo-Trondheim wurde 1997 als Fernwanderweg wiedereröffnet, 2010 zum europäischen Kulturweg deklariert und hat sich als offizieller Olavsweg etabliert.

Der Nidarosdom mit dem Grab Olavs des Heiligen steht mitten in Trondheim und ist die nördlichst gelegene gotische Kathedrale der Welt. Sie ist auch Pilgerstätte, Krönungs- und Segnungskirche norwegischer Könige. König Olav II. Haraldsson, der Heilige Olav, versuchte, unter christlicher Führung das Land der Wikinger zu vereinen. 1030 fiel er in der Schlacht bei Stiklestad. Sein Leichnam wurde nach Trondheim überführt. Bereits ein Jahr nach seinem Tod wurde König Olav II. heilig gesprochen.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL