Abgezockt bei der Partnervermittlung

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Im Alter nicht allein sein - das wünschen sich viele Menschen. Partnervermittlungsinstitute machen damit Geschäfte - nicht immer seriös, warnen die Verbraucherzentralen. Symbolfoto: pixabay
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Diese Sehnsucht wird teuer: Warum ein 72-Jähriger fast 6000 Euro zahlen soll - und wie er aus dem Schlamassel rauskommt.

Aalen Was da eigentlich passiert ist, mag Eugen H. (Name von der Redaktion geändert), noch immer nicht recht begreifen. Dabei sehnt sich der 72-Jährige aus einer östlichen Kreisgemeinde eigentlich nur nach Gesellschaft. Nicht mehr allein leben in dem großen Haus, das so leer ist, seit seine Frau gestorben ist. Jemanden haben zum Reden, zum gemeinsamen Essen, für die eine oder andere Unternehmung. So antwortete er auf zwei Anzeigen in der Zeitung. Zwei Frauen, etwa in seinem Alter, suchten über ein Vermittlungsunternehmen einen Partner. „Fünf Wochen lang passierte gar nichts“, berichtet Eugen H. Plötzlich fuhr eines Abends eine gepflegte Dame, etwa zwischen 30 und 40 Jahre, auf seinen Hof. Der Rentner, ganz Kavalier alter Schule, ließ sie ins Haus. Man sprach über dieses und jenes, wie schön es wäre, nicht mehr allein zu sein, und welche Partnerin denn zu ihm passen könnte. „Die Frau hat ziemlich viel Papiere dabei gehabt und immer was geschrieben“, erinnert sich der 72-Jährige. Hin und her sei es gegangen, und nach einer guten halben Stunde verabschiedete sie sich. Was blieb, war ein dünnes Stück Papier. Das hat es in sich. Ein Durchschlag eines „Dienstleistungsauftrags“, unterschrieben von Eugen H. „Mitglied des Klientenkreises“ des Unternehmens werde er nun und sei „berechtigt, zwölf Partnerempfehlungen entgegenzunehmen“. Für „Erarbeitung und Auswahl“ werden 5950 Euro inklusive Mehrwertsteuer fällig, sofort.

Am nächsten Tag kommt Eugen H. das Ganze spanisch vor. Am meisten irritiert ihn die Summe: „5000 Euro, das tät mich nicht kaputtmachen. Aber man sollte auch nicht über den Tisch gezogen werden.“ Immer mulmiger wird ihm zumute, er fürchtet, dass auch andere Alleinstehende mit dieser Masche zur Kasse gebeten werden. Er wendet sich an die SchwäPo-Redaktion, gibt Einblick in das Schriftstück. Klar ist für ihn: Am liebsten würde er das Ganze rückgängig machen. Aber wie?

Zahlen, damit man seine Ruhe hat?  5950 Euro für zwölf Partnervorschläge, ohne Gewähr – „das halte ich für sittenwidrig“, sagt die Aalener Rechtsanwältin Finckh auf SchwäPo-Anfrage. Im Übrigen sei die vom Vermittler zu erbringende Leistung viel zu pauschal und somit ungenügend beschrieben. „Für 5000 Euro darf man eine gesteigerte Dienstleistung erwarten.“ Sie rät dem Ostalbälbler, kein Geld zu überweisen. Falls er wider Erwarten eine Einzugsermächtigung unterschrieben haben sollte, möge er möglichst täglich sein Konto zu prüfen und die Bank vorsorglich informieren.

Der Vertrag: Ein Vertrag mit einem Partnervermittlungsunternehmen ist grundsätzlich ein Dienstleistungsvertrag. Juristin Finckh: „Da kommt man nicht so ohne weiteres raus.“ In diesem speziellen Fall aber doch: Juristisch gilt das Ganze als „Haustürgeschäft“, auch wenn der Mann nicht direkt an der Haustür, sondern daheim im Wohnzimmer unterschrieben hat. Finckh: „Anders wäre es, wenn der Vertrag unterschrieben worden wäre im Büro des Vermittlers oder außerhalb, zum Beispiel in einem Café. Dann kann man nicht so ohne weiteres widerrufen.“

Raus aus dem Vertrag: Bei Haustürgeschäften hat der Kunde ein gesetzlich verbrieftes Widerrufsrecht von 14 Tagen. Die Empfehlung der Anwältin deshalb: „Den Vertrag sofort widerrufen. Schriftlich.“ Und zwar mit einem „Einwurf-Einschreiben“. Der Postbote dokumentiere den Einwurf in den Briefkasten, damit gelte der Brief definitiv als zugestellt. Beim einfachen Einschreibebrief bestehe die Gefahr, dass der Empfänger ihn nicht annimmt und die 14-Tage-Frist verstreicht. Eile sei auch aus einem weiteren Grund geboten: Hat das Unternehmen dem Mann schon erste Partnervorschläge geschickt, „hat es seine vertragliche Verpflichtung mindestens teilweise erfüllt“, so Finckh. Die Konsequenz: Der Partnervermittler könnte dann kann mit Fug und Recht zumindest einen Teil der Geldsumme fordern.

Und wenn die 14-Tage-Frist verstrichen ist? Erfahrungsgemäß werden Partnervermittlungsunternehmen von knallharten Geschäftsleuten betrieben, weiß man in Juristenkreisen. Anwältin Finckh rät daher, sich in einem solchen Fall juristische Hilfe zu suchen und notfalls zu klagen.

Fünf Tipps, wie Sie sich vor unseriösen Partnervermittlungen schützen

  • Die Verbraucherzentrale hat sich mehrfach mit dem Geschäftsgebaren von Partnervermittlungsunternehmen beschäftigt. Leider würden einige tricksen, heißt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale. Mit Fotos attraktiver Menschen und erfundenen Inhalten für Kontaktanzeigen ködere man suchende Singles. Bei Nachfrage heiße es dann gerne, die Person sei gerade vermittelt worden. Die Verbraucherzentrale rät deshalb:
  • Prüfen Sie den Vertragsinhalt vor einem Vertragsabschluss sehr genau! Lesen Sie auch das Kleingedruckte!
  • Verlangen Sie ein Vertragsexemplar, das Sie vor der Unterschrift zu Hause in Ruhe prüfen können!
  • Lassen Sie sich neben der Vertragskopie auch eine Kopie des Partneranforderungsbogens (Partneranforderungsprofils) geben!
  • Bezahlen Sie niemals alles im Voraus! Vermeiden Sie Kredite!
  • Versuchen Sie, mit dem Institut Teilzahlungen auszuhandeln! Seriöse Unternehmen sollten sich eigentlich darauf einlassen.
  • Mehr Infos: www.verbraucherzentrale.de - Stichwort Partnervermittlung

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