Aalener Katholiken feiern ein Fest der Freude mit offenen Worten

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Jubiläumsgottesdienst in der Salvatorkirche. Die Katholiken feiern 150 Jahre katholische Kirche in Aalen mit Domkapitular Heinz-Detlef Stäps.
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Mehr als 500 Gläubige feiern in einem eindrucksvollen Gottesdienst 150 Jahre katholische Kirche in Aalen. Was Domkapitular Heinz-Detlef Stäps kritisiert.

Aalen

Festliche Chormusik, herrlicher Blumenschmuck ein feierlicher Gottesdienst mit Domkapitular Dr. Heinz-Detlef Stäps in der Salvatorkirche mit mehr als 500 Gläubigen und Grußworte von Oberbürgermeister Frederick Brütting und dem evangelischen Dekan Ralf Drescher – die Aalener Katholiken feiern 150 Jahre katholische Kirche in der Kocherstadt. Ein Freudentag, bei dem Domkapitular Stäps in seiner Predigt die Aalener Seelsorgeeinheit lobt, allerdings auch deutliche Worte findet zur Situation der katholischen Kirche.

Ein beeindruckendes Bild: 40 Ministrantinnen und Ministranten aus den Gemeinden der Aalener Seelsorge ziehen ein mit Domkapitular Monsignore Stäps und Pfarrer Wolfgang Sedlmeier, begleitet von neun Konzelebranten, unter ihnen auch ehemalige Aalener Pfarrer.

Zeit des politischen Umbruchs

„Wir feiern am Christkönigssonntag 150 Jahre katholische Kirche in Aalen“, sagt eingangs Heinz-Detlef Stäps. Der Domkapitular erinnert an Papst Pius XI., der das vergleichsweise junge Hochfest von der Königsherrschaft Jesu 1925 – einer Zeit des politischen Umbruchs – eingeführt hat. Stäps spannt den Bogen zu Jesu, der am Kreuz verspottet wurde. Er nennt ihn den „König der Herzen“. „Sein Reich ist der Glaube der Menschen“, stellt Stäps fest.

Unfähigkeit und Krise

Der Domkapitular stellt aber auch einen Zusammenhang vom Gekreuzigten zur aktuellen Situation her. „Wir sind nicht unschuldig“, stellt er fest und spricht von der Unfähigkeit, die kirchliche Krise zu bewältigen, davon, dass sich die Kirche zurzeit nur um sich selbst kreise. Ob er damit auf synodalen Weg und den Vatikan, der gerade jetzt seine kritische Haltung gegenüber dem Reformprozess innerhalb der deutschen katholischen Kirche bekräftigt hat, anspielt, fasst Stäps nicht in konkrete Worte.

Doch sein Credo ist deutlich: „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, um Relevanz zu haben“, sagt er. Denn eine Kirche, die den Menschen nicht nutze, sei eine nutzlose Kirche, macht Stäps deutlich und zieht eine Parallele zur Gründerzeit des 19. Jahrhunderts – also vor 150 Jahren, als man die Kräfte habe bündeln müssen, um in die Gesellschaft hineinzuwirken. „Auf diese Werte müssen wir uns heute besinnen.“

Es sei wichtiges Engagement vorhanden. Dieses sei deutlich in der Aalener Gesamtkirchengemeinde erkennbar. Stäps nennt unter anderem die Nachbarschaftshilfe, die Kinderbetreuung und ökumenische Einrichtungen wie die Aalener Tafel. „Ich bin dankbar, dass sich hier Menschen für andere einsetzen."

In seiner Predigt spart Stäps die aktuellen Krisen, Gewalt und Verfolgung nicht aus. „Was uns als Kirche auszeichnet ist, dass wir nicht verzweifeln müssen, sondern auf Gott vertrauen“, macht der Theologe Hoffnung.

Der OB und die Kirchengeschichte

OB Frederick Brütting skizziert die Geschichte der Katholiken in Aalen und stellt in seinem Grußwort deren Bedeutung für die bürgerliche Gemeinde heraus. „Es tut gut, dass wir Sie haben“, sagt er mit Blick auf die karitativen Einrichtungen, die Seelsorge und die Nächstenliebe. Das Stadtoberhaupt erinnert daran, dass im 19. Jahrhundert aus einer "kleinen Community", die stark vom Zuzug geprägt gewesen sei, über die Jahre schließlich 1872 mit St. Maria eine eigenständige Kirchengemeinde im überwiegend evangelischen Aalen entstanden sei.

