Aalens Handel in der Krise kreativ

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Die Kundenfrequenz in der Aalener Innenstadt hat extrem nachgelassen, nachdem die Gaststätten am 1. November wieder schließen mussten. Dadurch spürt auch der Handel Umsatzverluste.
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Warum die Aalener Geschäfte hohe Umsatzverluste beklagen, obwohl sie geöffnet haben dürfen. Was die Innenstadt den City-Kunden in der Vorweihnachtszeit trotzdem bietet.

Aalen

Die Cafés zu, kein Mittagstisch. Kein Glühwein sowieso und jetzt also auch kein Weihnachtsmarkt. Vorweihnachtliche Stimmung will in dieser durch Corona getrübten Zeit in der Aalener Innenstadt nicht so recht aufkommen.

"Der Handel hat es zwar sicher noch leichter als die Gastronomie, die komplett schließen musste. Aber auch wir spüren große Umsatzverluste, wir liegen sicher um rund 30 Prozent unter dem Vorjahr", sagt Josef Funk, Seniorchef von Mode Funk und zugleich Vorsitzender des Innenstadtmarketingvereins Aalen City aktiv (ACA).

Die Schockstarre der Kunden in der ersten Woche nach dem verordneten Teil-Lockdown habe sich zwar jetzt am Ende der zweiten Woche schon etwas gelöst. "Ich habe das Gefühl, dass wir aktuell wieder ein bisschen zum Einkaufsalltag vor dem Teil-Lockdown zurückkehren", sagt Claus Albrecht, Vorsitzender im Bund der Selbstständigen (BdS). Doch die Kundenfrequenz sei nach wie vor verhalten.

"Besonders markant ist, dass die auswärtigen Kunden ausbleiben", merkt Josef Funk an. Vor allem diejenigen, die das Einkaufserlebnis in Aalen gewöhnlich und gerne mit einem Besuch in einer der Innenstadt-Gastronomien verbinden. "Doch ohne die Aussicht auf einen gemütlichen Cappuccino und ein ungezwungenes Schwätzchen mit Bekannten in den normalerweise gut besuchten Innenstadtkneipen, haben viele keine Lust mehr auf einen Einkaufsbummel", stellt Funk fest. Dennoch erlebe er jetzt auch Kunden, die kommen und sagen, sie wollen mit einem Einkauf den Aalener Handel bewusst unterstützen. "Das ist schön, wenn man so etwas hört."

Die Innenstadt funktioniert nur im Zusammenspiel von Gastronomie und Handel, weiß Aalens Citymanager Reinhard Skusa. Und darum wagt er gar nicht darüber nachzudenken, was wäre, wenn der Lockdown für die Gastronomie bis in den Dezember hinein verlängert würde. Zumal der Weihnachtsmonat die wichtigste Zeit für den Handel sei. "Im Dezember entscheidet sich üblicherweise, ob der Handel das Jahr mit einem Plus oder einem Minus abschließt", weiß der Citymanager.

Wie die Aalener Innenstadt den Kunden unter Berücksichtigung aller Corona-Verordnungen trotzdem ein vorweihnachtliches Einkaufserlebnis bescheren will:

1 Glanz und Glitzer: Die neue Giebelbeleuchtung mit LED-Lampen ist am Marktplatz bereits installiert, auch die großen roten Reichsäpfel werden wieder gestellt und samt Überspannungen und Lichterglanz in den Bäumen die City erleuchten.

2 130 Christbäumchen, mannshohe serbische Fichten im Topf, verziert mit roten Schleifen und Leuchtfäden, werden überall in der City die Eingänge der Geschäfte verzieren.

Vor allem die auswärtigen Kunden bleiben aus.

Josef Funk ACA-Vorsitzender

3 Ein Weihnachtswald: Skusa berichtet von der Idee eines weihnachtlichen Märchenwaldes auf dem Spritzenhausplatz, den ACA mit drei Meter großen modernen Engeln bestücken möchte. Was feststeht: Der Spritzenhausplatz und die Fassaden sollen farblich auf Weihnachten abgestimmt illuminiert werden.

