Aalens Alt-OB ist 80 - Herzlichen Glückwunsch, Uli Pfeifle!

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Seit 17 Jahren genießt Aalens Alt-OB Ulrich Pfeifle den Ruhestand. In die Kommunalpolitik hat sich der 80-jährige Jubilar - abgesehen von zwei Ausnahmen - seither nicht mehr eingemischt. „Obwohl: Jucken tät's mich schon manchmal“, sagt der Großvater von acht Enkelkindern. Foto: Oliver Giers
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Der heute 80-jährige Jubilar hat der Stadt Aalen während seiner 30-jährigen Amtszeit zu einem Quantensprung von der Alt- in die Neuzeit verholfen.

Aalen

Keiner seiner Nachfolger hat es seither so lange wie er auf dem Chefsessel des Aalener Rathauses ausgehalten: Ulrich Pfeifle, jener Oberbürgermeister, der während seiner 30-jährigen Amtszeit der Kocherstadt zu einem Quantensprung von der Alt- in die Neuzeit verholfen hat, feiert an diesem Montag seinen 80. Geburtstag. Die geschickte und strategische Verhandlungstaktik des Alt-Oberbürgermeisters hat sich vielen Aalenerinnen und Aalenern ins Gedächtnis gebrannt. Im Interview mit Redakteurin Ulrike Wilpert verrät der Jubilar unter anderem, ob es ihn heute noch manchmal juckt, in die Aalener Kommunalpolitik einzugreifen.

Herr Pfeifle, wie fühlen Sie sich mit bald 80 Jahren?

Ulrich Pfeifle: Gewöhnlich antworte ich auf diese Frage: hervorragend. Ich habe freilich ein paar kleine Alterszipperlein. Aber ich bin stolz darauf, wie ich meinen Ruhestand in den vergangenen 17 Jahren gestaltet habe. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die 80 je erreichen würde. Ich achte jetzt freilich ganz anders als noch während meiner Amtszeit auf meine Gesundheit, gehe zwei Mal in der Woche gemeinsam mit meiner Frau zum Nordic Walking und allmorgendlich geht's auf den Heimtrainer. Daneben genieße ich gerne kulturelle Veranstaltungen. Als großer Udo-Lindenberg-Fan war ich erst neulich bei seinem Auftritt in der Schleyerhalle.

Wie werden Sie Ihr Jubiläum feiern?

Unsere Familie, unsere drei Kinder und acht Enkelkinder (im Alter zwischen 3 und 20 Jahre, Anm. d. Red.) habe ich bereits im Sommer zu einem großen Familientreffen in die Rhön eingeladen. Weil sie in alle Welt verstreut sind, wusste ich, dass sie nicht alle zum Empfang kommen können, den die Stadt Aalen am Sonntag im Vorfeld meines Geburtstages auf Schloss Fachsenfeld ausrichtet.

Gab es irgendeinen Moment in den vergangenen 17 Jahren Ihres Ruhestands, in dem Sie sich geärgert haben, dass gesundheitliche Gründe Sie im Jahr 2005 zu der Entscheidung gezwungen haben, zurückzutreten?

Nein. Ich habe damals genau den richtigen Zeitpunkt erwischt. 30 Jahre sind ein Haufen Zeug - für die Stadt und für mich. Ich hatte damals riesige Probleme mit meinem Bewegungsapparat. Dennoch war es für mich wichtig, danach gleich etwas Neues anzufangen. Die Halbtagsarbeit als Anwalt hat meinem Tag Struktur gegeben. Ich habe zwei Bücher mit Anekdoten über meine Amtszeit in Aalen geschrieben ... und auch das Reisen habe ich im Ruhestand nachgeholt; etwa nach Australien, Indien, China und den Iran. Syrien habe ich noch vor dem Krieg als tolles Land erleben dürfen.

Eingemeindungen, Thermalbad, Tiefer Stollen, Unesco-Welterbe Limes, internationale Städtepartnerschaften und vieles mehr haben Sie für Aalen erreicht. Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind?

Ganz besonders stolz bin ich auf die Gründung des städtischen Theaters während einer Zeit, in der andere Theater schließen mussten. Freilich auch auf die Limesthermen. Aber auch auf das erste interkommunale Gewerbegebiet Aalen-Essingen. Und auf die Westumgehung. Das war ein Husarenritt.

Heute betrachten sie die Aalener Kommunalpolitik aus der Distanz. Zuckt es sie manchmal, einzugreifen und die Weichen zu stellen?

Prinzipiell wollte ich bewusst einen Abnabelungsprozess. Das habe ich auch 2005 so kundgetan, als ich vom damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger in der Stadthalle verabschiedet wurde. Jucken tät's mich manchmal schon. Aber ich habe mich seither nur zwei Mal öffentlich geäußert: als es vor Kurzem um die Frage ging, aufgrund der Energiekrise die Limesthermen zu schließen - und auch in der Krankenhausdebatte.

Aalens derzeitiger OB Frederick Brütting hat einmal gesagt, dass er seine eigene politische Prägung unter anderem auf Kontakte zurückführt, die er als Schülersprecher mit Ihnen als damaligem SPD-OB hatte. Betrachten Sie Brütting als eine Art „Ziehsohn“?

