Abgeordnete fordern gerechte Impfstoffverteilung

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Die aktuelle Impfstrategie benachteiligt große Landkreise wie den Ostalbkreis. Archiv-
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Gemeinsames Schreiben von Bundes- und Landtagsabgeordneten an Sozialminister Manfred Lucha.

Aalen. Folgende Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem Ostalbkreis haben unterschrieben: Norbert Barthle (CDU), Winfried Mack (CDU), Leni Breymaier (SPD), Dr. Stefan Scheffold (CDU), Roderich Kiesewetter (CDU) und Christian Lange (SPD). In einem gemeinsamen Brief wenden sie sich an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) in Stuttgart und "bitten dringend darum, die Verteilung des Impfstoffes auf die Kreisimpfzentren im Land zu ändern". Weil sich zu Beginn einer möglichen dritten Welle "jede Art von Wahlkampfmanöver verbiete", schrieben sie gemeinsam, heißt es in dem Brief, "um die Bewältigung der Pandemie zu forcieren".

Tatsächlich ist der Ostalbkreis bei der Impfstoffverteilung im Nachteil. Die Strategie in Baden-Württemberg sieht so aus, dass jedes Kreisimpfzentrum gleich viel Impfstoff erhält. Nur die sechs bevölkerungsreichsten Landkreise in Baden-Württemberg haben zwei Kreisimpfzentren zugewiesen bekommen - und erhalten dementsprechend doppelt so viel Impfstoff. Hinzu kommen weitere zehn Zentrale Impfzentren, wie beispielsweise in Stuttgart, Ulm und Rot am See, die deutlich mehr Impfstoff erhalten. Dies führt dazu, dass bevölkerungsreiche Landkreise, wie der Ostalbkreis, kleineren Landkreisen gegenüber im Nachteil sind.

"Während das "Kreisimpfzentrum" in Aalen für den gesamten Ostalbkreis nach wie vor nur eine Charge pro Woche mit 1170 Dosen erhält, bekommt beispielsweise das "Zentrale Impfzentrum" in Rot am See, nördlich von Crailsheim gelegen, eine wesentlich größere Menge", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Dies führt dazu, dass sehr viele Menschen nach Rot am See oder in die teilweise noch weiter gelegenen "Zentralen Impfzentren" in Ulm oder Stuttgart fahren müssen, weil sie eine Impfung am Kreisimpfzentrum nicht so leicht bekommen können." Dadurch habe ein starker Impftourismus eingesetzt, der für die über 80 Jahre alten Menschen oft sehr beschwerlich sei.

Die Forderung der Politiker an den Sozial- und Gesundheitsminister in Stuttgart: "Die Verteilung der Impfstoffe auf die Landkreise im Verhältnis zur Einwohnerzahl vorzunehmen." Die Unterstützung des Ministers in dieser Angelegenheit, würde zum besseren Zusammenhalt in den Landkreisen beitragen. Sie trüge zudem zu einem besseren Gesamtverständnis staatlicher Maßnahmen in der Bevölkerung bei. "Auch für die Verteilung innerhalb des Landes muss der Einwohnerschlüssel ein entscheidendes Kriterium sein", so die Abgeordneten.

Das Kreisimpfzentrum in Aalen sei bestens ausgestattet und funktionsfähig. Auch Fahrtkosten könnten gespart werden, wenn dort mehr Impfungen stattfinden könnten, führen die Abgeordneten weiter aus. Rot am See sei dagegen schwierig zu erreichen: "Der örtliche Bahnhof ist 1,8 Kilometer vom "Zentralen Impfzentrum" entfernt und hat keinen Taxistand", so die Abgeordneten weiter.

Vom Bund erhalten die Länder die Impfdosen im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Bislang hat das Sozialministerium immer so argumentiert, dass man einen Karton – bestehend aus 1170 Impfdosen – nicht noch kleinteiliger aufteilen könnte. Andere Bundesländer scheinen für diese logistische Herausforderung allerdings eine Lösung gefunden zu haben – und sind beim Impffortschritt weiter als Baden-Württemberg.

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