4 Das ACA-Weihnachtsgewinnspiel bietet den Kunden die Möglichkeit, einen von 20 Fiat 500 Hybrid zu gewinnen: Elf Monate Fahrspaß, Versicherung, Steuer, Winter- und Sommerreifen inklusive. "Der Gewinner muss nur noch tanken", sagt Skusa. Die Lose liegen in den Geschäften aus, die erste Ziehung ist am 30. November, die letzte am 22. Dezember.

5 Der Weihnachtsbaum: Ob die City auch in diesem von Corona gebeutelten Jahr einen riesigen Weihnachtsbaum stellen könne, sei eine Budgetfrage, meint der Citymanager. Zumal coronabedingt auch das Budget des Innenstadtmarketingvereins geschrumpft sei. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage hätten einige Händler ihre ACA-Mitgliedschaft gekündigt oder ihre Beitragszahlung ausgesetzt.

6 Privates Einkaufserlebnis: Um ihren Kunden in Corona-Zeiten die Einkaufsatmosphäre so sicher wie möglich zu gestalten, bieten immer mehr Aalener Geschäfte ein privates Einkaufserlebnis. Nach vorheriger Reservierung des Kunden öffnen die Geschäfte ausschließlich für einen kleinen privaten Kundenkreis. Aalen City aktiv (ACA) arbeitet aktuell an einer Liste der Betriebe, die dieses private Einkaufen anbieten. Einzusehen ist diese Liste samt Kontaktadressen dann auf der Homepage aalencityaktiv.de sowie in den sozialen Netzwerken.

7 Ein ideales Weihnachtsgeschenk, so Reinhard Skusa, sei ganz besonders in diesem Corona-Jahr der City-Star, ein Gutschein im Scheckkarten-Format. "Wer ihn kauft und weiterverschenkt, unterstützt die lokalen Geschäfte, das Geld fließt zu 100 Prozent in den Handel vor Ort", betont Skusa. Das aus dem Gutscheinkauf eingenommene Geld werde auf ein Treuhandkonto eingezahlt. "Damit schließen wir die Gefahr aus, dass im Insolvenzfall eines Geschäftes die auf dem Gutschein gespeicherte Summe verloren geht", versichert der Citymanager.

Öffnen für kleinen Kundenkreis

Aalen. Gleichsam als Vorreiter des privaten Einkaufserlebnisses in Aalen versteht sich Malibu Fashion am Marktplatz. "Das private Shopping bieten wir unseren Kunden schon seit zehn Jahren", berichtet Inhaberin Birgit Steiner. Das Angebot unter Berücksichtigung aller Hygiene- und Abstandsregeln komme auch jetzt in der Corona-Krise gut an. Und sorge damit zumindest für einen kleinen Lichtblick. Denn zu den allgemeinen Ladenöffnungszeiten seien die Kunden "viel weniger" geworden. "Den Laden auf Vorbestellung für einen kleinen Kundenkreis zu öffnen, lohnt sich. Für uns ist das top", bestätigt Tochter Tamara Schmitz.

Auch Uli Riegel von Dr. Fashion und Dr. Fair Fashion praktiziert das private Shoppingangebot für Kunden schon seit einigen Jahren. "Die Nachfrage danach ist während Corona weiter gestiegen", berichtet er. Auf maximal acht Personen sei bei Fair Fashion das private Einkaufserlebnis begrenzt. "Bei unserer Ladenfläche von 240 Quadratmetern haben die Einzelnen damit genügend Raum, um sich frei und sicher durch den Laden zu bewegen und einzukaufen", sagt Riegel. Und weil in diesem Corona-Jahr keine vorweihnachtlichen Kunsthandwerkermärkte stattfinden können, hat Riegel Handwerkliches von regionalen Kunstschaffenden kurzum in sein Sortiment aufgenommen: Engel aus Tiffany-Glas, Christbäume aus edlem Holz, Sterne und Weinkühler aus Betonteilen, und, und, und.

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