Da überschätzen Sie meine Rolle (lacht). Brütting hat sich tatsächlich selbst entschieden, sich für Aalen zu bewerben. Er könnte heute leicht anderswo Oberbürgermeister sein. Als sein Amtsvorgänger Thilo Rentschler seinen Rücktritt angekündigt hat, hat Brütting schon gesagt: Das ist mein Glück. Er hat mich nur einmal gefragt. Aber der Impuls kam von ihm. Für mich hatte sich allerdings schon länger abgezeichnet, dass Brütting in der Kommunalpolitik irgendwann ganz oben landet.

Gab es rückblickend etwas, an dem Sie als OB gescheitert sind?

Ehrlich gesagt: Da fällt mir nichts ein. (Pfeifle überlegt, kratzt sich am Hals). Ich sage immer: So wie man in den Wald hineinruft, so kommt es heraus. Denn meine Voraussetzungen als 32-jähriger junger SPD-Außenseiter in Aalen waren ja nicht so rosig. Damals hatte die CDU im Aalener Gemeinderat eindeutig das Sagen. Und die CDU hatte bis zuletzt auf den Wahlsieg ihres Kandidaten Dr. Eugen Volz gehofft. Für die CDU war das eine wahnsinnige Niederlage. Aber dann haben sie gemerkt, dass ich alle mitnehmen will im Gemeinderat - der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Birkhold wurde mein bester Sparringspartner. Bei den drei Wiederwahlen hat sich die CDU dann gar nicht mehr getraut, einen ernst zu nehmenden Gegenkandidaten gegen mich aufzustellen.

Keiner Ihrer Nachfolger - weder Martin Gerlach noch Thilo Rentschler - hat es als OB in Aalen so lange ausgehalten wie Sie. Liegt das an der „Raumtemperatur“ im Gemeinderat oder eher an den Charakteren der beiden?

Zunächst einmal: Der Gemeinderat ist derselbe wie zu meiner Amtszeit. Ich halte nichts davon, wenn andere sagen, der Gemeinderat sei besonders schwierig. Es ist tatsächlich ein Vertrauensverhältnis, das man als OB nicht geschenkt bekommt, sondern sich erarbeiten muss. Es ist eher eine Frage der Mentalität. Thilo Rentschler wollte sich aus mir eigentlich unverständlichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Ich habe das Gefühl, dass es diesmal mit Frederick Brütting mehr werden kann, als nur eine Amtsperiode, also nur acht Jahre.

Ist das Amt des Oberbürgermeisters heute anspruchsvoller geworden, als zu Ihrer Zeit?

Ganz klar. Zum einen durch die sozialen Medien, die es zu meiner Zeit noch gar nicht gab. Wenn sich früher jemand aufgeregt hat über den Pfeifle, musste er seine Kritik daheim auf Papier aufschreiben, in einen Umschlag stecken, den nächsten Briefkasten aufsuchen oder zur Redaktion fahren, um den Brief abzugeben. Heute tippt flugs irgendjemand - teils unter falschem Namen - den Ärger in sein Handy hinein - was dann sofort von einer große Leserschaft wahrgenommen wird. Ein OB der Gegenwart ist diesem (hilflos) ausgesetzt.

Und zum anderen?

Zum anderen ist die Anspruchshaltung der Bürgerinnen und Bürger gewachsen. Heute sind sie sehr schnell im Formulieren ihrer Wünsche. In den vergangenen Jahren war sehr viel Geld da. Und ich glaube, da wurden die Bürgerinnen und Bürger und die Kommunalpolitik verwöhnt.

Wenn Sie heute noch einmal 32 Jahre alt wären: Würden Sie wieder als OB in Aalen kandidieren?

Unbedingt. Ich habe ja immer gesagt, OB ist mein Traumjob. Dieser Meinung bin ich auch heute noch. Es war in meinem Fall nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Dass es dann Aalen wurde, war aber eher ein Zufall. Meine Frau ist gebürtige Aalenerin. Auf diesem Wege hatte ich damals als Staatsbediensteter beim Regierungspräsidium erfahren, dass es in Aalen eine OB-Wahl geben würde. Ich würde es sofort wieder tun.

Ulrich Pfeifle war von 1976 bis 2005 Oberbürgermeister in Aalen. Ab 1996 war er zudem Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag. Dort vertrat er das Zeitmandat des Wahlkreises Aalen. Aus gesundheitlichen Gründen legte er im Herbst 1997 sein Landtagsmandat nieder. Die Erfolge seiner Arbeit führten ihn auch in Führungsfunktionen des Deutschen und baden-württembergischen Städtetages. Zeit seiner Amtszeit wurde Pfeifle immer die Fähigkeit zugesprochen, auch bei schwierigsten Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat fast immer eine Mehrheit zu finden.

Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt. Der Jubilar im Gespräch mit Redakteurin Ulrike Wilpert.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.
Am 31. Oktober 2022 wird Alt-OB Uli Pfeifle 80 Jahre alt.

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