„Advent der guten“ Tat will leukämiekrankem Bub helfen

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Leukämie. Die Diagnose traf Eltern und Geschwister des kleinen Martin (6) vor einem Jahr wie ein Schock. Seither kämpft die Familie um Martins Überleben. Symbolfoto: Adobe Stock
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Die traditionelle Spendenaktion der Schwäbischen Post für Bedürftige in und um Aalen startet. Warum Hilfe mehr denn je nötig ist.

Aalen

An diesem Samstag, dem Tag vor dem 1. Advent, startet sie wieder, die SchwäPo-Hilfsaktion „Advent der guten Tat“, unsere Spendenaktion für in Not geratene Menschen im Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Post; für Menschen hier bei uns, in und um Aalen. Die vergangenen eineinhalb Jahre mit der zunehmenden Zahl der Anträge haben uns spüren lassen: In der aktuellen Corona-Krise kommt unserer Spendenaktion eine Bedeutung zu, wie fast nie zuvor in der beinahe 60-jährigen Tradition von „Advent der guten Tat“.

Trauriger Fakt ist: Die Corona-Pandemie verschärft die soziale Ungleichheit in Deutschland. Menschen, die schon vor Corona eine schwächere Position auf dem Arbeitsmarkt hatten, sind jetzt von Einkommensverlusten überdurchschnittlich betroffen.

Zu diesem Ergebnis kommt der Datenreport 2021. Das ist ein Sozialbericht, der unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Statistischen Bundesamt und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung herausgegeben wird. Der Bericht legt dar, dass bereits 2018 in Deutschland fast jeder Sechste unterhalb der Armutsrisikoschwelle lebte. Und dass, wer einmal unter die Armutsgrenze rutscht, inzwischen immer länger in der Armutsspirale haften bleibt.

Gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit den kirchlichen Hilfsorganisationen Caritas und Diakonie nimmt sich die SchwäPo-Aktion „Advent der guten Tat“ vielen dieser menschlichen Schicksale im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung an. Springt als Feuerwehr unbürokratisch in die Bresche, wenn sonst nichts mehr geht; etwa wenn der Strom abgestellt zu werden droht, weil die Rechnungen nicht bezahlt werden konnten. Oder wenn die Kündigung droht, weil der Mieter plötzlich arbeitslos geworden ist. Oder wenn eine schwere Erkrankung das zuvor finanziell geordnete Leben einer Familie wie ein Kartenhaus einstürzen lässt.

Die Schockdiagnose

Die Diagnose Krebs ist immer ein schwerer Schock. Vor allem, wenn es ein kleines Kind trifft. Bei Martin (Name geändert) wurde vor einem Jahr Leukämie diagnostiziert. Da war der kleine Bub gerade einmal fünf Jahre alt. „Am 3. September, an Martins 5. Geburtstag, hat die Diagnose unser Leben plötzlich auf den Kopf gestellt“, erzählt Martins Mama Julia (Name geändert). Die 32-Jährige hat die Sozialberatung der Caritas Ost-Württemberg aufgesucht, weil sie nicht mehr weiter weiß.

Wie eine Höllenfahrt

„Zu Beginn“, sagt sie „haben die Ärzte nicht sagen können, ob Martin die Krankheit überleben wird“. Wie eine Höllenfahrt sei das gewesen. Für sie, ihren Mann (38) und Martins Geschwister, die beiden Brüder (7 und 12) und die Schwester (14). Erst nach drei Wochen dann die hoffnungsvolle Prognose der Ärzte, die von einer Überlebenschance von etwa 80 Prozent sprachen.

Der Familienvater arbeitete damals noch bei einer Sicherheitsfirma. Bis zur Erkrankung ihres Jüngsten stockte die Mutter das geringe Einkommen durch zwei 450-Euro-Jobs auf. Ausgehen, Luxus und Sonderwünsche waren bei der sechsköpfigen Familie, die in einer Dreizimmerwohnung lebt, nie ein Thema. Sie hatten zwar nie so viel Geld, um davon etwas auf die hohe Kante zu legen. Denn das Einkommen hat gerade für den Lebensunterhalt ausgereicht. „Aber wir waren eine finanziell unabhängige Familie“, stellt die Mutter fest.

Warum sich Schulden anhäufen

Die schwere Krankheit des Sohnes hat die Werte der Familie verändert. „Wir haben jetzt innerhalb eines Jahres drei Mal den Tod besiegt. Und ich weiß nicht, wie oft wir uns noch solchen Situationen stellen müssen“, sagt die Mutter und ihre Stimme wird schwach.

Was die Eltern zusätzlich bedrückt: Dass sich inzwischen finanzielle Schulden in Höhe von 6000 Euro angesammelt haben; hauptsächlich verursacht durch Kosten im Rahmen der Therapie, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Ein Antrag auf Kostenbefreiung ist gestellt, die Rechnungen sind eingereicht. Trotzdem müssen die Eltern weiterhin den Eigenanteil der Fahrtkosten zu den Therapien des Sohnes in Ulm sowie einige medizinische Hilfsmittel selbst finanzieren. 135 Fahrtbescheinigungen à 10 Euro haben sich alleine in diesem Jahr angesammelt.

Während die Mutter immer wieder über längere Zeit hinweg mit ihrem Jüngsten in der Klinik war, kümmerte sich der Vater zu Hause um die Geschwisterkinder. Dadurch häuften sich seine Fehlzeiten im Job. Sein Arbeitsvertrag wurde nicht mehr verlängert. Seit März dieses Jahres lebt die Familie von Arbeitslosengeld I und bezieht Wohngeld.

Caritas-Mitarbeiterin Charlotte Raubach spricht Klartext: „In dem Moment, in dem Wohngeld ins Spiel kommt, liegen die finanziellen Bezüge auf Höhe eines Hartz-IV-Satzes.“

Die Caritas-Mitarbeiter werden sich nun bei der Krankenkasse für eine Kostenbefreiung der Familie einsetzen. Derweil möchte „Advent der guten Tat“ der Familie einen kleinen Teil ihrer finanziellen Sorgen nehmen: Die SchwäPo-Hilfsaktion wird den Eigenanteil der Fahrtkosten von insgesamt 1350 Euro übernehmen und auch für die nötige Winterbekleidung der Kinder sorgen.

Liebe Leserinnen und Leser, bitte helfen Sie mit!

Bitte spenden Sie: Stichwort: „Advent der guten Tat“:

Konto KSK Ostalb, IBAN: DE 41614500500110050500; oder Konto VR-Bank Ostalb, IBAN: DE 05614901500101010001.

Wir waren haben innerhalb eines Jahres drei Mal den Tod besiegt.“

Julia (Name geändert), Mutter eines leukämiekranken Sohnes

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