Aalener Eltern sammeln Unterschriften für Luftfilter in Klassenzimmern

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Ein Einwohnerantrag zu Luftfiltern in Schulen
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Wenn sich 1500 Menschen am Einwohnerantrag beteiligen, muss der Gemeinderat das Thema noch einmal behandeln. So kann man mitmachen.

Aalen

Enttäuscht waren manche Eltern vom Ergebnis der Sondersitzung des Aalener Gemeinderats. Anfang August hatte das Gremium mit knapper Mehrheit abgelehnt, Luftfilter für sämtliche Klassenzimmer anzuschaffen. Mehrere Eltern haben sich nun zusammengetan, um einen sogenannten Einwohnerantrag auf den Weg zu bringen. Kommen dabei 1500 Unterschriften zusammen, muss der Oberbürgermeister den Antrag auf die Tagesordnung des Gemeinderats nehmen. Die Eltern wünschen sich, dass die Stadt 524 mobile Luftfiltergeräte kauft. Damit können der Initiative zufolge alle Klassenzimmer mit einem Gerät ausgestattet werden, die bisher noch keines haben, und zwar an allen 21 Aalener Schulen. Zusätzlich schlägt die Initiative vor, transparente Trennwände zwischen den Sitznachbarn aufzustellen. Geschätzte Kosten für Luftfilter und Trennwände für alle Klassenzimmer an allen Aalener Schulen: rund 1,5 Millionen Euro.

Die Kosten: Ein Vater, der sich in der Elterninitiative engagiert, ist Norbert Schinko. Er erläutert genauer, wie die Initiative auf die Kosten von 1,5 Millionen Euro kommt. Eine Mutter habe verschiedene Angebote eingeholt. 2050 Euro kostet dieser Recherche zufolge ein mobiles Luftfiltergerät einer bestimmten Firma. Damit ergeben sich bei 524 Stück Kosten von rund 1,07 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung war dagegen von rund 3,5 Millionen Euro für die Luftfilter ausgegangen. So geht es aus der Vorlage zur Sondersitzung Anfang August hervor. Für transparente Trennwände mit umlaufenden Aerosol-Schutzkanten zum zusätzlichen Schutz zwischen den Sitznachbarn rechnet die Initiative mit 400000 Euro. Auch dazu liege ein Angebot derselben Firma vor. Außerdem besteht laut Schinko die Aussicht, dass die Stadt Aalen einen Teil der Kosten in Form von Fördergeldern erstattet bekommt.

Der Schutz: Davon, dass das Geld gut investiert wäre, ist Schinko überzeugt. Er zitiert zwei verschiedene Modellversuche denen zufolge die mobilen Luftfiltergeräte einen wirksamen Schutz vor einer Corona-Infektion bieten. Das Fraunhofer Institut kommt zum Ergebnis, dass Luftfilter in Kombination mit Stoßlüften die Infektionswahrscheinlichkeit um 93 Prozent reduziert. Die Universität Stuttgart hält fest, dass Luftfilter in Kombination mit Stoßlüften einen ähnlich wirksamen Schutz bieten wie das Maskentragen.

Die Sondersitzung: Letztere Untersuchung war auch Teil der Sitzungsunterlagen für die Gemeinderäte und wurde in der Sitzung mit einer Grafik an die Wand projiziert. "Es ist schade, dass trotz eindeutiger Studien, leider von einer knappen Mehrheit im Gemeinderat ignoriert wurde, dass Luftfilter eine entscheidend positive Wirkung haben", sagt Schinko. Er bedauert außerdem, dass die Rätinnen und Räte nicht neutral informiert worden seien. Stattdessen habe sie die Verwaltung mit Informationen vom Gemeindetag versorgt.

Luftfilter als ein Baustein: Die Elterninitiative setzt nicht allein auf die Luftfilter in den Klassenzimmern, um dort eine Ansteckung mit dem Corona-Virus zu verhindern, sondern sieht sie als einen Baustein, zusätzlich zu den Maßnahmen, die ohnehin schon gelten, wie zum Beispiel regelmäßige Tests. "Mit den Luftfiltern kann der Unterricht entspannter laufen", ist sich Schinko sicher. Er fügt an: "Luftfilter bieten Sicherheit." Damit meint er eine gewisse Sicherheit für die Gesundheit aber auch für den Kopf.

Das Ziel: "Wir wollen verhindern, dass die Schulen schließen müssen", sagt der Vater. Er und die anderen Eltern wünschen sich, dass die Kinder dort soziale Kontakte pflegen können, dass sie weiterhin in Präsenz lernen können, keine Lernlücken entstehen und die Familien nicht mit Fernunterricht belastet werden. Dazu versucht die Initiative bis zum 19. September die 1500 Unterschriften zu sammeln. "Der Rücklauf ist noch moderat", sagt Schinko. Er führt das auf die Ferienzeit zurück und hofft, dass Anfang weitere Unterschriften zusammenkommen, weil dann viele Familien wieder aus dem Urlaub zurück seien.

Die Unterstützer: Viele Unterstützer haben die Eltern bereits gefunden, darunter der Gesamtelternbeirat und der Kreisfrauenrat. Die Initiative ist außerdem auf alle Fraktionen im Gemeinderat zugegangnen. "Positive Rückmeldung gab es von den Grünen und von der FDI", sagt Schinko. Die anderen Fraktionen hätten sich bisher noch nicht gemeldet.

Mitmachen: Auf der Internetseite der Elterninitiative www.luftfilter-schulen-aalen.de kann man sich das Formular herunterladen und ausdrucken. Nach dem Ausfüllen und Unterschreiben muss es im Original einer der Vertrauenspersonen übergeben werden. Die Eltern haben dazu einen Abholservice organisiert, der unter der Nummer 01629624274 zu erreichen ist. Per Anruf, SMS oder WhatsApp kann durchgegeben werden, wo die Elterninitiative die Unterschriftenliste abholen kann. Mitmachen kann, wer mindestens 16 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten in Aalen wohnt.

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