Aalener Zeichen gegen Ausgrenzung

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Leni Breymaier, Roderich Kiesewetter und Margit Stumpp sowie einige Geflüchtete sprechen bei der Kundgebung zum Weltflüchtlingstag am Samstag auf dem Bahnhofsvorplatz.

Politiker und Geflüchtete verlangen in einer Kundgebung vor dem Bahnhof in Aalen Ursachenbekämpfung vor Ort, aber auch Solidarität mit hier Lebenden.

Aalen

Sehr kurzfristig hatte sie zu ihrer Kundgebung aus Anlass des Weltflüchtlingstags am 20. Juni aufgerufen, die "Aalener Akademie für Kultur und Dialog" (aakademie) – und doch waren rund 80 Personen zum Aalener Hauptbahnhof gekommen. Unter ihnen viele Geflüchtete aus unterschiedlichen Ländern sowie die drei Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises, Roderich Kiesewetter (CDU), Leni Breymeier (SPD) und Margit Stumpp (Bündnis 90/Grüne).

Uta-Maria Steybe, Beauftragte für Chancengleichheit der Stadt Aalen, bezeichnete die Aktion als "wichtiges Zeichen gegen Ausgrenzung". In den vergangenen Wochen hätten die Communities und Integrationscafés nicht mehr stattgefunden, was die Geflüchteten stark verunsichert hätte. Besonders Frauen und Kinder waren betroffen. "Da bedarf es großer Anstrengungen von uns allen", sagte sie. Die Vorstandsvorsitzende der "aakademie", Mehtap Derin, verwies auf die rund 80 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht seien. "Jeder soll so leben können, wie in seinem schönsten Traum", sagte sie – möglichst in Frieden in seiner Heimat.

Roderich Kiesewetter bezeichnete den Bahnhof als "Zeichen dafür, dass vor 75 Jahren auch viele Deutsche auf der Flucht waren "und hier in Aalen als Flüchtlinge angekommen sind". 40 Prozent der derzeit Flüchtenden seien Kinder, Deutschland sei nicht unter den führenden aufnehmenden Ländern, betonte er. "Wir müssen auch daran denken, was wir mit unseren Klimaschädigungen und dem Drang nach Bodenschätzen in anderen Kontinenten bewirkt haben", sagte er. "Wir müssen vor Ort wirken, um Fluchtursachen zu bekämpfen, "und wir müssen Geflüchtete aufnehmen und ihnen helfen, wir müssen Mitmenschlichkeit leben".

Der evangelische Pfarrer Manfred Metzger forderte, dass NGOs (nicht von der Regierung beauftragte Hilfsorganisationen) und Kirchen weiter mit ihren Schiffen auf dem Mittelmeer Flüchtlinge aufnehmen und an Land bringen dürften.

Die Abgeordnete Leni Breymaier betonte, dass Deutschland während seiner EU-Präsidentschaft "Europa in seiner Flüchtlingspolitik einen" müsse, es dürfe nicht sein, dass einige EU-Mitglieder niemand aufnehmen. "Während in den Lagern in Griechenland die Menschen dicht an dicht leben, haben Urlauber am Strand nach dem Restart 25 Quadratmeter zur Verfügung, ein Irrsinn", sagte sie. "Diese Menschen wollen nicht hierher, sie müssen."

Wir sind alle Menschen.

Pierre Kedagni Afrikanischer Kulturverein

Ähnlich äußerte sich Margit Stumpp. Man müsse die Fluchtursachen bekämpfen, die in Corona oft gezeigte Solidarität müsse auch für Flüchtlinge gelten, Rassismus dürfe keine Chance haben.

Versin Adi und Hedil Alcaboni, beide aus Syrien geflohen, sagten: "Flüchtlinge wollen nach ihren Talenten und als Menschen beurteilt werden."

Paul Nillong, vor knapp 20 Monaten aus Kamerun gekommen, dankte in einer eindrucksvollen Rede Aalen für die Hilfe, er und seine Kameraden fühlten sich hier wohl. Aber in seinem Heimatland sei auch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich an der Vertreibung von Teilen der Bevölkerung beteiligt, er wisse nicht, ob seine Familie noch lebe. Pierre Kedagni vom Afrikanischen Kulturverein forderte ebenfalls die deutschen Politiker dazu auf, die Fluchtursachen zu bekämpfen. "Wir sind alle Menschen, wir sollten uns akzeptieren", schloss er.

Jürgen Eschenhorn

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