Drescher und ein gemeinsamer Auftrag

Dekan Ralf Drescher nimmt unter anderem, die Ökumene, das Verbindende in „rauen Zeiten“ in den Fokus, wie gemeinsame Gottesdienste, Bibelwochen und Friedensgebete. Drescher spart die sich reduzierende Zahl der Kirchenmitglieder nicht aus. "Das kann man bejammern, man kann aber auch einfach die Segel neu setzen." Man könne in die Mitte der Gesellschaft hinein wirken - mit gesellschaftsdiakonischem und karitativem Engagement und falls nötig auch mit politischen Statements. "Das ist unser gemeinsamer Auftrag, das verbindet uns in der Tiefe", sagt der evangelische Dekan.

Grußbotschaft vom Ostalbdekan verlesen

Gewählter Vorsitzender des Gesamtkirchengemeinderats, Roland Steinert, verlas Grußbotschaften. Unter anderem die des terminlich verhinderten Dekans Robert Kloker. Der katholische Ostalbdekan attestierte der mit 13.000 Katholiken größten Seelsorgeeinheit im Dekanat "gut etabliert" zu sein. "Ein Jubiläum ist auch immer ein Anlass für eine Standortanalyse", so Kloker. In Zeiten von knappen finanziellen Ressourcen, Krisen und innerkirchlichen Problemen stelle sich die Frage nach den Zeichen der Zeit und wie diese im Lichte des Evangeliums zu deuten seien. Er hoffe, dass man in Aalen auch in Zukunft den guten Weg weiterführen werde. Neben Kloker hatten unter anderem auch die Pfarrer Martin Dörflinger, Hans Stehle, Günter Freybler, Pater Methew, Klaus Alender, Hans-Jörg Mangold sowie Dekan a.D. Dr. Pius Angstenberger eine Nachricht formuliert.

Den Jubiläumsgottesdienst haben 100 Sängerinnen und Sänger aus vier Kirchenchören der Seelsorgeeinheit mit ihren Dirigenten Ralph Häcker und Hans-Peter Haas musikalisch umrahmt. Organist war Konrad Bader.

Dem Gottesdienst schloss sich ein lockerer Stehempfang mit vielen Gästen und guten Gesprächen im Salvatorheim an.

Die neun Konzelebranten

Mit Pfarrer Wolfgang Sedlmeier und Domkapitular Monsignore Dr. Heinz-Detlef Stäps haben die Liturgie folgende Pfarrer gestaltet: Pfarrer i.R. Martin Stöffelmaier, Dekan a. D. Gerhard Nisch, Pfarrer Vilim Koretic, Pfarrer Dominique Amon Nindjin, Pfarrer José Mukendi Sambay, Pfarrer i.R. Anton Forner, Pfarrer i.R. Hermann Knoblauch,  Pfarrer i.R. Sigbert Bauman sowie Pfarrer i.R. Franz Maywurm.

Sängerinnen und Sänger von vier katholischen Kirchenchören haben unter der Leitung von Konrad Bader (im Bild) und Ralph Häcker unter anderem die Messe brève no. 6 aux cathédrales von Charles Gounod gesungen.
Eucharistiefeier beim Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche.
Domkapitular Dr. Heinz-Detlef Stäps während der Eucharistiefeier
Der Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche war gut besucht.
Die Minis auf dem Weg zur Salvatorkirche. Dort feiern die Katholiken 150 Jahre katholische Kirche in Aalen.
Heinz-Detlef Stäpst fordert, die katholische Kirche müsse ihre Hausaufgaben machen.
Die Ministranten ziehen in die Salvatorkirche zum Festgottesdienst ein.
OB Frederick Brütting beim Grußwort
Der gewählte Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats Roland Steinert
Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche.
Einzug zum Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche
Der evangelische Dekan Ralf Drescher
Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche. Den zelebriert Domkapitular Dr. Heinz-Detlef Stäps.
Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche. Die katholische Kirche feiert ihr 150jährigen Bestehen in Aalen.
Jubiläumsgottestdienst in der Salvatorkirche. Die katholische Kirche feiert ihr 150jährigen Bestehen in Aalen.

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