Aalener Chefarzt: Luftfilter gehören in jedes Klassenzimmer

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Reicht Lüften aus oder braucht es mobile Luftfilter?
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Anders als der Gemeinderat hält Prof. Dr. Michael Oberst den Einsatz mobiler Luftfilter in allen Klassenzimmern für sinnvoll.

Aalen. Nachdem Schülerinnen und Schüler coronabedingt monatelang von zu Hause aus lernen mussten, entbrannte auch im Aalener Gemeinderat eine Diskussion über die Anschaffung von Luftfiltern in Klassenzimmern. Das Ergebnis der Debatte: Die mobilen Luftreiniger sollen nur für jene Räume angeschafft werden, in der keine „optimale Lüftung“ gewährleistet werden kann. Ein Experte erläutert nun, weshalbdiese Denkweise womöglich zu kurz gegriffen ist.

Professor Dr. Michael Oberst, Chefarzt am Aalener Ostalb-Klinikum, ist einer von drei Autoren, die im vergangenen Juni eine wissenschaftliche Arbeit zur Wirkung mobiler Luftfilter in Räumen veröffentlichten. Dabei wurde über drei Monate hinweg untersucht, inwiefern sich die Luftfilter konkret auf die Aerosolbelastung auswirken.

Auch wenn in der Veröffentlichung Großräume untersucht wurden, stellt Oberst klar: „Die Größe des Raums ist vollkommen irrelevant.“ Viel mehr komme es darauf an, dass der Luftfilter eine entsprechende Kapazität und Stärke entsprechend des Raumvolumens habe.

Das bedeutet, so Oberst: Damit ein Zimmer wirksam gereinigt werden kann, muss der Luftaustausch dem sechsfachen Raumvolumen pro Stunde entsprechen.

Luftfilter sind effektiver

Die Studie zeigte: Beim Lüften sinkt die Aerosolbelastung zwar, stagniert jedoch nach einem gewissen Zeitpunkt. Anders bei dem Versuch mit dem Luftfilter: Hierbei unterschreitet die Belastung sogar den Ausgangswert nach einer gewissen Zeit.

Aber was sind Aerosole eigentlich? „Das sind viele Millionen Luftschwebeteilchen, das können auch Feinstaub oder Pollen sein“, erläutert der Professor. Beim Thema Aerosole geht es also nicht nur um Viren.

Zu Luftfiltern in Schulen hat Oberst eine klare Ansicht. „Diese Dinger gehören in jedes Klassenzimmer“, betont er. Denn: „Das Lüften verdünnt die Konzentration nur.“ Durch den Einsatz von Luftfiltern können sie dagegen eliminiert werden.

Auch langfristig sei die Anschaffung von Luftfiltern eine wertvolle Investition. „Lüften ist ja schön, aber wenn man zwei Allergiker in der Klasse hat, haben diese stark zu kämpfen.“

Nicht nur deshalb hält er die Anschaffung mobiler Luftfilter in Klassenräumen für sinnvoll. „Das Coronavirus wird uns langfristig beschäftigen, genauso wie die Grippe“, erläutert Oberst. „Wir haben die Patienten hier in der Sprechstunde, wir haben sie auf der Intensivstation.“

Ab September gilt wieder Präsenzpflicht

Nichtsdestotrotz hat das Land Baden-Württemberg beschlossen, dass mit dem Start zum neuen Schuljahr an Schulen grundsätzlich wieder Präsenzpflicht besteht. „Schülerinnen und Schüler können in begründeten Ausnahmefällen auf Antrag von der Pflicht zum Besuch des Präsenzunterrichts befreit werden“, heißt es auf der Internetseite des Kultusministeriums.

Voraussetzung dafür sei eine ärztliche Bescheinigung, die nachweist, dass für sie oder Personen, mit denen sie zusammenleben, das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besteht.

Die Möglichkeit, freiwillig am Fernunterricht teilnehmen zu können, entfällt damit im kommenden Schuljahr.

Den gesamten wissenschaftlichen Artikel gibt es hier.

  • Was sind Aerosole und wie verbreiten sie Krankheiten?
  • Aerosole sind, so das Umweltbundesamt, Mischungen von festen oder flüssigen Partikeln in einem Gas oder Gasgeschmisch, also etwa Luft. Sie haben einen Durchmesser von etwa einem Nanometer bis zu mehreren 100 Mikrometern. Sie können auch Bakterien und Viren enthalten.
  • Coronaviren selbst haben einen Durchmesser von 0,12–0,16 Mikrometern, werden aber in der Regel als Bestandteil größerer Partikel ausgeschieden.
  • Jeder Mensch verbreitet beim Ausatmen, Sprechen, Singen oder Husten eine Reihe von Gasen. Befinden sich Krankheitserreger in den Atemwegen, entstehen Aerosole, die diese Erreger enthalten können.

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