„Aalen muss endlich Erinnerung schaffen“

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Stolperstein für Johannes Schneider in der Beinstraße 22.

In der Stadtkirche wird Sonntag den Opfern des KZ Wasseralfingen gedacht.

Aalen.  „Der 27. Januar – der Holocaust-Gedenktag -  ist dieses Jahr coronabedingt der 8. Mai, da werden wir an die Opfer des Holocaust und speziell an das Wasseralfingen Konzentrationslager erinnern“, sagt Pfarrer Bernhard Richter.  Dies wird mit der Veranstaltung „Alica Tampa 23“ am kommenden Sonntag um 18 Uhr in der Aalener Stadtkirche geschehen. Veranstalter sind die Evangelische Kirchengemeinde, „Gegen Vergessen – Für Demokratie Ostwürttemberg“ und das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“.  

„In Aalen muss eine Erinnerungskultur an dieses KZ in Wasseralfingen geschaffen werden, wir müssen uns diesem Thema stellen“, betonte Richter.

Rüdiger Walter von der Arbeitsgruppe „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ ergänzte: „Bisher hat man in Aalen das Thema verdrängt, die Erinnerung sorgsam vergraben, wir wollen jetzt das Thema wieder in Erinnerung rufen.“ Er beschrieb, wie der ehemalige Stadtarchivar Karl-Heinz Bauer 1984 nach seinen Veröffentlichungen über das KZ angefeindet wurde, wie er desillusioniert weitere Nachforschungen unterließ und nach seiner Zeit von offizieller Seite – sprich der Stadtverwaltung - nichts in diese Richtung unternommen wurde. Er selbst habe mit Gleichgesinnten jetzt zwei Jahre geforscht und Unmengen an Material, unter anderem komplette Namenslisten, Akten und Briefe „ausgegraben“.

In der Veranstaltung am kommenden Sonntag wird anhand des Schicksals einer 14-köpfigen Warschauer Hausgemeinschaft aus der „Alica Tampa 23“ an das Geschehen erinnert. Denn sieben dieser Männer kamen Mitte September 1944 über das KZ Dachau in das kurz zuvor neu eröffnete KZ Wasseralfingen, einem Außenlager des KZs Satzweiser im Elsass. Sie gruben im Braunenberg Stollen für Alfing Kessler, nur drei von ihnen überlebten.  Bis zu Auflösung waren hier rund 400 Zwangsarbeiter untergebracht, von denen sicher mindestens 50 hier auch zu Tode kamen, teils wegen Entkräftung,  einige zu Tode geprügelt. Über 100 starben in sogenannten „Sterbelagern“ beispielsweise in Vaihingen. Im ersten Teil der Veranstaltung am Sonntag wird  das Geschehen von ihrer Verhaftung am 6. und 7. September in Warschau und den Transport nach Dachau, der weitere Teil über ihre Arbeit  und Leben in Wasseralfingen. Schauspielerin Alice Schmidt, Michael Pfitzner und H. Soli lesen berichte, Briefe und Dokumente, unter anderem eine Original-Zeugenaussage. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Pianisten Heinz-Roman Ketterer.

„Aalen hat es lange versäumt, an das Geschehen zu erinnern, Nachforschungen zu unterstützen, so wie andere Außenlager im Land“, bedauert Walter. „Es muss endlich dieses Geschehens gedacht werden, möglichst mit einer Gedenkstätte“, fordern er und Richter unisono.

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