Aalener Katholiken skizzieren ihre Visionen für ihre Kirche

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Ein modernes Gottesdienstformat ist „song4u“. Ein Mal im Monat feiern junge und jung gebliebene christen gemeinsam in der Augustinuskirche einen Gottesdienst, bei dem ein Hit im Fokus steht.
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Bei der virtuellen „Werkstatt Kirche“ erklären Hans-Christian Richter, Ulrike Rix, Maria Eßeling, Norbert Kempf und Beni Hehr ihre Perspektiven.

Aalen

Wie kann die katholische Kirche der Zukunft aussehen? Wie kann sie missionarisch wirken, wo bliebt die Nächstenliebe bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder der Beteiligung von Frauen in Ämtern und warum lohnt es sich, in der Glaubensgemeinschaft trotz aller Probleme und Missstände zu bleiben? Das sind nur einige der Fragen von Moderator Dr. Bernd Kinzl bei der „Werkstatt Kirche – meine Vision vom Katholischsein morgen“.

Auf dem virtuellen Podium vor über 30 Gäste sitzen in der Aalener Kirche engagierte Mitarbeitende: Pastoralassistent Hans-Christian Richter, die Physikerin und Familienfrau Maria Eßeling, song4u-Mitarbeiter Beni Hehr, IT- und Ökumene-Experte Norbert Kempf sowie Ulrike Rix als Vertreterin der aktiven Frauen und langjährige Vorsitzende des katholischen Frauenbunds Aalen.

Sie alle nehmen kein Blatt vor den Mund und formulieren ihre Vorstellungen deutlich. Der Rahmen ist vorgegeben. Die vier zentralen Grunddienste der Kirche: das Verkündigen, die Liturgie, die Diakonie und die Gemeinschaft. In vier Runden nimmt jeder und jede nimmt Stellung und teilt seine oder ihre Vision.

Die Verkündigung: Maria Eßeling macht den Auftakt. Sie spricht die Missbrauchsfälle an. Dabei sei viel Vertrauen verloren gegangen. Nun gehe es darum, wie ehrlich die Kirche sei, um Vertrauen zurückzugewinnen – Vertrauen als Basis für die Mission. „Nur wer ehrlich ist, kann die Menschen für den Glauben begeistern“, sagt Beni Hehr, der für mehr Alltagssprache und weniger Floskeln plädiert.

Auch für Ulrike Rix geht es darum, die anstehenden Fragen anzugehen. Ziel sei die Anerkennung der Frauen; in Bezug auf die Wertigkeit und Würde der Frau müsse noch viel getan werden.

Pastoralassistent Hans-Christian Richter wünscht sich eine Kirche, die den Glauben im Alltag lebbar macht. Er hält es für möglich, dass auch Frauen predigen, etwa in digitalen Gottesdienstformaten. Es gelte, Talente und Charismen zu fördern, egal, ob Mann oder Frau. Die Mission sollte, so Richter, eine Nebenrolle spielen; vielmehr müsse es um Ehrlichkeit gehen. Nur so gewinne man Menschen.

Die Liturgie: Die fünf Impulsgeber sind sich darin einig, dass der traditionelle eucharistische Gottesdienst auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der katholischen Kirche spielt. Dennoch gehe es in der Liturgie von Morgen auch darum, neue Formen weiterzuführen – etwa song4u – und alternative Formate zu finden. Im Mittelalter seien die kirchlichen Feiern vielfältig gewesen, betont Hans-Christian Richter. Erst seit dem Trienter Konzil sei man auf die Messe fixiert. „Was heute zählt, ist die Begegnung mit Gott“, so Richter. In der Zukunft werde mehr möglich sein. „Ich fühle mich wohl in modernen wie bei den herkömmlichen Gottesdiensten“, baut Norbert Kempf die Brücke zwischen Tradition und Vision.

Die Diakonie: Der Dienst am Nächsten und die Vision geliebter Nächstenliebe sind an diesem Abend fest verbunden mit dem Thema Segnung homosexueller Paare und der Ämterfrage. „Gott will Vielfalt“, sagt Beni Hehr. Vor ihm seien alle gleichgestellt. Ulrike Rix erinnert daran, dass Jesus auch Jüngerinnen, wie Maria-Magdalena, hatte, was das Priesterinnenamt begründe. „Als beschämend“ bezeichnet sie, wie auch Maria Eßeling, die Tatsache, dass gleichgeschlechtliche Paare nicht gesegnet werden. „Da geht die Kirche zurück auf ein mittelalterliches Menschenbild“, sagt Ulrike Rix, während Norbert Kempf sich mit dem Thema „noch schwer tut“.

Die Gemeinschaft: Warum es sich lohnt, der katholischen Kirche treu zu bleiben, machen die fünf in der Gemeinschaft fest. Maria Eßeling spricht von einer Gemeinschaft, in der man sich reiben kann; aber die Kirche biete viele Facetten und sei ein weltumspannendes Netzwerk. Richters Vision basiert darauf, seine „Agenda im Tun umzusetzen“ für eine Kirche mit Perspektiven.

Nur wer

Beni Hehr, Mitarbeiter bei „song4u“

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