Aalener radelt in 16 Stunden von München an den Gardasee

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Zur Nachahmung nicht empfohlen: Matthias Baur ist auf dem Weg und macht ein Selfie ...
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Viele nehmen das Auto, andere den Zug, manche fahren auch in Etappen mit dem Rad. Matthias Baur aus Aalen fährt die Strecke von München nach Riva del Garda am Stück auf seinem Rennrad.

Aalen

Normalerweise läuft er Marathons. Und zwar die harten, ultraharte. Trails am Montblanc etwa. Über die Alpen rennen, solche Sachen. Matthias Baur aus Aalen gehört, zusammen mit seinem Bruder Marcus, zu den Ausnahmeläufern der Region.

Jetzt, in Zeiten von Corona, gibt es diese großen Massenläufe nicht. Die Pandemie hat so gut wie alle bedeutenden Laufveranstaltungen gestoppt. Matthias Baur hat sich daher ein anderes Ziel gesetzt: von München aus an den Gardasee zu radeln, bis nach Riva del Garda. Und zwar an einem Stück. Ohne nennenswerte Pause. Knapp 390 Kilometer und rund 3300 Höhenmeter.

"Es war schon immer ein Traum von mir, mit dem Rennrad an einem Stück über die Alpen zu fahren", sagt Baur. Jetzt, in der coronabedingt Wettkampf freien Zeit, hat er die Gelegenheit beim Schopf gepackt.

Start um 3 Uhr in der Frühe

Damit das Projekt "München – Gardasee" gelingt, startet Matthias Baur ganz früh, isst noch schnell etwas Toast und trinkt einen Kaffee: Um 3 Uhr morgens steigt er in München auf sein Rad, ein "normales Rennrad", wie er sagt. Neun Kilogramm schwer, gekauft in Aalen bei "Rad und Tat". Etwas Gepäck hat er auch dabei, vor allem Wasser, ein paar Müsliriegel, ein kleines Reparatur-Set, falls es eine Panne gibt und eine ganz leichte Regenjacke, untergebracht in einer kleinen Gepäcktasche unterhalb des Sattels und einer weiteren Tasche, die am Oberrohr des Fahrradrahmens befestigt ist. 14 Kilo wiegen Rad und Gepäck insgesamt. Und los geht's. Zunächst immer den Bergen entgegen: Baur fährt nach Bad Tölz, dann nach Lenggries und passiert den Sylvensteinsee, wo Strom produziert wird, und ist kurze Zeit später schon in Österreich. Und hat Hunger. Den stillt er in einer Bäckerei am Achensee. So gegen 10 Uhr am Morgen ist das. Zwei Brezeln gönnt er sich. "Das war's", mehr habe er nicht an Nahrung gebraucht während der Radtour. Er hat schon wunderbare Eindrücke gesammelt. "Gerade die ersten Stunden, wenn es auf die Berge zugeht und in den Tag hinein: Das war schon großartig", sagt Baur im Rückblick.

Er isst nicht viel. Aber er braucht Flüssigkeit. "Bestimmt zehn Liter Wasser" trinkt er unterwegs. Wo immer es geht, da hält er an einem Brunnen und füllt Vorräte auf. Denn es wird ein heißer Tag. Und von Stunde zu Stunde heißer. "Deutlich über 30 Grad", schätzt Baur.

Mal sehen, wo es das nächste Mal hingeht.

Matthias Baur

Über den alten Brenner

Vom Achensee geht es weiter nach Innsbruck. Jetzt hat er die alte Brennerstraße vor sich – und jede Menge Höhenmeter. Der Brennerpass zählt zu den wichtigsten und ältesten Übergängen über den Hauptkamm der Alpen. 1371 Meter über dem Meer ist die höchste Höhe, die maximale Steigung liegt bei 14 Prozent. Baur ist jetzt in Italien, genauer, in Südtirol. Noch rasch über Sterzing und Brixen nach Bozen – und es ist nicht mehr weit bis zum Gardasee. Doch da täuscht sich Matthias Baur. Ab Bozen hat er kräftigen Gegenwind. "Da bläst es am Nachmittag immer so durchs Tal hindurch", sagen ihm Radfahrer, wenn er kurz anhält, um Wasser aufzufüllen oder ein Foto zu schießen. "Das zäheste Stück" der ganzen Strecke, sagt Baur. Die Beine werden schwerer. Und es sind noch fast 100 Kilometer harte Pedalarbeit. Doch Baur beißt sich durch, ans Aufhören denkt er nicht, er fühlt sicht gut: Über Trento, Rovereto erreicht er Riva del Garda – um 19 Uhr: 15 Stunden Fahrzeit, eine Stunde Pausen, 386 Kilometer und rund 3300 Höhenmeter, so lautet die Bilanz.

Matthias Baur hat nun Hunger, geht in ein Ristorante – und gönnt sich eine Pizza. Mit Salami. Er freut sich auch auf seine Freundin Leonie. Denn die ist ihm nachgereist mit dem Auto und etwas mehr Gepäck, sodass sie gemeinsam ein paar Tage in "Bella Italia" verbringen können. Für den Läufer war das Radprojekt eine neue Erfahrung – "und auch echt schön". Das Radfahren fühle sich "ganz anders an". "Eine coole Tour", so lautet sein Fazit. Und nicht seine letzte. "Mal sehen, wo es das nächste Mal hingeht", sagt der Aalener.

Zur Person: Matthias Baur ist 26 Jahre alt und läuft seit vielen Jahren Ultratrails. Zu seinen Erfolgen gehört der Sieg beim Ultra-Trail Lamer Winkel, eine Strecke von 54,5 Kilometern mit 2600 Höhenmetern. Er war Teilnehmer an der Trailrunning-WM und hat mehrfach den Transalpine Run geschafft. Die schönste Laufstrecke, so wird er in einem Porträt zitiert, sei aber der 30 Kilometer lange Panoramaweg rund um Aalen.

Matthias Baur lebt in München und arbeitet dort für ein großes Softwareunternehmen. Sein Tipp für Leute, die Interesse an Ausdauersport haben: "Langsam steigern – und auch mal was riskieren."

Matthias Baur ist am Ziel: Rund 16 Stunden, nachdem er in München mit seinem Rennrad losgefahren ist, kommt er am Gardasee an: in Riva del Garda.
Die Route, die Matthias Baur gewählt hat für seine Tour von München an den Gardasee. SDZ-Grafik: Carmen Apprich

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