Aalener Wirte bereiten sich auf Lockerungen vor

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Lange Lockdownmonate haben die Gastronomen hinter sich. Die 7-Tage-Inzidenz des Ostalbkreises macht allerdings Hoffnung. Ist sie fünf Werktage in folge unter 100, darf geöffnet werden. Archivfoto: opo
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Die Inzidenz im Ostalbkreis kratzt an der 100er-Grenze. Auch Innenbewirtung rückt in den Bereich des Möglichen. Was in den Lokalen zurzeit passiert.

Aalen

Solange die Zahl über 100 ist, können wir nicht aufmachen“, sagt Dagobert Hämmerer, Vorsitzender des Gastronomen und Hotellerieverbands Dehoga im Ostalbkreis. Was allerdings schon geht: vorbereiten. Denn aktuell scheint eine 7-Tage-Inzidenz von unter 100 mit einem aktuellen Wert von 100,3 so greifbar, wie schon lange nicht mehr. Was bei Wirtinnen und Wirten derzeit ansteht und warum sie sich nicht nur auf die Außenbewirtschaftung verlassen müssen.

Noch steht kein bestimmtes Datum für Öffnungen in der Gastronomie fest. Trotzdem gibt es für Wirte viel zu tun, sagt Dagobert Hämmerer. Er rechnet frühestens Anfang der kommenden Woche damit, dass Wirte wieder ans Werk dürfen. „Davor wäre es für viele zu knapp gewesen“, sagt er. Denn: „Man braucht eine Woche Vorlauf.“ Mindestens aber drei Tage sind an Vorbereitung nötig, sagt Andreas Högg, Betreiber des Hotels und der Gaststätte Wilder Mann in Wasseralfingen. Denn: „Man kann nicht von heute auf morgen öffnen.“

Högg hat zurzeit viel zu tun. Die Speisekarte fertigstellen, neue Sachen ausprobieren, Weingute besuchen und die Tropfen testen sowie einkaufen, zählt er auf. „Ansonsten schaut man, dass der Laden wieder gerichtet ist“, erklärt er. Den Außenbereich seiner Gaststätte habe er bereits als erledigt abhaken können. Der Innenbereich steht noch an. Denn anders als in den übrigen Bundesländern, ist in Baden-Württemberg auch die Bewirtung im Inneren möglich.

Planung ist schwierig

Trotzdem sei die Planung nicht ganz einfach. Auch, wenn es um das Personal geht. „Es hat an der einen oder anderen Stelle einen kleinen Wechsel gegeben“, sagt Högg. Am schwierigsten sei es bei Aushilfen. Über den Lockdown sei er gezwungen gewesen, sie freizustellen. Staatliche Hilfen habe es für sie nicht gegeben. „Aber wir sind immer mit ihnen in Kontakt“, versichert er. Sein Team sei gut aufgestellt.

Dass Herausforderungen beim Personal bestehen, bestätigt Dagobert Hämmerer: „Das ist unser größtes Problem, dass wir zurzeit mit den Öffnungen haben.“ Viele Angestellte vieler Wirte seien über die Lockdown-Monate abgewandert, hätten sich andere Verdienstmöglichkeiten gesucht. Ein Problem, von dem Christian Hellriegel, Inhaber der Bierhalle Aalen sowie der Bar Noir, weitgehend verschont blieb. „Ich habe natürlich nie wirklich geschlossen gehabt mit dem Lieferservice“, erklärt er. Um die Speisen weiterhin zubereiten zu können und sie auf die Teller seiner Kundinnen und Kunden zu bringen, habe er seiner Mitarbeiter gebraucht und das Team auch erweitert.

Wir müssen jetzt irgendwie einmal anfangen.“

Andreas Högg, Inhaber Wilder Mann

„Es ist alles bereit. Wir arbeiten ganz normal weiter“, sagt Hellriegel, der aktuell noch auf eine Genehmigung für eine entsprechende Überdachung seines Außenbereichs wartet. Denn die brauche es zurzeit. Er sehe den möglichen Öffnungen positiv entgegen. „Es ist aber die Frage, ob die Leute Hemmungen haben, sich für einen Espresso testen zu lassen“, sagt er.

Nicht überall sind Teststellen an Sonntagen im Einsatz

Auch Andreas Högg wittert Herausforderungen in Sachen Testungen. Zum Beispiel an Sonntagen. „Das ist ein sehr schwieriger Tag“, sagt er. Viele Teststellen seien an Sonntagen nicht im Einsatz. An diesem Punkt könnten Wirte aushelfen. Sollte er Gäste empfangen, die keinen Test vorweisen können, „sollen sie das Restaurant nicht betreten“, sagt er. Stattdessen sollen sie per Telefon auf sich aufmerksam machen. Ein Mitarbeiter könne anschließend einen Test durchführen oder der Gast könne sich selbst per Laientest testen. „Dann können wir Gastronomen den Gästen etwas ausstellen.“

Zwar macht Högg wegen der möglichen Öffnungen keine Freudensprünge, „aber wir müssen jetzt irgendwie einmal anfangen. Wir haben seit sieben Monaten zu“. Dabei fordert er auch die Unterstützung des Landratsamts, wenn es um die Erfassung des Inzidenzwerts geht.

Auch Citymanager Reinhard Skusa sieht den möglichen Öffnungen positiv entgegen. „Ohne Gastronomie? Da fehlt einfach etwas.“ Die Bewirtung sei ein wichtiger Baustein für Leben in der Aalener Innenstadt. Denn diese funktioniere nur als Gesamtpaket aus Einkaufen, Erledigungen sowie Essen und Trinken so richtig. Sollten Gastronomen dann bald bei der Öffnung den Händlern nachziehen dürfen, könne das Bänderkonzept Kundinnen und Kunden etwas Aufwand ersparen. Dieses Band bestätige einen negativen Corona-Test und ermögliche an diesem Tag den Besuch jeder Einrichtung im Stadtgebiet.

Weitere Öffnungen: Das könnte bald möglich sein

Bestätigt das Gesundheitsamt eine 7-Tage-Inzidenz von unter 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen, können laut der Verordnung des Landes neben der Gastronomie auch andere Branchen wieder öffnen.

Dazu gehören Beherbergungsbetriebe wie Ferienwohnungen und Campingplätze. Auch Betriebskantinen und Mensen an Unis sowie Hochschulen dürfen wieder den Betrieb aufnehmen.

Bis zu 100 Teilnehmer dürfen sich bei Kulturveranstaltungen wie Theater-, Oper-, Konzert- sowie Filmaufführungen im Freien versammeln.

Büchereien und Archive sollen neben zoologischen und botanischen Gärten ebenfalls wieder öffnen dürfen.

Spitzen- oder Profisport ist im Freien wieder möglich. Auch Freizeiteinrichtungen im Freien dürfen öffnen.

Mehr Infos unter baden-wuerttemberg.de

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