Aalener Kinder vor Gewalt schützen

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Im November vergangenen Jahres gedenken Menschen in Aufhausen eines kleinen Jungen, der schwer misshandelt und getötet wurde. Der Lebensgefährte seiner Mutter ist angeklagt. Archivfoto: Marius Bulling
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Wie Kitas, Schulen und Vereine in der Stadt Konzepte entwickeln können, um zu verhindern, dass Kinder Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch werden.

Aalen

Kinder in Aalen sollen besser geschützt werden. Vor sexuellem Missbrauch und vor Gewalt. Einen entsprechenden Antrag stellte Carmen Venus für die Grünen-Fraktion im Gemeinderat. Bereits Ende des vergangenen Jahres stand der auf der Tagesordnung im Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss (KBFA). Kurz nachdem in Aufhausen ein kleiner Junge, knapp zwei Jahre alt, gestorben war. Der Lebensgefährte seiner Mutter ist wegen Mordes angeklagt. Mutmaßlich hat er das Kind geschlagen, gebissen und getreten.

Der Fall erschütterte Menschen in der ganzen Region und darüber hinaus. Mehrmals erwähnten ihn auch die Rätinnen und Räte in der vergangenen KBFA-Sitzung, als der Grünen-Antrag wieder auf der Tagesordnung stand. Vergangenes Jahr nämlich wurde er vertagt. Man wollte zunächst Mitarbeiterinnen des Landratsamts einladen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was auf Kreisebene bereits getan wird und so zu entscheiden, wie man auf kommunaler Ebene diese Arbeit noch ergänzen kann.

Die Arbeit des Landratsamts: Jutta Funk, die Geschäftsbereichsleiterin Jugend und Familie beim Landratsamt, gaben also in der vergangenen Sitzung einen Überblick über die Arbeit des Bereichs. Die reicht von Schwangerschaftskonfliktberatung über Familienbesuche bei Eltern von Neugeborenen bis zur Jugendgerichtshilfe. Die allerwichtigste Aufgabe sei aber der Kinderschutz, sagte Funk. Wenn der Verdacht bestünde, dass ein Kind gefährdet ist, bewerte der Geschäftsbereich die Situation und interveniere bei Bedarf. „Die Inobhutnahme ist unser schärfstes Schwert“, sagte Funk. Zur Erläuterung: Das heißt, dass das ein Kind in einer Einrichtung oder einer Pflegefamilie in Sicherheit gebracht wird.

Astrid Hark-Thome, die Leiterin der Jugendberatungsstelle, stellte vor, was vorbeugend getan wird, um Kinder zu schützen. Dass Kinder keine Gewalt oder sexuellen Missbrauch erfahren, dass erkannt wird, wenn Kinder doch Opfer werden und dass Wege bekanntwerden, wie man betroffenen Kindern helfen kann, nannte sie unter anderem als Ziele der Arbeit. Dazu würden zum Beispiel Fachkräfte in Kitas geschult oder Ehrenamtliche in den Vereinen unterstützt.

Carmen Venus (Grüne): „Unser zentraler Punkt ist, dass alle städtischen Einrichtungen die bestmögliche Unterstützung dabei bekommen, Kinder zu schützen“, fasste Venus den Grünen-Antrag zusammen. Dazu sei ein Organisationswandel nötig. Fraktionskollegin Monika Brauch-Siedler ergänzte später: „Kinder und Jugendliche, egal wo sie sich aufhalten, müssen vor Machtmissbrauch geschützt werden.“ In unterschiedlichen Institutionen müsste der Schutz unterschiedlich implementiert werden, in einem Verein anders als in einer Kita.

Thomas Wagenblast (CDU) sagte: „Eigentlich ist es traurig, dass wir uns solche Gedanken machen müssen.“ Kinder zu schützen sollte selbstverständlich sein. „Doch es gibt diese unendlich traurigen Fälle, wo Kindern Leid angetan wird.“ Das Wissen um den Kinderschutz sitze im Landratsamt. Man müsse es nun für die Stadt urbar machen und zu den Akteuren bringen. Fraktionskollegin Nadine Patzelt sagte, dass ein Schutzkonzept für die Vereinsvorstände „ein Bürokratismus, aber ein Muss“ sei. „Die Ehrenamtlichen brauchen jemanden, der sie an die Hand nimmt.

Bernhard Ritter (Freie Wähler) fragte die Vertreterinnen des Landratsamts, wie der Gemeinderat ihre Arbeit unterstützen könne. Funk antwortete: „Wenn Sie in Vereinen helfen, ein Gewaltschutzkonzept zu implementieren.“ Hark-Thome regte dazu auch ein Qualitätssiegel für Vereine ein. Fraktionskollege Franz Fetzer ergänzte, dass das Präventionsprojekt „Mut zur Stärke“ an Schulen eine tolle Sache sei. Doch Lehrer müssten das beim Landratsamt anfordern. Er regte an, daraus eine automatisch wiederkehrende Aktion zu machen. „Wie das Fahrradtraining oder Schwimmen lernen.“

Helmut Gentner (SPD) berichtete vom LAC Essingen, der sich selbst einen Ehrenkodex gegeben habe, der ein Kinder- und Jugendschutzkonzept enthalte. „Das kann man nicht überstülpen“, sagte er. Der Ehrenkodex sei von allen Beteiligten selbst erarbeitet worden. Fraktionskollegin Eva-Maria Markert sprach Lob für die Arbeit des Landratsamts aus und signalisierte Unterstützung für den Grünen-Antrag.

Roland Hamm (Linke) sagte zum Thema: „Wir dürfen uns nicht einbilden, dass es das nicht gibt.“ Er habe von einem Mann gehört, der sich immer zu Ende des Ballettunterrichts am Kulturbahnhof aufgehalten habe. Ein Ehrenkodex sei gut und richtig. „Das alleine schützt aber noch niemanden.“

Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann fasste zusammen: „Zum Schluss geht's darum, dass sich jede Institution ein eigenes Schutzkonzept erarbeitet.“ Ziel sei es nun, jede Institution darauf aufmerksam zu machen.

Unser zentraler Punkt ist, dass alle städtischen Einrichtungen die bestmögliche Unterstützung bekommen, Kinder zu schützen.“

Carmen Venus, Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen

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