Aalener startet Hilfsaktion nach der Explosion in Beirut

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Bilal Omayrat lebt seit 1988 in Aalen. Nach der Explosion in seiner Geburtsstadt Beirut möchte er helfen.
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Bilal Omayrat ist in Beirut geboren. Vor allem das Schicksal der Kinder dort berührt den Familienvater. Daher sammelt er nun Spenden.

Aalen/Beirut

Er war auf der Arbeit, als er davon erfuhr. In einer Pause schaute Bilal Omayrat aufs Handy und sah die Bilder der Zerstörung. Über Freunde und Bekannte kamen die Fotos zu ihm, noch bevor er von der Explosion in den Nachrichten erfuhr. "Ich war schockiert", erzählt der 41-jährige Aalener.

Er ist in Beirut geboren, lebt aber bereits seit seiner Kindheit in Aalen. Im Libanon hat er Freunde und Verwandte. Kurz nach der Explosion war es für mehrere Stunden nicht möglich, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Wahrscheinlich waren die Handynetze zusammengebrochen, vermutet Bilal Omayrat.

Ein paar Stunden später gelingt die Kontaktaufnahme und der Aalener erfährt, dass es der Familie und den Freunden körperlich gut geht, nur ein Freund ist bei der Explosion leicht verletzt worden. "Gott sei Dank", möchte der 41-Jährige sagen, aber angesichts der Tatsache, dass so viele andere Menschen schwer verletzt wurden oder getötet worden sind, kommt ihm das nur schwer über die Lippen.

Viele wussten schon vorher nicht, was sie essen oder wo sie schlafen sollen.

Bilal Omayrat Aalener mit libanesischen Wurzeln

Besonders berührt den Familienvater das Schicksal der Kinder in Beirut. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge sind 80 000 Kinder in der Stadt wegen der Explosion obdachlos geworden. Daher hat er nun gemeinsam mit seinem Aalener Cousin Ahmad Omeirat eine private Hilfsaktion ins Leben gerufen und über die sozialen Medien dafür geworben. Innerhalb von nur zwei Tagen sind bereits über 1000 Euro zusammengekommen. Ende September möchte er in den Libanon reisen, um das Geld der Caritas vor Ort zu übergeben und speziell Kindern und Familien eine Freude zu machen. Er denkt dabei an Kleider, Schuhe, eine Decke oder ein Spielzeug. Welcher Religionsgemeinschaft jemand angehört, der Hilfe benötigt, spielt für ihn keine Rolle, das betont der Muslim. "Es geht um die Menschen", sagt er.

Wenn Bilal Omayrat einen Partner in Aalen oder Umgebung findet, der mit der Logistik helfen kann, möchte er Hilfsgüter per Container verschiffen und vor Ort verteilen. Weil er sich Sorgen wegen der Korruption im Libanon macht, möchte er Spenden und Güter selbst übergeben, um sicher zu sein, dass alles ankommt. Internationalen Hilfsorganisationen wie der Caritas vor Ort vertraut er. Er möchte außerdem, dass jeder Cent, der gespendet wird, in Beirut ankommt. Dass er und sein Cousin oder etwaige weitere Begleiter das Flugticket selbst bezahlen, findet er dabei selbstverständlich.

Die wirtschaftliche Situation im Libanon sei schon seit Langem schwierig gewesen, erzählt der Aalener. Die Schere zwischen Reich und Arm geht ihm zufolge weit auseinander. "Viele wussten schon vorher nicht, was sie essen oder wo sie schlafen sollen", erzählt Bilal Omayrat. Dann kam Corona. Und nun noch die Explosion. Der 41-jährige Verkaufsfahrer im Vertrieb hat trotzdem die Hoffnung, dass sich die Situation langfristig wieder bessert. Auch dank der Hilfsbereitschaft aus aller Welt.

Spenden per Paypal oder Überweisung

Wer die private Spendenaktion der beiden Aalener unterstützen möchte, kann per Paypal unter diesem Link spenden: https://paypal.me/pools/c/8ryYqXg0LA

Spenden kann man auch überweisen auf das private Konto IBAN DE48 6145 0050 1000 8791 68, Verwendungszweck "Hilfe für den Libanon".

Ein Bild der Verwüstung: Die Explosion vergangene Woche in der libanesischen Hauptstadt Beirut hat weite Teile der Stadt zerstört. 165 Menschen starben, 6000 wurden verletzt.

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