Aalener wünschen sich, wählen zu dürfen

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Bei der Übergabe (von links): Irfan Idrizi, Roderich Kiesewetter, Leni Breymaier, Mithat Basaran und Dr. Nicole Deufel.ÌÌFoto: ks
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Abgeordnete nehmen Stimmzettel einer symbolischen Wahl entgegen.

Aalen. Mehr als 8000 Aalenerinnen und Aalener haben keine Wahlberechtigung, weil sie die Staatsangehörigkeit eines Nicht-EU-Staats haben. 97 von ihnen haben trotzdem gewählt. Zumindest symbolisch. Möglich gemacht hat das die vhs Aalen zur vergangenen Bundestagswahl. Die Stimmzettel wurden am Mittwoch den beiden Bundestagsabgeordneten im Wahlkreis Aalen-Heidenheim übergeben. Leni Breymaier (SPD) und Roderich Kiesewetter (CDU) sind dazu zur vhs ins Torhaus gekommen.

In der symbolischen Wahl erhielt Leni Breymaier 34 Prozent der Erststimmen und Roderich Kiesewetter 32 Prozent. Bei der Zweitstimme lag die SPD mit 38 Prozent vorne, gefolgt von der CDU mit 16 Prozent.

Diese ersten symbolischen Bundestagswahlen in Aalen waren Teil von „Bring Dich ein“, wie Dr. Nicole Deufel, die Leiterin der vhs Aalen erläuterte. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg gefördert.

Irfan Idrizi gab den Impuls dazu, zur symbolischen Wahl in Aalen einzuladen. Er ist Mitglied des Beirats der vhs Aalen. „Die Teilhabe jedes Bürgers ist wichtig“, sagte er im Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten. Denn ein Bürger, der in Deutschland und in Aalen lebt, hätte alle Pflichten, wie zum Beispiel Steuern zu bezahlen. „Doch in seinen Rechten wird er eingeschränkt“, sagte Idrizi.

Breymaier gab ihm recht. Steuern zu zahlen ist ihrer Meinung nicht nötig, um das Wahlrecht zu erlangen. Wählen dürfen sollte ihr zufolge „wer hier studiert, arbeitet, ehrenamtlich aktiv ist, Kinder groß zieht, einfach wer hier lebt“. Im Koalitionsvertrag sei außerdem festgehalten, es künftig einfacher zu machen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen und auch die mehrfache Staatsbürgerschaft zu ermöglichen.

Auch Kiesewetter ist der Meinung, dass jeder, der in Deutschland lebt, auch in Deutschland wählen können sollte. Er ist sich sicher: „Das Wahlrecht auf kommunaler Ebene wird kommen.“ Ebenso auf EU-Ebene. Der Bund müsse dann nachziehen.

Mithat Basaran, der die symbolische Wahl mitorganisiert hat, erzählte davon, wie viel es den Menschen, die sich beteiligt haben, bedeutet hat. „Ich lebe seit 50 Jahren in Deutschland und zum ersten Mal darf ich wählen“, habe ein Teilnehmer zu ihm gesagt.

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