Aalener Wirte gehen auf die Straße

  • Weitere
    schließen
+
"Die Landesregierung lässt uns Wirte links liegen", sagt Alois Graule und zeigt auf seinem Tablet, was er im sozialen Netz an den Ministerpräsidenten geschrieben hat.
  • schließen

Protestaktion an diesem Freitag ab 11 Uhr vom Marktbrunnen bis zum Rathaus. Grauleshof-Wirt Alois Graule schreibt über Facebook an den Ministerpräsidenten.

Aalen

Die Gastronomie erlebt die fünfte Woche des Corona-Shutdowns. Der treibt auch viele Aalener Gastronomen in existenzielle Not. Dabei ist weiterhin unklar, wann Gaststätten wieder öffnen dürfen.

Alois Graule, Inhaber des Hotel-Gasthofs Grauleshof, ist enttäuscht. Enttäuscht von der Landesregierung, die die Gastronomie "so links liegen" lässt. Daher hat er am 17. April auf Facebook Ministerpräsident Winfried Kretschmann angeschrieben. "Ich verstehe nicht ... dass Sie nicht klarstellen können, dass wir unter Einhaltung eines hohen Standards der Hygiene und Einhaltung von Abständen wieder Gäste bewirten können." Graule schlägt vor, etwa nur für Reservierungsgäste zu öffnen, die sich dann eine begrenzte Zeit lang aufhalten dürften, bis die nächsten "Schicht" kommt. "Ich bin 61 Jahre alt, führe unseren Hotel-Gasthof in dritter Generation", schreibt er an den Ministerpräsidenten. "Und ich habe diesem Land schon unsagbar viel Steuern bezahlt und bekomme jetzt 9000 Euro Soforthilfe."

Dabei geht es Graule um die gesamte Branche. "Viele Mitarbeiter und Familienschicksale hängen an den Betrieben, von denen jetzt viele in Insolvenz gehen werden." Mit der Antwort des Staatsministeriums ist Graule "gar nicht zufrieden". Es wird darauf verwiesen, dass man eine neue Infektionswelle verhindern wolle: "Wir dürfen nicht in allen Bereichen auf einmal wieder loslegen. Das könnte fatale Folgen haben", heißt es.

"In der Gastronomie geht es in diesem Jahr nicht ums Geldverdienen, sondern um Schadensbegrenzung", macht Wolfgang Schieber vom Aalener Café Schieber deutlich. "Wenn man wenigstens die Außenbewirtschaftungen öffnen dürfte – das wäre schon ein Signal." Er wisse von Kollegen hier in Aalen, die um ihre Existenz ringen. , "Wenn man das hört – das ist einfach zu traurig."

Es geht nicht ums Geldverdienen, sondern um Schadensbegrenzung.

Wolfgang Schieber Café Schieber

Aus dieser Ohnmacht heraus wollen die Aalener Wirte an diesem Freitag auf dem Marktplatz demonstrieren. Sie schließen sich der bundesweiten Protestaktion der Gastro-Branche an. Unter dem Motto "Leere Stühle" wollen die Wirte zwischen 11 und 15 Uhr Öffentlichkeit und Politik auf ihre Situation aufmerksam machen. "Leere Stühle werden sich vom Marktbrunnen bis zum Rathaus reihen, bestückt mit Grabsteinen und Forderungen nach sofortiger Hilfe und schneller Öffnung", kündigt Schieber an, der die Aalener Aktion gemeinsam mit Sabiha Madan vom Aposto organisiert. Madan ist verzweifelt: "Eine Schließung von vier Wochen kann man überstehen. Aber wenn daraus mehrere Monate werden – das überlebt keiner." Zumal der erlaubte Liefer- und Abholdienst von Speisen gerade mal zehn Prozent ihres normalen Umsatzes ausmache. Darum musste sie auch die Mietzahlungen aussetzen. "Jetzt haben wir schon ein Mahnschreiben vom Vermieter bekommen, der uns mit Mahngebühren droht."

Steffi Winter, Podiumswirtin und Chefin der Gaststätte Tauchenweiler und des Hotels Waldstube Eichenhof, ringt um Worte. Sie musste alle 50 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. "Es ist katastrophal. Und definitiv existenzbedrohend." Die Soforthilfe der Politik sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So wie die zugesagte Ermäßigung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent. Denn die greife ja erst dann, wenn drinnen wieder bewirtet werden darf.

Karen Kronwald vom "Rosmarie" wüsste einen tragbaren Kompromiss in Corona-Zeiten: "Wir könnten auf dem Sparkassenplatz unsere Bestuhlung so weit auseinanderziehen, dass die Abstände eingehalten sind. Und wir würden einen Bedien-Service einrichten."

Immerhin: Gasthöfe auf dem Land scheinen besser mit der Situation umgehen zu können. "Bei uns kann man direkt vor die Tür fahren, und die Bestellung geschwind abholen", nennt Sylvia Gleich vom "Bären" in Ebnat einen Standortvorteil. "Wir haben zum Glück viele Stammkunden, die regelmäßig Speisen zum Mitnehmen bestellen, um uns Gutes zu tun."

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL