Aalener Zigarren für den Präsidenten

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Der Schauplatz eines Urlaubserlebnisses: ein Hotel am Gardasee. Davor links die Aalener, der Zweite von rechts Dr. Eugen Hafner, daneben Dr. Gebhard Müller mit Frau Marianne, links Erwin Hafner. Foto: privat
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Ein Urlaubserlebnis mit dem Mitbegründer des Südweststaates. Was den Präsident des Bundesverfassungsgerichtes mit zwei Aalenern verbindet.

Aalen

70 Jahre Baden-Württemberg. Landesweit wird dieses Jubläum vielfach gewürdigt. In allen Medien. Nachfolgende amüsante Geschichte schildert eine Episode mit Aalener Bezug.

Der Hintergrund

Hintergrund des Landesjubiläums: Da stehen zunächst die beiden Architekten des unter schweren Geburtswehen entstandenen Südweststaates: Reinhold Maier (1889-1971) und Gebard Müller (1900-1990). Sie kämpften wie die Löwen mit Leo Wohlleb, dem Staatspräsidenten von Baden, der mit allen Mitteln das Zustandekommen eines neuen Südweststaats verhindern wollte. Schließlich wurde dann der Erzliberale Reinhold Maier der erste Ministerpräsident Baden-Württembergs.

Dessen Nachfolge trat dann 1953 der Christdemokrat Gebhard Müller, vormaliger Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern an.

Dann aber - und zwar von 1958 bis 1971 - wurde Dr. Müller Präsident des Bundesverfassungsgerichts - dem Rang nach dritthöchster Politiker der Republik.

Und um den rankt sich unsere Urlaubsgeschichte.

Eine Urlaubsgeschichte

Ende der 60er-Jahre fuhren wir, mein Bruder Eugen (später Professor an der Fachhochschule Aalen) und ich mit unseren Familien nach Riva am Gardasee. Wir hatten unserem Geldbeutel gemäß ein relativ bescheidenes Mittelklasse-Hotel gebucht. Ohne Pool und Aufzüge. Am Abend unserer Ankunft eine große Überraschung beim Abendessen. Wer schlurfte da in Hausschuhen die Treppe herab? Kein Geringerer als der Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Freudig begrüßte Gebhard Müller meinen Bruder, den er vom Landtag her kannte, wo Eugen zu Müllers Zeiten Pressereferent war. Freundlich wandte er sich auch an uns alle. Und bat uns auf gut Schwäbisch: „Bitte Maul halten. Niemand braucht zu wissen, wer ich bin. Ich möchte im Urlaub meine Ruhe haben“. Bodyguards für hohe Politiker gab es seinerzeit noch lange nicht. Erst mit dem späteren Aufkommen der RAF erhielten hohe Politiker Personenschutz.

So saßen wir allabendlich in gemütlicher Runde beisammen. Ich griff in mein Zigarrenkistle, was Dr. Müller mit neugierigem Blick verfolgte. „Darf ich Ihnen auch eine anbieten“, fragte ich zögernd. „Ja, liebend gerne“ darauf der Präsident und bekannte sich als leidenschaftlicher Zigarrenraucher.

Abends der Griff ins „Kistle“

Und so blieb es. Jeden Abend wartete der Herr Präsident schon, bis ich zum Kistle griff. Dann qualmten wir genussvoll - die Zigarren aus Aalen. Das Ehepaar Müller ging nämlich erst ins Bett, wenn ihre beiden heranwachsenden Söhne von der Disco zurückgekehrt waren.

Alles änderte sich am Abend vor der Abreise. Irgendwie hatten die Hotelbesitzer doch mitbekommen, welch hohen deutschen Gast sie beherbergten. Jedenfalls war plötzlich die Hölle los. Fernsehen, Fotografen und Zeitungsreporter aus der ganzen Umgebung belagerten das Hotel. Und Präsident Dr. Müller gab bereitwillig Interviews.

Mit ihm galt das Interesse auch uns Aalenern. Und wegen Übersetzungsschwierigkeiten kam es zu allerhand Missverständnissen. Jedenfalls wurde anderntags im Fernsehen und in den Presseberichten aus meinem Bruder der persönliche Referent des Präsidenten. Und aus mir dessen Pressereferent.

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